Zur Berichterstattung über die gestiegene Zahl von Priesterberufungen in den skandinavischen Ländern: Nicht zu voreilig handeln

Ich lese regelmäßig mehrere Zeitungen und Zeitschriften, aber die Nachricht vom „dramatischen Anstieg der Priesterberufungen“ in der katholischen Kirche Skandinaviens habe ich – bisher – nur in der „Tagespost“ gelesen („Im Blickpunkt – Den Geist wieder wehen lassen“, DT vom 6. Oktober 2012). Da sieht man einmal mehr, wie unverzichtbar die „Tagespost“ für eine umfassende Information ist.

Der ganze Umfang dieser Entwicklung wird einem übrigens erst deutlich, wenn man die genannten Zahlen einmal auf unsere Verhältnisse umrechnet. Wenn bei 250 000 Katholiken dort sich 60 junge Männer auf den Priesterberuf vorbereiten, dann müssten es – nach den reinen Zahlen verglichen! – zum Beispiel hier in unserem Bistum Speyer ungefähr 120 sein. Tatsächlich waren es hier im letzten Semester aber nur 18.

Man sieht: In der Tat weht der Geist, wo er will. Zwar habe ich keinerlei Zweifel, dass der gegenwärtige Gestaltwandel der deutschen Kirche geistgewirkt ist und unser jetziger Priestermangel zu dieser Entwicklung dazugehört, vielleicht sogar dazu notwendig ist. Trotzdem wundert mich immer, dass viele Zukunftsplanungen offenbar von diesem Priestermangel als Dauerzustand ausgehen und man zum Beispiel derzeit von den Kirchenleitungen geradezu gedrängt wird, so viele – teils historisch wertvolle – Pfarrhöfe und Pfarrhäuser wie nur möglich, möglichst schnell zu verkaufen. Was wird sein, wenn womöglich aus erneuerten Gemeinden in dreißig oder vierzig Jahren plötzlich und unerwartet eine „Priesterschwemme“ nach skandinavischem Vorbild hervorgehen sollte? Wird man dann die Pfarrhäuser für teures Geld wieder zurückkaufen oder neue bauen?

Ob wir in unserer zweitausendjährigen Mutter Kirche momentan nicht doch ein bisschen unhistorisch und ungesund hektisch vorgehen?