Hoffnung für das Leben

Zur Entscheidung des argentinischen Senats gegen die Legalisierung von Abtreibung. Von Anna Diouf

Abtreibung
Abtreibungsgegner demonstrieren. Foto: Shawn Thew/EPA/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Foto: Shawn Thew (EPA)

Mit 38 zu 31 Stimmen hat der argentinische Senat den vom Parlament bereits angenommenen Gesetzentwurf zur Legalisierung von Abtreibung abgelehnt. Nachdem zuletzt in Europa Irland als einstige katholische Bastion des Kontinents die Legalisierung von Abtreibung beschlossen hat, lässt diese Nachricht aufatmen: Es ist kein „Automatismus“, dass Länder eines nach dem andern das grundsätzliche Recht auf Leben aufweichen und angreifen. Es ist kein unvermeidlicher Trend.

Abtreibung: Frauenfeindlich und inhuman?

Der Eindruck, dass dies eine unausweichliche Realität sei, entsteht vor allem durch die Selbstverständlichkeit, mit der Frauen- und Menschenrechtsorganisationen suggerieren, die Ablehnung von Abtreibung sei frauenfeindlich, inhuman und damit „rückschrittlich“. Dabei werden – sicherlich oft nicht absichtsvoll, sondern gesteuert durch die große Emotionalität, die das Thema  hervorruft – Armut, Benachteiligung und Gewalt gegen Frauen undifferenziert eingefügt in die „Rechnung“, ob Abtreibung hingenommen werden kann oder nicht. Wir müssen dagegen deutlich machen, dass diese Verhältnisse durch Abtreibung zementiert und nicht aufgelöst werden; wir müssen die selbst in dieser relativistischen Welt noch einigermaßen vermittelbare Wahrheit bezeugen, dass man durch falsche Mittel keinen guten Zweck erzielen kann.

Entscheidung und Wahlfreiheit: Ungeeignete Begriffe

In diesem Zusammenhang ist interessant und erstaunlich, dass hier ausgerechnet eine Gesetzgebung standgehalten hat, der gemäß sich im Falle illegaler Abtreibung auch die betroffene Frau strafbar macht. Dies lädt dazu ein, auch zu hinterfragen, ob unser Ansatz im Lebensschutz eigentlich anspruchsvoll genug ist: Z.B. übernehmen wir oft stillschweigend die These, das Austragen eines Kindes sei eine „Entscheidung“. Wir betonen zwar, man müsse eine „Entscheidung zum Leben“ ermöglichen, akzeptieren damit aber auch die Behauptung, es handele sich überhaupt um die („freie“) Wahl, ein Kind auszutragen oder eben auch nicht; diese Haltung aber öffnet der Gesellschaft erst ein moralisches Schlupfloch, durch das sie sich aus der Verantwortung stehlen kann.

Recht auf Leben als objektiver Maßstab

Der Balanceakt zwischen dem Festhalten an objektiven Maßstäben für Recht und Unrecht und dem Ernstnehmen von subjektiven Befindlichkeiten und Bedürfnissen kann nur gelingen, wenn wir im Einsatz für die Ungeborenen an Liebe und Geduld  auch gegenüber Abtreibungsbefürwortern immer weiter zunehmen. Denn bei aller Freude über das Ergebnis der Abstimmung sollten wir nicht vergessen, dass es eine kleine Kammer war, die hier entschieden hat. Ziel kann aber nicht sein, von einer „konservativen“ Legislative abhängig zu sein: Quer durch alle politischen und religiösen Lager sollte die breite Masse der Menschen hinter dem Recht auf Leben stehen.

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DT (jbj)