Zum Interview „Wo Christen leiden, leiden auch Muslime“ mit Aiman Mazyek: Man muss gut zwischen den Zeilen lesen: Die meisten getöteten Christen in Islam-Ländern

Beim Interview mit Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrates der Muslime, „Wo Christen leiden, leiden auch Muslime“ (DT vom 14. September), muss man meines Erachtens gut zwischen den Zeilen lesen. Er sagt nichts, was ihn etwas kostet. Natürlich kann man sagen, man sei gegen die Haltung Afghanistans zum Übertritt eines Muslims zum Christentum und fordere die Zulässigkeit so einer Entscheidung. Es wäre schon etwas mehr, wenn zum Beispiel die Muslime auch zum Mitdemonstrieren aufgerufen worden wären. Wenn der Islam die Religion des Friedens ist, sollten deutsche Muslime doch jährlich vor der Botschaft Saudi Arabiens demonstrieren mit der Forderung, dort vorbildlich für Gastarbeiter kirchliches Leben zuzulassen, weil die akute Situation den Ruf des Islam weltweit extrem schädigt. Denn was bei uns die muslimischen Türken sind, sind dort unter anderem katholische Philippinos oder auch arabische Christen aus dem Irak oder Palästina.

Dreist finde ich die Behauptung, der Mord an Marwa El Sherbini 2009 habe etwas mit einer allgemeinen Islamophobie zu tun. Auch ist eine kritische Einstellung zu einer Religion kein Rassismus oder eine psychische Erkrankung! Hier wird eine grundsätzlich verabscheuungswürdige Haltung denen vorgeworfen, die sich kritisch mit dem Islam oder dem Verhalten einiger Migranten auseinandersetzen.

Auch der Streit um Moscheen taugt nicht als Grund, die Zustände im Islam zu rechtfertigen. Es gehört zur Demokratie, dass über alles diskutiert werden kann und die Menschen frei die Meinung sagen können. Wenn heute eine Kirche neu in ein Wohngebiet gebaut würde, kann man sicher sein, dass das Glockenläuten ein Thema wird. Und wenn jemand einen Biergarten zu nahe an einem Wohngebiet platziert, wird der auch den Ärger einiger Nachbarn erregen. Ja, es wurde sogar von zugewanderten Preußen in Bayern gegen Kuhglocken vorgegangen. Man mag zu jedem einzelnen Punkt stehen, wie man will, aber grundsätzlich gehört zur Demokratie das Diskutieren wie das Weihwasser zur Taufe. Köln, Duisburg und andere Städte beweisen, dass selbst auffälligste Moscheen hier möglich sind.

Mazyek hat zwar Recht mit der Doppelmoral, die er bei unseren Politikern kritisiert, die im Bundestag und öffentlich gegen die Christenverfolgung in vielen islamischen Staaten ab und zu protestieren, aber bei konkreten Anlässen aus wirtschaftlichen Interessen dieses dann übergehen. Aber mit der Doppelmoral der einen sollte man nie seine eigene Handlungsweise begründen. Jeder, der sich mit der Christenverfolgung oder Diskriminierung in islamischen Ländern befasst weiß, dass überwiegend die Muslime dort in religiösen Fragen nicht leiden.

Warum verteidigt Mazyek das Kopftuch? Kann man den Koran nicht historisch lesen, dass dies in den Karawanenstädten in den Wüsten, wo die Männer von langen Reisen mit ihren Wüstenschiffen einkehrten, ein Schutz gewesen ist? Reicht heute nicht eine normal anständige Kleidung aus? Laut Koran sollen die Frauen das Kopftuch anziehen, damit man diese als ehrbare Frauen ansehen und nicht belästige. Sollte es nicht so sein, dass man keine Frau belästigen darf? Leider machen hier immer wieder Frauen Erfahrungen, dass sie von Muslimen in unschöner Art angegangen werden. Es ist wahrscheinlich nur eine Minderheit, aber es sind genug, dass die Muslime nicht nur auf die vermeintlich islamophoben Deutschen schauen sollten, sondern mal intensiv darüber nachdenken sollten, was sich beim Islam als Ganzes ändern muss, damit es keinen Grund mehr für Kritik gibt.

Damit mein Brief nicht falsch verstanden wird, ich bin weder Wähler noch Anhänger von rechtspopulistischen Gruppen oder Herrn Sarrazin. Aber ich versuche, den Sachen auf den Grund zu gehen und will mit diesen Ausführungen eine seriöse Diskussion anstoßen.

Es fehlt mir ein Kommentar zur Wahrhaftigkeit der Aussagen von Aiman Mazyek. Auf die Frage nach einem Beispiel für „da wo Christen verfolgt werden, solidarisieren wir uns mit ihnen“, verweist er unter anderem auf Nigeria. Dagegen sprechen Meldungen, dass sich die Lage für Christen in Nigeria in den letzten Jahren immer mehr verschlechtert: so heißt es zum Beispiel, die Auswirkung der Radikalisierung des Islam zeigt sich in den zwölf Bundesstaaten im Norden Nigerias, in denen für die Rechtsprechung die Scharia die Grundlage ist. (Siehe entsprechende Berichte zum Beispiel bei CSI)

In der gleichen Ausgabe findet sich die Besprechung einer ZDF-Dokumentation von Jose Garcia „Wohin treibt der Islam?“ Auch hier findet sich eine ähnlich unwahre Aussage: Es gibt Meldungen, die besagen: „Das größte islamische Land der Welt (Indonesien) wird immer mehr zum christenfeindlichsten Staat überhaupt“ (siehe Radio Vatikan vom 29/07/2010). „Der Islam ist offiziell nicht Staatsreligion, sondern alle fünf Weltreligionen sind anerkannt. Zahlreiche Kommunen haben aber Gemeindeverordnungen mit Teilen der Scharia erlassen“.

Zur Ergänzung: Auch noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts beziffert „Kirche in Not“ die Zahl der wegen ihres Glaubens ums Leben gebrachten Christen auf rund 170 000 pro Jahr. Sicherlich nicht nur in islamischen Ländern, aber doch die meisten.