Mein junger Glaube im Alltag: Gott hat Humor!: Mission Abba: In der Berufung wachsen

Ermanno, der Missionar
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„Mein junger Glaube im Alltag“ – darüber schreiben jeden Samstag junge Frauen und Männer aus dem Team der „Jungen Federn“ der „Tagespost“. Sie notieren, was sie persönlich gerade mit ihrem Glauben erleben.

Sich in der Türkei vom Prüfungsstress bei 35 Grad im Schatten am Strand erholen. In Indien den Spuren von Mutter Teresa folgen und den Sonnenaufgang im Himalaya genießen. So sahen meine Semesterferien nicht aus, das waren die Reisen meiner Mitbewohner.

Als ich in der Schule anstatt Latein Französisch wählte, belächelte ich immer wieder die „Lateiner“. Ich dachte, dass ich niemals Medizin studieren werde – wofür solle denn sonst diese antike Sprache gut sein? Ein guter Freund sagte mir: „Wenn du die Herzen der Menschen öffnen willst, musst du entweder eine Facharztausbildung zum Chirurg machen oder Theologie studieren.“ Mir blieb Latein nicht erspart. Um parallel zu den philosophischen und theologischen Fächern nicht Latein lernen zu müssen, entschied ich mich für einen Intensivkurs.

So geschah es, dass ich mich im Sommer in einem Vorlesungssaal wiederfand. An einem Tag zeigte sich dort das Wetter von seiner besonders schönen Seite, was ich von Latein nicht behaupten konnte. Momente, in denen man sich manchmal denkt: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

In der Mittagspause hatte ich dann eine lustige Begegnung. Als ein Student aus dem gleichen Kurs erfuhr, dass ich an einer Hochschule studiere, die den Namen „Benedikt XVI.“ trägt, nannte er mich lachend: „Du Papsttreuer! Du verteidigst doch bestimmt auch noch die Linie der Kirche!“ Ich war etwas verwirrt, da der Kommilitone mich damit beleidigen wollte. Einige um mich herum dachten, dass der Student das als Kompliment gemeint habe und riefen: „Wir sind aber auch papsttreu!“ Bevor ich noch etwas sagen konnte, blickte der Mitstreiter des Lateinkurses beschämt auf den Boden. Er wollte provozieren und was er erreichte, war für ihn außerordentlich peinlich. Wortlos ging er weg, während sich die anderen begeistert über den Papst unterhielten. Gott hat Humor!

Acht Woche später freute ich mich, Latein erfolgreich abgeschlossen zu haben. Hätte ich gewusst, dass das so eine interessante Sprache ist, hätte ich schon auf dem Gymnasium einen anderen Sprachenzweig gewählt. Gottes Wege sind unergründlich. Dann ging es zurück zu meiner Wohn-Gemeinschaft in Österreich. 15 junge Männer suchen ihre Berufung – freiwilliges Stundengebet in der Hauskapelle und täglich heilige Messe bei den Karmelitinnen nebenan. Es gibt keine besseren Nachbarn als Ordensleute, die für einen beten.

Der Autor, 20, studiert Theologie

in Stift Heiligenkreuz

Da stand ich nun, den bunten Zettel in meiner Hand/ Und lade fremde Leute ein, die Kirche zu betreten./ Mitten in der fremden Stadt, hab keinen dort gekannt./ Doch sie geh‘n schnell vorbei, halten nichts vom Beten./ Ich lade sie ein, einen Moment zu verweilen,/„Um Gottes Willen!“ sagt die Business-Frau./ Da freu‘ ich mich und rufe lauthals „ja genau!“,/ Aber sie ist schon davon, musste sich beeilen./ Spät abends dann vor dem Altar, wer hätte das gedacht,/Sind alle, die ich eingeladen hab‘, hierher gekommen,/ Zwar nicht real, doch in meinem Gebet aufgenommen./ So hat in dieser Stadt Gott das Liebeswunder vollbracht.

Dieses Gedicht behandelt ein Erlebnis bei einer Straßenmission in Marburg. Vor einigen Jahren war ich mit Jugendlichen des Bistums Fulda in Marburg zu einem „Church Factory“-Wochenende, was so viel heißt wie „Kirchenwerkstatt“. Das Projekt hatte sich aus dem Weltjugendtag 2005 heraus gebildet und sich zum Ziel gemacht, im gesamten Bistumsgebiet in unterschiedlichen Pfarreien Einsatz für den Glauben zu zeigen. Es sollte Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich nicht nur theoretisch mit der Religion auseinanderzusetzen, sondern auch praktisch.

