Zur Diskussion um die Rekordzahlen beim Kirchenaustritt und dem Ruf nach Neuevangelisierung: Christus und seine gelebte Botschaft retten : Kein netter Anstrich, sondern das Fundament : Nicht nur die Fehler und Schwächen sehen

Es ist mehr als bedauerlich, dass so viele katholische Christen ihrer Kirche den Rücken kehren und austreten. Jeder Austritt ist einer zuviel. Doch muss man auch bedenken: Die Defizite in den vergangenen fünfzig Jahren sind unübersehbar; vor allem die ungenügende Unterweisung in Predigt und Katechese, die Uneinigkeit der Bischöfe und ihr Schweigen zu vielen wichtigen Fragen und das Versagen der Parteien, die das „C“ in ihrem Namen führen. Der Niedergang kommt somit nicht aus heiterem Himmel.

Was den Glaubensabfall betrifft: Wir hatten noch nie so viele und so gute Möglichkeiten, uns über den Glauben zu informieren durch Literatur und die digitalen Medien. Aber sind wir überhaupt noch fähig, die Botschaft Jesu aufzunehmen, zu verinnerlichen und entsprechend danach zu leben? Gleichen wir nicht Kieselsteinen, die Jahrtausende im Wasser liegen und von kostbarem Nass umspült werden?! Doch holt man sie heraus und klopft sie auf, sind sie inwendig trotzdem völlig trocken. Wir sind hart geworden, sind im Innersten besetzt von allen möglichen und unmöglichen Dingen, so dass für das Wichtigste kein Raum mehr bleibt. In seinem Buch mit dem Titel „Niemals aufgeben!“ hält uns der TV-Moderator Peter Hahne einen Spiegel vor. Das Buch ist hervorragend recherchiert und weist darauf hin, was heute wichtig ist für alle Christen und alle Menschen guten Willens – darum auch der Untertitel: „Mit Werten in Führung bleiben“. Was Peter Hahne schreibt, macht trotz aller Schwierigkeiten, mit denen wir zurechtkommen müssen, Hoffnung, weil nur Jesus Christus und seine gelebte Botschaft uns retten kann. Wer kann, soll das Buch unbedingt lesen.

Wir danken den Herren Professor Walter Hoeres und Bischof Stefan Oster für ihr Zeugnis und dem unverfälschten Stehen zum Evangelium unseres Herrn Jesus Christus, dargelegt in der Ausgabe der „Tagespost“ vom 18. August. Der Glaube an den Herrn und sein Evangelium ist eben kein Beiwerk, kein netter Anstrich, um unser Leben in einem passablen Licht erscheinen zu lassen, nein, er ist überhaupt die existenzielle Grundlage, unser Fundament, das uns nicht abhanden kommen darf. Wir sind nicht dazu berechtigt, ihn nach unserem Gusto zu verbiegen, wie es gerade gelegen scheint. Alles, was Christus uns lehrt, ist Wahrheit, und es verbietet sich von selbst, durch uns relativiert zu werden.

Aber der bis in unsere Hochschulen eingedrungene Modernismus hat Menschen auf den Plan gerufen, sich über den Schöpfer zu stellen, und damit alle Wahrheit von Christus nicht nur zu hinterfragen, sie vielmehr in den Bereich der Märchen zu entrücken. Dies ist ein furchtbarer Beitrag auf dem Weg in den Atheismus und fällt damit einer Neuevangelisierung in den Rücken, die wir so dringend brauchen.

Lassen wir uns nicht verführen, sondern bleiben wir wachsam und beten um die Wahrheit, die uns in Jesus Christus geschenkt ist.

Der Anstieg der Kirchenaustritte betrifft nicht nur die katholische Kirche. Wie die Statistiken zeigen, waren in den letzten Jahren die Verhältnisse in der evangelischen Kirche ganz ähnlich. Viele Menschen machen die Wissenschaft zu ihrem Götzen und verlieren die Freude am Glauben. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, was Fritz Hunziger in „Naturwissenschaft und Gottesglaube“ (Eigenverlag 1993/2002) schreibt: „Anlässlich einer IVCG-Veranstaltung am 28.10.1989 in Reinach/AG machte Dr. Otto von Habsburg folgende interessante Aussage: Einstein, den er noch persönlich gekannt habe, sei nicht im Unglauben gestorben. Otto von Habsburg hatte von einem amerikanischen Freund eine Kopie eines Briefes erhalten, in dem Einstein schrieb: ,Ich bin jetzt zur Erkenntnis gekommen, dass es hinter all dem, was wir sehen, einen großen Orchesterdirigenten gibt, der alles leitet und der unser Gutes will.‘ Diesen Zeilen habe Einstein im Brief noch folgende Worte hinzugefügt: ,Diese Erkenntnis gibt mir ein unglaubliches Glücksgefühl.‘“

Das von Einstein erlebte unglaubliche Glücksgefühl wartet auf jeden Menschen, der an den persönlichen Gott glaubt und seinem Sohn Jesus Christus in der von ihm eingesetzten Kirche nachfolgt. Wie beklagenswert sind die Menschen, die an der Kirche nur deren Fehler und Schwächen sehen.