Zur Debatte um die Zulassung zur Eucharistie für wiederverheiratete Geschiedene : Wer A sagt, wird auch Z sagen müssen

Ob eine Kommunionzulassung für wiederverheiratete Geschiedene nicht doch möglich ist, „darüber wird man sprechen müssen“, so Bischof Heiner Koch im Interview mit Regina Einig (DT vom 21. Februar). Muss man? Nach Kochs eigenen Worten „steht für die Kirche die Aufgabe der Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe nicht zur Debatte“. Dann aber gilt: Wer trotz gültiger Ehe in einer neuen Beziehung lebt, bricht die Ehe; wer die Ehe bricht, stellt sich gegen Jesu Gebot; wer sich gegen Jesu Gebot stellt, kann nicht gleichzeitig die heilige Kommunion, Zeichen der totalen Einheit mit Jesus, empfangen. So einfach ist das. Mehr „hohe Theologie“ braucht es für eine Lösung nicht. Ja, aber. Sollte nicht wenigstens „in besonderen Fällen“, „unter besonderen Umständen“, als „Einzellösung“, als „persönliche Regelung“, als Weisung „im Forum internum“ die Kommunion möglich sein (Zitate Bischof Koch)? Zum Beispiel wenn die Betroffenen eine „tiefe eucharistische Frömmigkeit“ pflegen. Oder wenn sie „sagen, dass sie nicht zur sexuellen Enthaltsamkeit berufen seien“ (was wohl für jeden, der eine gültige Ehe geschlossen hat, zutrifft). Und unversehens haben wir den ersten und einfachsten Punkt aus dem Blick verloren: Es gibt eine gültige Ehe. Immer noch. Und wer die Ehe bricht, stellt sich gegen Jesu Gebot, und wer sich gegen Jesu Gebot stellt…

Natürlich, für die Betroffenen ist die Situation schwer, oft unerträglich schwer. Aber es bleibt ein Faktum, dass eine gültige Ehe besteht und die zweite Beziehung diese Ehe bricht. Trotz eucharistischer Frömmigkeit. Diese Wirklichkeit lässt sich nicht einfach aus der Welt schaffen, auch nicht durch die mantrische Anrufung des „besonderen Einzelfalls“. Der ganzen Argumentation liegt folgendes Denkmuster zugrunde: Zugegeben, es gibt unveränderli-che göttliche Gebote. Wenn aber ein solches Gebot als unerträglich schwer empfunden wird, dann…, dann… (aber natürlich nur im Einzelfall), dann… (wirklich nur als Ausnahme), dann… (und nur wenn eine „tiefe eucharistische Frömmigkeit“ besteht und man sich „nicht zur sexuellen Enthaltsamkeit berufen“ fühlt)… dann muss auch mal eine „pastorale Lösung“ möglich sein. Dann sollte man auch die göttlichen Gebote „mit Augenmaß umsetzen“ (politisch korrekter Ausdruck für „über Bord wer-fen“). Ein bemerkenswerter Ansatz. Die Tempolimits gelten nur, solange uns Autofahrern die Einhaltung nicht zu schwer fällt.

Wenn die Kirche im vorliegenden Fall diesem Argumentationsschema folgt, wie wird sie in ähnlichen Situationen ihre Normen zum Kommunionempfang noch begründen können? Ein Gedankenexperiment: Im Oktober 2015 erlaubt der Vatikan „in Einzelfällen“ für wiederverheiratete Geschiedene den Kommunionempfang. Die Kirche sagt A. Was antwortet der seeleneifrige Priester, wenn eine Woche später zwei Pfarrkinder, die eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft leben, am Büro klingeln und um die heilige Kommunion bitten? „Natürlich wissen wir, dass unsere Lebenssituation nicht der Idealvorstellung des Evangeliums entspricht. Wie im Fall der wiederverheirateten Geschiedenen. Aber auch wir sehnen uns nach der Kommunion …“ Wer A sagt, muss B sagen. Zwei Wochen später. Der örtliche Gynäkologe meldet sich zum Gespräch. „Ich weiß, die Kirche verurteilt Abtreibung scharf und exkommuniziert jeden, der daran mitwirkt. Aber ich müsste meine Praxis schließen, wenn ich Abtreibung aus meinem Angebotskatalog nähme. Und ich habe Verpflichtungen gegenüber meiner Familie. Außerdem ich pflege wirklich eine tiefe eucharistische Frömmigkeit...“ Wer A sagt, muss auch C sagen. Einen Monat später. Der freundliche muslimische Nachbar steht vor der Tür. „Ich wäre ja auch gern katholisch; aber durch die Ehe mit meinen beiden Frauen habe ich soziale Verpflichtungen übernommen, die ich nicht ohne Schuld lösen kann. Darum kann ich mich nicht taufen lassen. Trotzdem habe ich ein ehrliches Interesse an der heiligen Kommunion…“ Wer A sagt, wird auch Z sagen. Sagen müssen. Die Logik zwingt ihn. In letzter Konsequenz zur Kommunion für alle. Natürlich immer nur „im konkreten Einzelfall“. Principiis obsta. Wehret den Anfängen.