Kirchenaustrittszahlen auf Rekordniveau: Wo liegen die Ursachen, was kann man tun? : Wir brauchen eine Evangelisations-Offensive : Beim Religionsunterricht ansetzen

Danke für Ihre intensive Berichterstattung und Kommentierung über die erneuten starken Austrittszahlen und über die vielen, möglichen austrittsrelevanten Faktoren. Herr Reder hat Recht (DT vom 21. Juli), die Daten sind ein Schock und ein Alarmzeichen für jeden Katholiken. Die Zahl von 10,9 Prozent der sonntäglichen Gottesdienstteilnehmer weist auch auf die unfassbare Zahl von 89,1 Prozent hin, die nicht oder nicht mehr teilnehmen. Es geht immer eine Phase abnehmender Kirchenbindung voraus und zweifellos wird über den Zusammenhang von innerem Glaubensverlust und nachfolgender äußerlich gelösten Kirchenbindung viel zu wenig gesprochen. Ja, unsere geistlich ausgezehrte Kirche benötigt dringend eine Evangelisations-Offensive und der Weg in eine weitere Anpassung, im Sinne von mehr Verweltlichung und mehr Relativismus, muss nicht nur gestoppt, sondern umgekehrt werden.

Entweltlichung ist keineswegs als Weltflucht gemeint. In einer säkularisierten Gesellschaft kommt es auf das gelebte Zeugnis von uns Christen an. Damit steht und fällt die Glaubwürdigkeit unserer Kirche. Dem Leserbriefschreiber Gerulf Herzog stimme ich zu, der unseren Bischöfen ernsthaftes Nachdenken über die konkrete Misere empfiehlt, um die tatsächlichen Gründe zu finden und mit großer Tatkraft gegenzusteuern. Dabei ist Offenheit und umfassende Selbstkritik unverzichtbar. Die zehn Punkte sind alle bedenkenswert, wobei ich die Punkte, die Sonntagsgottesdienste religiös wirksam zu gestalten, mehr Zeit der Priester für Gespräche mit den Gläubigen, die Abschaffung des ZdK, die deutliche Distanzierung von der Randgruppe „Wir sind Kirche“ und die unbedingte Vermittlung des Sinns der Beichte, für vorrangig und notwendig erachte. Im Artikel „Bedauern und Selbstkritik“ begeistern mich die Aussagen des Passauer Bischofs: Die Menschen täten sich selbst keinen Gefallen. Der Glaube an Christus brauche die Gemeinschaft der Kirche, um wachsen und reifen zu können. Er mache frei, froh und hoffnungsvoll. Konsum allein könne die innere Sehnsucht des Menschen nicht erfüllen. Er hoffe, dass der äußere Druck helfe, den eigenen Schatz im Acker neu und tiefer zu entdecken und der Welt zu schenken. Für mich ist Bischof Oster eine große Hoffnung!

Der Fall Limburg, die neue Erhebung der Kapitalertragssteuern und leider auch der Papst Franziskus-Effekt in Deutschland scheinen mir überbewertet zu werden. Die Einrichtung eines Telefondienstes für zweifelnde und verärgerte Katholiken ist eine gute Idee. Die Kirche hat bedauerlicherweise ihren Familiencharakter vielfach eingebüßt, die Menschen halten sie oftmals für einen Verein. Es muss den Menschen deutlicher gemacht werden, dass die Kirche sie zu ihrem Wohl mit Jesus Christus und seiner göttlichen Liebe in Verbindung bringen will. Prälat Lorenz Wolf beklagt die jetzt schon dritte religiös unerzogene Generation. Die Folgen sind klar, ein allgemeiner Glaubensschwund, ein fehlender Bezug zur Kirche. Deutliche Zeichen von Säkularisierung und Glaubensschwund sind auch, wenn zunehmend Hochzeiten und Taufen als Event vollzogen werden.

Es gibt sehr vieles konstruktiv zu kritisieren und dringend zu verbessern. Doch insgesamt ist die katholische Kirche nach wie vor ein wunderbares Geschenk Gottes, wesentlich geprägt durch seine große Liebe und Barmherzigkeit. Die Quantität ist nicht unwichtig, doch geht es in erster Linie um Qualität. Die Lehre muss bewahrt und erfolgreich verkündet werden. Die Verantwortung dafür liegt hauptsächlich bei Papst und Bischöfen, aber auch bei allen anderen Katholiken.

Christsein heißt, Gott und seine Liebe und Barmherzigkeit zu erkennen, an ihn und seine Heilsversprechen zu glauben, Gott und unsere Mitmenschen zu lieben, Gottes Willen zu erfüllen, auf ihn zu hoffen, ihm zu danken, zu ihm zu beten! Den Menschen kann man immer nur an seinen Taten erkennen. Das Gute entspringt immer nur aus einer geordneten und harmonischen Seele, die das Gute und Tugendhafte kennt und erstrebt!

Markus Reder legt in seinem Leitartikel „Zahlen, die alarmieren“ vom 21. Juli den Finger auf die Wunde der Kirche, wenn er zu den Kirchenaustrittszahlen betont, dass das schwindende Kirchenverständnis und mangelndes Wissen um die Sakramente für die Austritte hauptverantwortlich sind. Neuevangelisation tut not. Wie kann diese in der Praxis aussehen? Ich glaube, man müsste vor allem am Religionsunterricht ansetzen. Dieser liegt, wie man immer wieder hört oder liest, vielerorts im Argen. Hier müssten unsere Bischöfe als verantwortliche Hirten vielmehr ein Auge darauf haben und prüfen, ob überall das zur Verfügung stehende Unterrichtsmaterial ausreichend die kirchliche Lehre abdeckt, etwa zu den Sakramenten wie Eucharistie, Buße und Taufe und zum Kirchenverständnis und den Letzten Dingen. Lehren, die nicht mehr dargeboten werden, geraten allmählich in Vergessenheit. Hier stehen auch die Eltern der Schulkinder in der Verantwortung. Sie sollten mutig in Elternversammlungen und bei den Religionslehrern auf mögliche Defizite des Religionsunterrichts hinweisen. Freilich ist dabei die Crux, dass viele Eltern selbst nicht mehr Bescheid wissen und neu unterrichtet werden müssten, weshalb wieder Bischöfe und Pfarrer ins Blickfeld geraten. Unsere Bischöfe sollten landauf, landab ihre Priester verpflichten, mehrmals im Jahr über die Sakramente, vor allem die Eucharistie, zu predigen.

Nur ein Zusammenwirken von Bischöfen, Pfarrern, Eltern und Lehrern könnte etwas bewirken. Die Kirchenaustritte sind wohl nicht zu stoppen, könnten aber zumindest abgebremst werden. Dies wird aber nicht geschehen, wenn die Bischöfe nicht entscheidende Impulse geben.