„Man hat vielen

Passanten angesehen, dass sie ins

Grübeln kamen“

An jenem Wochenende verteilten wir in der Fußgängerzone der Marburger Innenstand neben kostenlosem Eis auch Einladungs-Flyer für den am Abend stattfindenden Lobpreis. Außerdem putzten wir Passanten kostenlos die Schuhe und kamen auf diese Weise mit ihnen über Gott und den Glauben ins Gespräch. Ein spannendes Erlebnis, an das ich mich gerne erinnere. Auch wenn wir mit den persönlichen Einladungen niemanden dazu bewegen konnten, abends in die Kirche zu kommen, so hat man vielen Passanten angesehen, dass sie ins Grübeln kamen.

Und diese Atmosphäre soll sich auch in den kurzen Versen widerspiegeln. Denn auch wenn der Reim in der ersten Strophe ein wildes „ABAB“ aufweist, geht der Rhythmus später zu einem umarmenden „ABBA“ (Vater)-Reim über. Bei genauerer Betrachtung sieht man, dass Gott bereits zu Beginn des Gedichtes zugegen war, oder wussten Sie, dass „ABAB“ ein Kreuzreim ist? Doch ich möchte nicht zu viel verraten.

Der Autor studiert Jura in Würzburg

Wenn wir als Kirche wieder zu neuer Vitalität, zu neuem Glanz erwachsen wollen, so sollte es uns vor allem um eins gehen: um das Suchen und Finden unserer je eigenen Berufung. Ich habe das traurige Gefühl, dass die Mehrheit der Christen in unserem Land diese Frage schlicht aufgegeben hat. Life must go on. Wo bleibt da noch Platz für Gott und seinen Ruf?

Die Suche nach meiner eigenen Berufung begleitet mich seit meinem zwölften Lebensjahr. Damals stellte ich mir zum ersten Mal die Frage, ob ich mir nicht vorstellen könnte, Priester zu werden. Ein Jahr später begann ich dann ein Schülerstudium in katholischer Theologie, um diese Berufung zu prüfen. Das Studium bereitete mir große Freude.

Und dennoch wusste ich nach drei Jahren: Noch bin ich nicht am Ziel. Ich zweifelte daran, dass dieser Weg auch wirklich Gottes Berufung für mich war. Ich wollte etwas in der Gesellschaft gestalten, vielleicht sogar politisch. So nahm ich mit meinem Abitur ein Jura- und BWL-Studium auf und schaute mir andere Berufsfelder an: Kann man denn nicht als Rechtsanwalt, als Unternehmensberater, als Politiker oder als Hochschullehrer genauso Christ sein, Christus nachfolgen, der Kirche dienen?

Unabhängig von einer möglichen Berufung zum Priestertum war mir diese Dimension meines Lebens immer ganz wichtig: das Bewusstsein der eigenen Berufung – als Christ. Das ist eine ziemlich große und weitreichende Berufung! Doch die wenigsten unserer Zeitgenossen nehmen sie auch wirklich ernst. An meinem Studium fand ich große Freude, ich gründete mit Freunden eine eigene Rechtsberatung und betätigte mich wissenschaftlich. Und dennoch wurde mir immer klarer: Auch wenn Dir das alles Spaß macht – Gott braucht Dich in der Kirche – als Priester.

Eine Berufung auf Umwegen? – Gott beruft niemals zu früh oder zu spät. Sein Wort findet immer den direkten Weg zu uns. Wir müssen uns ihm nur öffnen. Unserer Berufung kommen wir aber nicht dadurch näher, dass wir durch die Welt gehen und uns auf jede Gelegenheit und Chance, jede Erwartung und jeden Anspruch einlassen. In Lebensfragen sollten wir uns weniger von den Menschen und mehr von Gott beraten lassen. Eine Berufung muss daher gerade im Gebet wachsen, im ständigen Dialog mit Christus selbst, im Zuhören, im Horchen, im Gehorchen.

„Gott die

erste Priorität in

unserem Leben

einräumen“

Wer Gott um die Einsicht seiner eigenen Berufung bittet, der wird in diese Berufung immer tiefer hineinwachsen. Für jeden von uns hat Gott einen ganz besonderen Plan, eben eine ganz persönliche Berufung. Wenn wir diese erkennen wollen, müssen wir unsere eigenen Vorlieben, unsere Neigungen, eigene und fremde Erwartungen zurückstellen – müssen wir Gott die erste Priorität in unserem Leben einräumen. Ich bete gerne mit dem heiligen Niklaus von Flüe: „Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich trennt von Dir. Gib alles mir, was mich hinführt zu Dir. Nimm mich mir und gib mich Dir.“

Der Autor (20) studiert zur Zeit Rechtswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln