„Humanae vitae“ und die „Königsteiner Erklärung“: Die Zeit ist reif für eine Revision

In diesem zu Ende gehenden Jahr 2008 gedenkt man in der Bundesrepublik Deutschland zweier Ereignisse vor vierzig Jahren: der Verkündigung der Enzyklika „Humanae vitae“ durch Papst Paul VI. und der Veröffentlichung der „Königsteiner Erklärung“ der Deutschen Bischofskonferenz. Vergleicht man beide Dokumente miteinander, so erhebt sich die Frage: In welchem Dokument ist die Wahrheit enthalten?

Die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und in Westeuropa beantwortet diese Frage ganz eindeutig. Der Wahrheitsgehalt der Enzyklika „Humanae vitae“ zeigt sich im sittlichen Niedergang der westeuropäischen Gesellschaft. Dieser ist zwar durch die Kulturrevolution von 1968 mit bedingt, doch deutet die demographische Entwicklung in ganz Westeuropa darauf hin, dass etwas nicht mehr stimmt in der Gesellschaft Westeuropas. Der Geburtenschwund hat doch seine Ursachen einmal in der praktisch gesetzlich vollzogenen Freigabe der Abtreibung, aber auch in der durch die „Königsteiner Erklärung“ ermöglichten Empfängnisverhütung mit der Pille im katholischen Bevölkerungsanteil. Man spricht zu Recht vom „Pillenknick“.

Die Empfängnisverhütung mit der Pille, mit Sterilisation und Abtreibung sind seit 1968 nur zu häufige Verhaltensweisen in der Gesellschaft Westeuropas geworden. Man hat sich an diese schon so sehr gewöhnt, dass als Außenseiter gilt, wer nicht so lebt. Und man ist so leicht dabei, mit der Berufung auf das eigene Gewissen eine soziale Notlage als Rechtfertigungsgrund zu erkennen.

Früher waren katholische Ehen und Familien durch Kinderreichtum aufgefallen. Diese Zeiten sind längst vorbei. Seit der „Königsteiner Erklärung“ ist auch der katholische Bevölkerungsanteil auf das Durchschnittsniveau im Verhaltenskodex abgesunken. Wen wundert da noch der Nachwuchsmangel für Priester- und Ordensberufungen? Die Zeit dafür ist reif, wenn auch schon weit fortgeschritten, für eine Revision der „Königsteiner Erklärung“.