Zur RTL-Sendung „Erwachsen auf Probe“: Da werden Babys instrumentalisiert: Traumatische Erlebnisse: Diese Sendung ist ein Skandal

Es ist nicht zu fassen, dass das Kölner Gericht den Antrag des Familiennetzwerks gegen die RTL-Sendung „Erwachsen auf Probe“ abgelehnt hat (DT vom 4. Juni). Auch der VkdL (Verein katholischer deutscher Lehrerinnen) verurteilt dieses Programm aufs Schärfste. Hier werden Babys instrumentalisiert und aus ihrem elterlichen Umfeld gerissen. „Mit ständig steigender Geld- und Quotengier nimmt man in Kauf, dass Kleinkinder psychisch misshandelt werden und lebenslange Schäden davontragen“, so die Bundesvorsitzende des VkdL, Roswitha Fischer.

Die neuesten Erkenntnisse der Neurowissenschaft und der Bindungsforschung sagen ausdrücklich, dass sich das Gehirn von Babys in der Konstituierungsphase befindet und daher eine tagelange Trennung von der Mutter für ein ein- bis zweijähriges Kind unverantwortlich ist. Babys sind schließlich kein Spielzeug, keine lebendigen Puppen. Und alle schauen zu – ist Misshandlung von Kleinkindern demnächst salonfähig?

Zu Recht beschreibt Alexander Riebel die RTL-Sendung „Erwachsen auf Probe“ (DT. 6. Juni) als eine moralische Katastrophe; denn nicht nur in den Gesichtern der Babys war das Erschrecken über diese Aktion zu lesen, ihr Wegwenden, ihr Schreien war bereits Aussage genug. Sogar eine Jactatio capitis, das typische Stresssymptom dieses Alters, konnte beobachtet werden. Die breitflächige Empörung der Bevölkerung ist deshalb auch nur allzu berechtigt.

Deshalb sei der „Tagespost“ Dank, dass sie diese Grenzüberschreitung sofort in zwei Ausgaben (am 3.und am 4. Juni) zu einem Hauptthema machte. Ergänzend muss hinzugefügt werden, dass das Scheitern des Familiennetzwerkes mit seinem Antrag auf Stornierung der Sendung nicht bedeutet, dass der vielstimmige Protest damit wieder einmal eine juristische Niederlage erlitten hat.

Gleichzeitig hatte der Verein Verantwortung für die Familie e.V., mit Sitz in Uelzen, federführend durch Rechtsanwalt Dr. Burkhard Remmers, Papenburg, Strafanzeige gegen RTL erhoben. Für praktisch arbeitende Kinderpsychotherapeuten, aus denen der Vorstand dieses Vereins besteht, ist eine solche leichtfertige Inszenierung eine unerträgliche Missachtung des Kindeswohls. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Säuglingszeit das Zeitfenster bildet für die Konstituierung der Bindungsfähigkeit durch den Kontakt mit der leiblichen Mutter. Der Sender nahm also, wie es auch in der Begründung des Strafantrages heißt, „die Entstehung einer Bindungsstörung“ billigend in Kauf, indem die Babys existenziellen Ängsten ausgesetzt wurden. Darüber hinaus verstößt die Herausgabe des eigenen Kindes zu Versuchszwecken gegen Fürsorge- und Obhutspflichten.

Die Hirnforschung bestätigt heute die von Kinderpsychotherapeuten längst gemachte Erfahrung, dass frühkindliche Trennungen von den Eltern Ursache sein können für spätere lebenslängliche Beeinträchtigungen im Sinne von posttraumatischen Belastungssyndromen. Dass diese längst erhärteten Gegebenheiten zwecks einer dringend notwendigen Information der Bevölkerung vorenthalten werden, sodass Eltern sich ignorant auf Angebote dieser Art einlassen können, sollte deshalb zu weit mehr Protesten führen als nur gegen diese eine Sendung. Denn das Thema ist virulent.

Wissenswert ist es darüber hinaus: Die Strafanzeige unseres Vereins ist keineswegs abgeschlagen, sondern weiterhin anhängig. Weitere Beteiligung in der Bevölkerung durch Unterschriften sind erwünscht, (an: remmers@advokatenhus.de und an: christameves@aol.com oder postalisch: Verein Verantwortung für die Familie, Albertstrasse 14, 29525 Uelzen).

Gut, dass sie so deutlich auf diese RTL-Sendung hingewiesen haben. Man ist ja vom Fernsehen inzwischen einiges gewöhnt. Aber offensichtlich gibt es nach unten kein Halten mehr. Diese Sendung ist nun wirklich ein Skandal. Und ich staune, dass die Politik dazu so seltsam still ist. Wo bleibt denn der handfeste Protest? Wenn solche Sendungen stattfinden, sollten wir uns aber nicht wundern, wenn das Bewusstsein für die Bedeutung der Mutter-Kind-Bindung in der ersten Lebensphase immer mehr abnimmt. Babys sind keine Puppen, die man eben mal jemand anderem in die Hand drücken kann. So etwas hat Folgen für die seelische Entwicklung des Kindes. Aber wer spricht heute noch vom Kindeswohl.