Fusion der Restkirchen?

Man kann das Zeichen Eucharistie nicht setzen, ohne damit zugleich auszusagen: Ich gehöre zur Katholischen Kirche. Von Bernhard Meuser

Eucharistie
Ein Bischof bricht bei einem Gottesdienst eine Hostie. Während es bei den Katholiken weltweit strenge Regeln für die Eucharistie gibt, sind in der evangelischen Kirche Variationen möglich. Foto: Bernd Thissen/dpa+++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit Foto: Bernd Thissen (dpa)

Wenn ich im Gespräch mit Bekannten theologisch argumentiere, werde ich immer häufiger mit der Aussage konfrontiert: Abendmahl – Eucharistie, hört doch endlich auf mit eurem intellektuellen Gezänk! An der Basis spielt das schon lange keine Rolle mehr. Kein Mensch fragt mehr: Bist du katholisch oder evangelisch. Wir machen einfach. Und das ist gut so.

Eine Weile habe ich mich ernsthaft gefragt: Ist das vielleicht wirklich gut so, ist das am Ende ein Wink von oben? Will Gott vielleicht eine faktische Ökumene, die sozusagen theologisch nur noch nachgeschliffen werden müsste? Mittlerweile bin ich der gegenteiligen Auffassung: Eine Kirche die für keine Inhalte mehr steht, weil sie aus dem Merger von Bekenntnis- und Ahnungslosen hervorgegangen, ist ihr selbstorganisierter Abgang.

Seit etwa fünfzig Jahren gibt es in der Katholischen Kirche keine wirkliche Katechese mehr - eine existenzielle und intellektuelle Initiation in die Gemeinschaft und den Glauben der Gemeinschaft. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die sonderbarsten Ansichten darüber grassieren, was etwa Eucharistie ist. Anders als das evangelische Abendmahl ist die Eucharistiefeier die Gegenwärtigsetzung des Erlösungshandelns Gottes an uns.

Um es mit Augustinus zu sagen: Im Empfang des Leibes Christi werden die Empfangenden Leib Christi, also: die Kirche. Es ist aus katholischer Sicht ziemlich unsinnig zu fragen: Hat Jesus die Kirche gegründet? Der Auferstandene begründet und erneuert sie fortwährend. Die Kirche entspringt gewissermaßen aus der Eucharistie. Und die Kirche ist primär keine soziologisch erfassbare Gruppe; die Kirche ist ein Mysterium – sie ist heilig, weil vom Allerheiligsten her kommend, von der permanenten Einladung des Auferstandenen sich „essend“ zu integrieren in die Gemeinschaft derer, die bereits die Kirche sind und den Glauben der Kirche bekennen.

Evangelische Christen kennen diese Dimension kaum. Für sie ist die Kirche die Gemeinschaft der Christen  – Punkt. Der Gottesdienst ist keine heilige Handlung  – er ist eine Versammlung, die sich vom Hören des Wortes her konstituiert. Katholisch gesehen ist das nicht falsch, aber nicht einmal die halbe Miete. Der eigentliche Ursprungsort der Kirche ist  – so sieht es die Katholische Kirche  – die Eucharistie. Insofern hat die Eucharistie eine horizontale und eine vertikale Dimension. Die Vereinigung mit dem Herrn ist zugleich die Vereinigung mit der Kirche. Oder: Die Integration in die Kirche ist zugleich die Vereinigung mit dem Herrn.

Darum kann man das Zeichen Eucharistie nicht setzen, ohne damit zugleich auszusagen: Ich gehöre zur Katholischen Kirche. Natürlich kann ein Kommunionempfänger sagen: Die Kommunion ist das, was ich darin sehe. Aber dieser individualistische Ansatz geht komplett an Wesen und Sinn des Sakraments vorbei.

Ich kann allerdings den sozialen Druck verstehen: Wenn alle zur Kommunion gehen, fühlt sich derjenige ausgeschlossen, der Gründe hat, nicht nach vorne zu eilen (etwa weil er nicht gebeichtet hat). Mittlerweile ist es ja so, dass sich die Leute fragen: Warum geht er oder sie nicht zur Kommunion? Ist etwas mit der Ehe nicht in Ordnung? Oder ist der vielleicht evangelisch? Das ist aber ein Zeichen für den radikalen spirituellen Kulturverfall. Damit man mich nicht falsch versteht: Ich brenne für Ökumene und tue eine Menge dafür. Aber ich möchte sie nicht haben auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner: „Wir sind ja so wenige, hören wir auf mit Theologie, schmeißen wir unsere Läden zusammen!“ Das finde ich grauenhaft.

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