Zur Geschichte des Nahost-Konflikts: Durchgehend kritisch bis feindselig

Die Titelseite der Tagespost (DT vom 14. Februar) ließ mich fassungslos zurück: Israel wird mit gereckten Fäusten vor dem Davidsstern als gefährlich-aggressiver Eroberer dargestellt, die Überschrift „Israels Hunger nach Land“ könnte gar an eine Nähe zu Nazi-Deutschland denken lassen. Auch der sonstige Sprachgebrauch („Ein Aufschrei ging durch die Welt...“) zeugt nicht von sachlich-seriöser Berichterstattung. Wieder einmal frage ich mich, warum „Die Tagespost“ praktisch durchgehend kritisch bis feindselig über Israel berichtet, einen Staat, der Christen Schutz gewährt und Übergriffe (wie 2015 auf die Kirche in Tabgha) mit der Härte des Gesetzes verfolgt, während etwa die Palästinensergebiete bei OpenDoors einen mittleren Platz unter den Christenverfolgern einnehmen.

Die Aussage im Artikel, dass der jüdische Siedlungsbau im Westjordanland (dem historischen Judäa und Samaria) völkerrechtswidrig sei, ist übrigens durchaus umstritten, auch wenn dies in unseren Medien kaum reflektiert wird. Das Westjordanland war seit dem Ende der osmanischen Herrschaft 1917 nie Hoheitsgebiet eines allgemein anerkannten, souveränen Staates. Deshalb ist es durchaus anfechtbar, die jüdische Besiedlung als „Besatzung“ zu qualifizieren. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der Völkerbundsbeschluss von 1920, der das damalige „Palästina“ (heute Israel, Westjordanland und Jordanien) für die „Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ bestimmte.

Dennoch bot Israel der arabischen Bevölkerung der Westbank zweimal eine Zwei-Staaten-Lösung an: 1947 stimmten die vorstaatlichen jüdischen Organisationen der Teilung in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu. Die arabischen Staaten lehnten dies ab und entschieden sich, die jüdische Präsenz militärisch auszulöschen, was bekanntlich misslang. 1949–1967 hatte das Königreich Jordanien die Kontrolle über das Westjordanland, nutzte diese aber nicht, um dort einen Palästinenserstaat zu errichten. Bei den Verhandlungen in Camp David 2000 bot Israel der palästinensischen Seite erneut die Gründung eines souveränen Staates an. Diese forderte aber zusätzlich das Recht auf Ansiedlung von mehreren Millionen Nachfahren palästinensischer Araber aus den Nachbarländern in Israel („Rückkehrrecht palästinensischer Flüchtlinge“), was die demografische Auslöschung von Israel als jüdischer Heimstätte bedeutet hätte. Als Israel dies ablehnte, ließ Arafat die Verhandlungen platzen. Es ging offensichtlich nicht nur um einen Palästinenserstaat, es ging um die Auslöschung Israels.

Die bisherigen Erfahrungen mit dem Abzug jüdischer Siedlungen sind übrigens wenig ermutigend: Nach dem kompletten Rückzug aus dem Gazastreifen 2005 vervielfachte sich der palästinensische Raketenbeschuss auf Israel, übrigens zeitweise unter Beteiligung von Kämpfern der „gemäßigten“ Fatah. Offenbar werden von maßgeblichen Kräften der palästinensischen Autonomieverwaltung israelische Zugeständnisse als Ausdruck von Schwäche verstanden, die zu vermehrter Aggression einlädt. Die größte Tragik in dieser politisch unlösbaren Auseinandersetzung trifft die palästinensische Zivilbevölkerung, die von ihrer eigenen Regierung in Geiselhaft genommen wird. Israel mit hässlichen Bildern und reißerischen Überschriften als landhungrigen, aggressiven Usurpator darzustellen, wird der Komplexität des Konflikts sicherlich nicht gerecht.