Wirtschaft und Soziales

Sünde verlangt nach Gerechtigkeit – das gilt auch für den Abgasskandal

Sittliche und moralische Verfehlungen gehören seit Anbeginn der Menschheit zum Leben dazu. Es gibt kaum einen Menschen ohne Fehler und dennoch erfolgen Taten, die aufgrund ihrer Schwere aus der großen Masse der kleinen Vergehen herausragen.
Abgasskandal
Foto: pixabay

Sittliche und moralische Verfehlungen gehören seit Anbeginn der Menschheit zum Leben dazu. Es gibt kaum einen Menschen ohne Fehler und dennoch erfolgen Taten, die aufgrund ihrer Schwere aus der großen Masse der kleinen Vergehen herausragen. Wo Verbrechen geschehen, gibt es immer auch Opfer, die nach Gerechtigkeit und Aufklärung verlangen. Dass Fehler passieren, liegt in der menschlichen Natur. Nur durch Sühne, Einsicht und Opferbereitschaft sind kleine und gröbere Sünden wiedergutzumachen. 

Wiedergutmachung ist Christenpflicht

Papst Benedikt kann derzeit ein Lied davon singen, denn der Missbrauchsskandal verlangt der Kirche einiges ab. Sich mit unangenehmen Dingen auseinanderzusetzen und auch Fehler einzugestehen, zeugt von charakterlicher Größe. Die Missbrauchsserien in der katholischen Kirche sind aber nicht die einzigen Skandale unserer Zeit. Auch in der freien Marktwirtschaft gibt es immer wieder Verfehlungen. Hier ist es die Geldgier, die den Menschen zur Untat treibt. Ein Beispiel ist der Daimler Abgasskandal. Betroffen sind sowohl Nutzfahrzeuge als auch PKWs der renommierten Marke Mercedes-Benz. Bei zahlreichen Modellen liegt eine gezielte Manipulation der Abgasanlage vor. Die Aufdeckung der Fälle erfolgte nur ein Jahr nach dem Skandal von VW. 2016 erkannte man, dass auch bei Daimler im großen Stil Abschalteinrichtungen verbaut wurden. Darunter war auch das Thermofenster, das die Abgasreinigung gemäß der Außentemperatur steuerte. Die Emissionswerte waren bei den Autos im Straßenverkehr wesentlich höher als beim Zulassungstest. Somit steht fest, dass Mercedes-Benz die Autokäufer durch eine Manipulation der Software massenweise betrog. Daimler-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche bestritt anfangs die Vorwürfe. Doch im Juni 2018 kam es allein in Deutschland zum Rückruf von mehr als 250 000 manipulierten Mercedes-Modellen. Das Kraftfahrt-Bundesamt und die Staatsanwaltschaft verstärkten den Druck, sodass bislang in Europa über 750 000 Fahrzeuge zurückgerufen wurden. Es folgte eine Rückrufwelle, die bis heute anhält. Im Dezember 2020 kam es zu Rückrufen der mit einem OM 651-Motor ausgestatteten Mercedes-Modelle der E-Klasse. Möglich ist auch der baldige Rückruf der OM 607-Fahrzeuge. Die Auswirkungen der Manipulation sind fatal. Neben einem erhöhten Kraftstoffverbrauch kann es Probleme mit der Start- und Stoppfunktion geben. Auch ein zeitweise stotternder Motor und eine mangelhafte Leistung sind möglich. Zu den Langzeitfolgen gehören defekte Dieselpartikelfilter, Versottungs- und Motorschäden sowie kaputte Diesel-Katalysatoren. 

Probleme auch im Ausland

Doch nicht nur in Deutschland verursacht Mercedes-Benz Probleme, sondern auch im Ausland. Südkorea wirft dem deutschen Konzern vor, bei den Dieselfahrzeugen die Abgasnachbehandlung mithilfe einer Software zu manipulieren. Die Folge sei ein NOx-Ausstoß, der höher liegt als erlaubt. Wegen der scheinbar bewussten Täuschung verlangt Südkorea von Mercedes-Benz eine Strafzahlung in Höhe von 20,2 Milliarden Won. Das entspricht etwa 14,7 Millionen Euro. Auch die Kommission für fairen Handel rügte das Verhalten von Mercedes-Benz und riet zu korrigierenden Maßnahmen. Der Automobilkonzern zeigte sich kooperativ, äußerte sich anfangs aber noch nicht näher zu dem Vorwurf. Vor allem die irreführende Werbung stand im Fokus der Ermittlungen. Demnach soll Mercedes-Benz 15 Dieselfahrzeuge zwischen 2012 und 2018 damit beworben haben, dass diese der Euro-6-Abgasnorm entsprechend dazu in der Lage sind, den Stickoxidausstoß um 90 Prozent zu senken. Auch dieses Beispiel zeigt, dass es in der Regel nichts bringt, eine Schuld zu leugnen oder zu vertuschen. Die Wahrheit kommt in den meisten Fällen ans Licht und es zeugt nur von Großmut, Fehler einzugestehen und zu korrigieren. 

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