Zur Diskussion um Gotteslästerung und Blasphemieparagraf: Das Heilige nicht in den Deck ziehen : Gesetz schützt Muslime besser als Christen

Nach dem Gesetz des jüdischen Alten Bundes galt Gotteslästerung als todeswürdiges Verbrechen. Im Islam ist das auch heute noch so: Beispielsweise beorderte Ruhollah Chomeini im Februar 1989 in einer Fatwa alle Muslime zur Tötung des Schriftstellers Salman Rushdie wegen dessen angeblich gotteslästerlichen Äußerungen. Wir lehnen das heute mit Recht ab, was aber nicht heißen soll, dass wir uns Gotteslästerung gefallen lassen müssen.

Wir leben schon in einer merkwürdigen Gesellschaft: Wer öffentlich die Ware einer Industrie-Firma abwertend kritisiert, muss zivil- oder sogar strafrechtlich mit empfindlicher Strafe rechnen; wer aber das Heiligste anderer Menschen in den Dreck zieht, dem passiert nichts, weil er sich auf die Pressefreiheit berufen kann. Wenn es uns gelänge, Gotteslästerung allgemein zu ächten, dann würden wir Gottes Ehre schützen und brächten niemanden in Versuchung, sie durch Menschentötung zu rächen.

Es ist schon merkwürdig: Nach den entsetzlichen Anschlägen in Paris gab es eine Welle der Solidarisierung mit „Charlie Hebdo“. Das ist verständlich, aber doch etwas zu kurz gedacht. Die Freiheit, den Glauben anderer zu beleidigen, bedeutet doch ein recht verkürztes Freiheitsverständnis. Zudem: Warum diskutieren wir in Deutschland eigentlich nicht über den Blasphemieparagrafen, der Muslime besser schützt als Christen. Es gibt Themen, an die will offenbar keine ran. Warum eigentlich?