Ehrung für den Holocaust-Überlebenden Feliks Tych: Er prangerte auch andere Länder als Komplizen an

Wir erfahren in „Beim Namen genannt“ (DT vom 6. November), dass Feliks Tych, Holocaust-Überlebender aus Polen, den Preis „Gegen Vergessen – für Demokratie“ erhält, dass er sich „seit Jahren für die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus einsetzt“ und dass er „im Januar im Rahmen der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag eine Rede gehalten“ habe. Was wir nicht erfahren ist, dass Feliks Tych in der erwähnten Rede mit klaren Worten die Komplizenschaft ehemals besetzter oder mit Deutschland verbündeter Länder bei der Vernichtung der Juden anprangerte. Er nannte 13 Länder, darunter auch Frankreich, Holland und Belgien, wo die Polizei auf deutschen Befehl die Transporte in die Todeslager zusammengestellt habe. Freiwilligen-Milizen und andere Hilfswillige hätten die SS bei der Deportation aus den Ghettos in Polen unterstützt. In den KZ Belzec, Sobibor und Treblinka habe der Anteil der Helfershelfer den der SS-Lagerbesatzung sogar um ein Vielfaches überstiegen. Tych verschonte auch seine Mitbürger nicht und warf der polnischen Bevölkerung vor, örtlich die Jagd auf Juden mitgemacht zu haben, und das nicht nur in Jedwabne und auch noch nach 1945. Tych beklagte, dass das Thema der Mittäterschaft am Holocaust in Europa freiwillig tabuisiert werde, was für eine Reihe von Ländern allerdings sehr bequem sei. Er wolle selbstverständlich, sagte Tych, das Dritte Reich nicht von der Verantwortung für den Holocaust freisprechen oder die Deutschen entlasten, aber es gäbe keinen Grund, andere Regierungen auszusparen. „Gegen Vergessen – für Demokratie“ heißt der Preis, den Feliks Tych am Sonntag entgegennahm. Er hat sich gegen das Vergessen unbequemer Tatsachen gestellt, aber davon erfahren wir nichts. Hat man Angst vor „Beifall von der falschen Seite“?