Donald Trump, oder: Werte des Westens

Die „westlichen Werte“ bestehen aus einer glücklichen Verbindung von Freiheit und Würde. Von Jan-Philipp Goertz.

US-Präsident Trump
Donald Trump, Präsident der USA, spricht im Rosengarten des Weißen Hauses. Foto: Susan Walsh/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Foto: Susan Walsh (AP)

Auch in Deutschland gibt es eine tiefgehende moralische Empörung über Donald Trump. Gerade der G7-Gipfel war wieder hierzu Anlass, ging es doch um die „heiligen Werte des Freihandels“. Aber auch in vielen anderen Bereichen erscheint Trump als überraschende Geißel Gottes in einem Garten Eden. Dabei war dieser Garten schon immer eigentlich Jurassic Park, wir haben es nur seit 1989 weniger gemerkt – betrunken vom „Ende der Geschichte“, das nun aber seinerseits zuende ist. Doch nicht Donald Trump hat die Krise des Westens und der „westlichen Werte“ ausgelöst – er zeigt nur ihren Verfall auf.

Diese „westlichen Werte“ bestehen aus einer glücklichen Verbindung von Freiheit und Würde, bzw. einer auf Menschenwürde und -rechte gestützten Freiheit, die Verantwortung insbesondere gegenüber dem Schwächeren einbezieht, da jeder (gegenüber Gott) auch einmal der Schwächere ist. Diesen Konsens hat nicht erst Trump beendet - er ist insbesondere mit der sexuellen Revolution aufgekündigt worden.

Mit ihrer schrittweisen „Befreiung von der Familie“, als der UR-Unfreiheit, haben wir selber die Säge an den Ast gelegt. Ziele waren: Freiheit und Selbstverwirklichung – also „Interessen“, nicht „Werte“. Die Instrumente: Künstliche hormonelle Verhütung - und Abtreibung als „Not-Lösung“. Also Technologie zur Verhinderung und Tötung menschlichen Lebens zugunsten der Interessen von Stärkeren. Dies ist der neue Konsens des Westens. In der Folge: Egoismus, Pornographie, psychische und gesundheitliche Schäden, Promiskuität, Scheidungen, Bevölkerungs-stagnation, Bedrohung der Sozialsysteme, die auf starken Nachfolge-generationen aufbauen… Nicht das erste Mal, dass uns Menschen Technologie entgleitet. Die „Lösung“ dafür: Mehr Technologie, mehr Ökonomisierung und ihr ganzer Druck, noch weniger Leben.

Was die (westliche) Welt brauchte und wonach sie immer noch schreit, ist aber: Mehr Beziehung, mehr menschliche Verantwortung, mehr LIEBE. Um uns unsere diese De-facto-Abhängigkeit von anderen (Gott und Menschen) aber nicht einzugestehen, wählte der Westen schon oft Technologie. Wenn uns zu Problemen, die wir selber in Verwirklichung unserer Interessen schaffen, nichts anderes einfällt, als die bewusste Tötung Schwächerer… dann sind die „westlichen Werte“ wie Freiheit und Würde nichts wert. Individuelle Verantwortung (also Opfer) ist dann sinnlos - und auch nichts wert… Trump Narzissmus vorzuwerfen, mag zwar stimmen. Aber der Narzisst Trump ist nicht die Axt an unserem Baum, sondern nur das Krachen im Stamm, der längst abgesägt war.

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