Zur Diskussion um die Solidarisierung mit „Charlie Hebdo“: Freiheit „mit“ oder „ohne“ Verantwortung

Vorab: Was in Paris geschehen ist, ist ein himmelschreiendes Unrecht und ein abscheuliches Verbrechen. Jegliche Anwendung von Gewalt widerspricht der Würde des Menschen. Das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden, kommt alleine Gott zu.

Es sind doch Tatsachen, dass sich 1,6 Milliarden Menschen weltweit zum Islam bekennen und dass 150 Millionen Menschen den Namen ihres Propheten tragen, sich zu ihm bekennen und ihn verehren. Darf man diese Weltreligion mit Ausdrücken aus der Fäkaliensprache beleidigen und den Propheten mit scheußlichen Hasskarikaturen verspotten?

Als katholischer Christ fühle ich mich in meinem religiösen Empfinden, in meinen Gefühlen, in meinem Innersten zutiefst verletzt, wenn Papst Franziskus auf der Titelseite groß als Kinderschänder dargestellt wird mit dem unterlegten Text: „Mal was anderes als immer diese Messdiener.“ Sowohl Bild als auch Text haben mit Pressefreiheit absolut nichts zu tun, sie sind schlichtweg eine Unverschämtheit.

Darf man dies aber alles tun und sich dabei auf Presse- und Meinungsfreiheit berufen? Sind die scheußlichen und beleidigenden Karikaturen und die Worthetzereien, die die Menschenwürde Andersdenkender völlig außer acht lassen, nur dazu da, um zur Gewinnmaximierung eines Magazins beizutragen? Unsere Gesellschaft wird nicht dadurch menschlicher und offener, freiheitlicher und demokratischer, wenn das, was vielen Menschen heilig ist, lächerlich und verächtlich gemacht wird. Was wir brauchen, ist Respekt, Achtung und Toleranz.

Für mich sind Journalisten keine Lügner und die Presse ist keine Lügenpresse, aber ein Stück mehr Verantwortung würde ich mir schon wünschen. Ich kann mich noch an ein Aufsatzthema in meiner gymnasialen Oberstufe erinnern: „Frei wovon – frei wozu“. Dies ist allerdings schon 60 Jahre her.

Freiheit und Verantwortung gehören nun einmal unzertrennlich zusammen. Freiheit mit Verantwortung führt zum Frieden, Freiheit ohne Verantwortung führt ins Chaos. Wer für sich selbst die absolute Freiheit beansprucht und dabei aber die Würde anderer Menschen verletzt, leistet keinen Beitrag zu einem verantwortungsvollen Miteinander, zum Frieden zwischen Religionen und Menschen.