Rolf Hochhuth und sein Werk „Der Stellvertreter“ : Gute Aufklärung über ein Schmähstück

Danke für die gute Aufklärung über Hochhuths Schmäh-Stück „Der Stellvertreter“ (Pius XII.) (DT vom 19. Februar). Bevor das Stück in meiner Wohnstadt Lippstadt aufgeführt wurde, versuchte ich, das zu verhindern. Doch meine Anzeige wurde abgewiesen, meine Briefe waren vergeblich. Schließlich durfte ich sogar mein wöchentliches „Wort zum Sonntag“ in der Zeitung nicht mehr schreiben. Bekannte verfassten und verteilten Flugblätter. Jemand schenkte mir eine Eintrittskarte, und ich lieh mir schnell eine Handglocke.

Als ich beim Stadttheater ankam, sah ich, dass es unter Polizeischutz stand. Man hatte das Gerücht ausgestreut, mit Anhängern wolle ich die Bühne stürmen. Kurz vor Beginn der Aufführung betrat ich den Zuschauerraum. Meine Handglocke läutend ging ich direkt nach vorn und stellte mich neben die Bühne. Noch war der Vorhang nicht aufgezogen. Ich rief laut: „Öffentliche Entschuldigung für die Beleidigungen, die gleich hier über den verehrungswürdigen Papst Pius XII. ausgeschüttet werden!“

Einige Zuschauer riefen „Buh!“, andere „Bravo!“. Wiederum glockenschwingend – der Vorhang war noch immer geschlossen –, verließ ich unbehelligt das Theater, um eine Sühnemesse zu feiern. Anderntags stand in der Zeitung: „Das Stück wurde auf moderne Weise durch einen als Priester verkleideten Schauspieler eröffnet.“