Religions- und Assimilierungspolitik in der Türkei: Davon hört man von Erdogan nichts

Dass Assimilation ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei, ist nur eine von mehreren extremen Positionen, die die türkische Regierung nachhaltig in Deutschland und anderswo verbreiten will. Schließlich stehen hunderte großer und kleiner DITIB-Moscheen unter unmittelbarer Führung des „Amtes für religiöse Angelegenheiten (Diyanet)“, dem türkischen Religionsministerium. Kaum beachtet von der Öffentlichkeit bezeichnete der Präsident dieses Amtes, Ali Badakoglu, im November 2006 Kritik am Islam als „Bedrohung des Weltfriedens“. Die Organisation Islamischer Staaten (OIC), der die Türkei angehört, konnte im Mai 2007 im neuen Menschenrechtsrat ungeachtet aller Schrecken, die im Namen des Islam verbreitet wurden, eine Resolution durchsetzen, in der die Diskriminierung und Intoleranz gegen Muslime als „die schlimmste Form des Terrorismus“ bezeichnet wurde.

Da passt es letztendlich auch ins Bild von Erdogans Politik, dass als Preis für die neuerliche Aufhebung des Kopftuchverbots in der Türkei die immer wieder angekündigte Änderung des Artikel 301, der die „Verunglimpfung des Türkentums“ unter Strafe stellt, erneut vertagt wurde.

Dieser Assimilierungszwangsparagraph in der Türkei wird also weiter die Minderheiten wie Armenier, Kurden und andere treffen. Über eine Aufhebung des Lehrverbots der aramäischen Sprache für die syrisch-orthodoxen Kinder im Tur Abdin hört man von Erdogan auch nichts. Für ihn scheint allein die Vorstellung der Assimilation muslimischer Türken, die sich ein Leben im Ausland vorstellen, eine solche Abartigkeit zu sein, dass er Vergleiche mit abscheulichen Verbrechen anstellt, die aktuell doch eher auf die Opfer der neuerlichen Steinigungen im Iran zutreffen. Genau darum ist Erdogan ernsthaft zur Rede zu stellen und deutlich zu widersprechen.