Mein junger Glaube im Alltag: Wallfahrt nach Rom: Für die beste Sache der Welt

#Gutmensch?
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„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Zusammen mit rund 2 200 Messdienern aus dem Erzbistum Köln verbrachte ich eine ganze Woche in Rom. Schon während der Zugfahrt wurde deutlich, dass dies nicht einfach irgendeine Sightseeing-Reise sein würde, sondern eine Wallfahrt, während der bewusst dazu eingeladen wurde, Gott neu zu begegnen und zu erfahren.

Obwohl viele von uns gelegentlich am Altar Dienst taten, merkte man sofort, dass regelmäßiges Beten für viele eher Neugebiet war. Denn Messdienersein heißt noch lange nicht gläubig zu sein. Vielmehr werden meiner Erfahrung nach viele Messdiener, weil es in den Gemeinden nur vereinzelt andere Möglichkeiten für Jugendliche gibt, aktiv zu sein, oder weil das hauptsächlich das Miteinander und die gemeinsamen Fahrten locken. Die geistliche Entwicklung bleibt dabei allerdings oft auf der Strecke.

Nicht so war es auf dieser Wallfahrt. Jeden Tag gab es gemeinsame Messen oder gemeinsames Gebet. So zum Beispiel im Petersdom mit dem Kölner Kardinal Meisner. Er stellte besonders heraus, dass wir uns für unseren Glauben nicht schämen müssen und dass wir für andere Vorbilder sein können, weil wir Christus an unserer Seite wissen.

Auch die Generalaudienz mit Papst Franziskus war beeindruckend. Den Papst live zu sehen war etwas völlig anderes, man bekam ein wirkliches Bild seiner Einfachheit und Güte. Außerdem spürte man hier ein Stück Weltkirche, da sich so viele Menschen aus unterschiedlichsten Nationen auf dem völlig überfüllten Petersplatz befanden.

Die Abschlussmesse in St. Paul vor den Mauern fand ich besonders prägend. Nicht nur die Stimmung aller in Messdienergewänder gekleideten Jugendlichen war auf dem Höhepunkt. Mir gefiel besonders gut die Predigt vom Diözesanjugendseelsorger. Er ging auf das Motto der Wallfahrt ein: „Willst du mit mir gehen? Komm folge mir nach!“.

Was beim ersten Lesen auf ein Paar im Teenageralter schließen lässt, wird auf den zweiten Blick zu einer Frage, der sich letztendlich jeder und besonders jeder Jugendlicher stellen muss. Lasse ich Jesus ein Teil in meinem Leben sein oder vertrete ich die Auffassung, dass er keinen Platz in meinem Leben hat.

„Willst du mit mir

gehen? Komm

folge mir

nach!“

Will ich überhaupt erkennen, was Jesus für einen Plan mit meinem Leben hat? Man hat schnell gemerkt, dass für viele der jungen Menschen solche direkten Fragen neu waren und dass die Antworten auf diese Fragen eigentlich eine konsequente Entscheidung erfordern.

Und doch ist es meiner Meinung nach wichtig, immer wieder darauf anzusprechen. Wird man nie damit konfrontiert, entscheidet man sich auch nie bewusst für die Kirche.

Diese Direktheit schreckte natürlich einige ab, aber viele von uns bewegte es auch zum Nachdenken und zu einem überzeugten Ja auf die Frage: „Willst du mit mir gehen?“ Denn wie es Papst Benedikt ausdrückte: „Gott nimmt dir nichts und gibt dir alles!“

Die Autorin, 17, geht in die 12. Klasse des Ursulinengymnasiums in Köln

„Besonders hat mich an diesem Wochenende die Gemeinschaft untereinander und das Gebet bestärkt“, beschreibt Teresa Maria Backwinkel aus Bochum das Wochenende, das hinter ihr liegt. Zusammen mit 120 anderen Verantwortlichen aus sieben Ländern reiste sie zum Nightfever-Leiterwochenende ins Mainzer Priesterseminar.

Nightfever entstand nach dem Weltjugendtag 2005 und ist eine Initiative junger Christen, die die Freude weitertragen wollen, die sie selbst erfahren haben. Mit einer offenen Kirche, Musik und Kerzen laden sie Passanten ein, sich von der Liebe Gottes berühren zu lassen. Mittlerweile gibt es die Gebetsnacht in über 40 Städten im In- und Ausland.

Jana Campa und Theresa Lorenz, beide selbst bei Nightfever aktiv, luden die Leiter der neu dazugekommenen Städte bereits am Donnerstag zu einer Schulung ein. Sie vermittelten die Basisinhalte des Nightfeverabends, erarbeiteten gemeinsam mit den Teilnehmern Aufgaben eines Leiters und gaben Raum zum persönlichen Austausch untereinander.

Dabei hatte jeder Gelegenheit, sich noch einmal persönlich vor Augen zu führen, wo Gott ganz konkret im eigenen Leben gewirkt hat und dies auch immer wieder tut. Auch die Frage, wie Nightfever nachhaltig in den Gemeinden wirken kann, wurde intensiv diskutiert. Eine Teilnehmerin brachte die Motivation für Nightfever auf den Punkt: „Wir sind nicht die Besten, aber wir gehen für die beste Sache der Welt auf die Straße.“

Subregens und Mitinitiator von Nightfever, Andreas Süß, eröffnete das Wochenende mit einer Heiligen Messe am Freitagabend. Für ihn besteht die große Chance von Nightfever darin, dass junge Laien an die Peripherie gehen und durch ihr Gebet die Kirchen der Welt zu Orten der Erfahrung der Barmherzigkeit Gottes machen.

„Die schnelle Ausbreitung und Internationalisierung von Nightfever ist eine große Chance, aber auch eine Herausforderung“, erläuterte Dagmar Wachter, verantwortlich für die Koordination der Abende. Die Städteleiter diskutierten daher intensiv über die weitere Entwicklung von Nightfever. Unterstützt wurden sie dabei durch Sabine Wagner-Schäfer, Organisationsentwicklerin im Vorstand des Kindermissionswerkes. Die Leiter der einzelnen Bereiche konnten sich in spannenden Workshops weiterbilden. Ob Rhetoriktraining, Lobpreis und Anbetung oder auch eine Medienschulung – Nightfever wird professioneller, je mehr es wächst.

„Nightfever

ist ein

riesen

Geschenk“

Für den in Irland tätigen Pater Paulus, der den Workshop zum Thema Anbetung leitete, liegt die Besonderheit von Nightfever in der durch Kerzen, Musik und Wärme spürbaren Nähe von Jesus Christus. Er fügt hinzu: „Die Menschen sehnen sich nach Güte, nach Schönheit, nach Einheit, nach Liebe und das kommt alles rüber bei Nightfever.“

Nightfever hat viele Facetten – Spaß ist eine davon. Das zeigten die Mainzer Gastgeber am Samstagabend mit „Weck, Woscht un Woi“ und anderen regionalen Spezialitäten. Spontane Musikdarbietungen und eine lockere Atmosphäre boten Gelegenheit zum Austausch und Gespräch, aber auch zum besseren Kennenlernen der Anwesenden aus Deutschland, Österreich, Spanien, Belgien, Dänemark, Niederlande und Frankreich. Neue Freundschaften wurden geschlossen und gegenseitige Einladungen zum Nightfever in der „eigenen“ Stadt ausgesprochen – Nightfever kennt keine Grenzen.

Den Abschluss des Nightfever-Leiterwochenendes bildete der gemeinsame Besuch der Heiligen Messe im Mainzer Dom.

Die Autorin, 23, macht eine Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin und ist die Leiterin von Nightfever in Kassel