Der Islam im öffentlichen Raum

Muslime annehmen, dem Islam widerstehen. Von Anna Diouf

Islam
Ein Besucher des Islamischen Zentrums Wien anlässlich des "Tages der offenen Moschee". Foto: Herbert Neubauer (apa)

Anlässlich der Berichterstattung über das Ende des Ramadan regen sich Diskussionen über die Präsenz des Islam im öffentlichen Raum. Dass diese von vielen als bedrohlich empfunden wird, ist verständlich: Kaum ein muslimisches Land kann eine freiheitliche gesellschaftliche Ordnung vorweisen, während mit steigender Bedeutung des Islam dessen Werteordnung auch Deutschland immer intensiver prägt. Anhand von wiederkehrenden Kontroversen um Schul- und Schwimmunterricht, steigenden muslimischen Judenhass, Phänomene wie Mehrehen oder Zwangsheirat etc. können wir bereits genügend gefährliche Entwicklungen benennen, ganz abgesehen von dem Sonderfall islamistischen Terrors.

So manches Unbehagen äußert sich allerdings in die Richtung, die Menschen muslimischen Glaubens hätten zu verschwinden – wenn nicht aus Deutschland, so doch aus dem öffentlichen Raum. Dies ist Zeichen von Angst vor dem Fremden, nicht von christlicher Gesinnung: Christen  haben sich stets danach gesehnt, durch das Evangelium Fremde in ihrer Andersartigkeit zu Brüdern zu machen – das ist Grundlage der kulturellen Diversität innerhalb der Kirche.

Wie Paulus sagt, haben Christen „nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen Mächte und Gewalten“ (Eph 6,12). Unser „Feind“ ist also nicht ein Muslim, der seinen Glauben öffentlich leben will. Im Gegenteil: Ein säkularer Staat, der die Öffentlichkeit von Religion beschneidet (außer natürlich es geht um gewalttätige oder anderweitig inakzeptable Verhaltensweisen), kann sich jederzeit auch gegen das Christentum wenden! Nein, wir wehren uns gegen den Islam selbst, weil sein Gottes- und Menschenbild Lehren enthält, die nicht nur christlichen Ansichten, sondern dem gesunden Menschenverstand widersprechen, außerdem, weil er durch seine Struktur mit unserer Gesellschaftsordnung nicht vereinbar ist.

Dies ist zuerst eine Auseinandersetzung um Wahrheit, nicht um fremde Bräuche. Sie wird nicht durch Misstrauen oder Menschenfeindlichkeit „gewonnen“, sondern dadurch, dass Christen authentisch sind: Wo der eigene Glaube, die eigene Kultur gelebt werden, kann auch eine Minderheit offen praktizieren, ohne als Bedrohung wahrgenommen zu werden oder tatsächlich eine zu sein. Wenn dagegen Christentum als virtuelle Religion erscheint, weil 90% der Christen den Glauben nicht bekennen, wenn man religiöser Identität nur Lauheit entgegensetzen kann und dem anderen mit Ressentiments statt mit dem Evangelium begegnet, muss man sich nicht wundern, wenn der Raum, den das Christentum nicht besetzt, von anderen gefüllt wird.

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