Wenn der Stier Wein trinkt Im andalusischen Sherrydreieck wird ein guter Tropfen produziert

Ungeduldig versammelt sich die Menge um den runden Holztisch. Nun könnte es doch eigentlich losgehen. Die Luft hängt schwer in einer Mischung aus Säuerlich-Süßem über den Köpfen. Bei sommerlichen 30 Grad und wenig kühlen Luftzügen verlangt die trockene Kehle nach etwas Flüssigem. Endlich kommen drei Flaschen auf den Tisch, der Inhalt der ersten ergießt sich hellgelb in schlanken, mäßig großen Gläsern. Allzu schnell trinken sollte man aber nicht, denn es handelt sich um Sherry-Wein, der am Ende einer Führung durch die Bodega Osborne in El Puerto de Santa María von den geduldigen Besuchern probiert werden darf. El Puerto de Santa María liegt an der andalusischen Atlantikküste in der Provinz Cádiz, deren gleichnamige Hauptstadt nur dreißig Minuten Bootsfahrt durch die Bucht von Cádiz entfernt ist. Eine wichtige Funktion nahm El Puerto bereits zur spanischen Kolonialzeit ein, während es heute vor allem wegen seiner vielen Bodegas bekannt ist. Mit den Städten Jerez de la Frontera und Sanlcu"car de Barrameda bildet es das sogenannte Sherry-Dreieck, in dem ein Großteil des "echten Sherrys" produziert wird. Bodegas wie Osborne - bekannt geworden durch den schwarzen Stier, der heute vielmehr ein Synonym für ganz Spanien ist - , Sandeman, González-Byass oder Domecq kreieren dabei eine Vielzahl an verschiedenen Sherry-Weinen und Brandys und fügen dem Angebot weitere Weine aus eigener Herstellung hinzu. Über all dies informiert zu Beginn jeder Führung ein Film. Später folgen die Tatsachen. Die Dame, die hier den größten Überblick hat, heißt Helga Müller. Ihr Deutsch hat einen starken Akzent, und auf die Frage, wie sie denn zu dem nicht gerade spanischen Namen komme, antwortet sie: "Ich habe deutsche Vorfahren, das ist alles." Mit ihr geht es in die Hallen, in denen der Sherry in großen Fässern gelagert wird. Lange, hoch aufeinander getürmte Fässerreihen stehen unbeweglich links und rechts schmaler Gänge, und der starke Alkoholgehalt in der Luft beginnt bereits die Sinne zu benebeln. Das Licht ist dämmerig, denn Sherry hat große Temperaturschwankungen nicht gern, und so sorgen dünne Jalousien vor den Oberlichtfenstern für ein gleichbleibendes Klima. Das Klima in der Region mit seiner Mischung aus Wärme, Wasser und Wind aber ist es, das den Geschmack des Sherry so einzigartig werden lässt. Und die Gärungs- und Lagerungsmethode. Sherry gehört in Andalusien zum gastronomischen Bild und wird gerne getrunken, ob zu Tapas oder zum Abendessen oder sonst einem Anlass. Bevorzugt wird dabei der trockene Fino, der in der Regel ein Aperitif ist. Die sehr süßen Varianten hingegen füllen vielmehr in Exportländern die Regale, wobei besonders Engländer und Deutsche von Sorten wie Oloroso oder Cream begeistert sind. Ausprobieren lässt sich eine Auswahl der Vielfalt direkt vor Ort. Nach all der Theorie wollen die eigenen Geschmacksknospen überzeugt werden. Die Gruppe setzt sich - nun ein wenig schneller - in Bewegung, Helga Müller allen voran. Die Gefahr, sich zu verirren in all den Fässerreihen, ist groß. An den runden Holztischen sieht bereits nach kurzer Zeit nichts mehr so aus wie vorher. Die Flaschen sind leer, die bereitgestellten Chips und Oliven schnell einverleibt, der Geräuschpegel gestiegen. Die Spanier vom Nachbartisch sind schon eine Stufe weiter. Lautes Singen erfüllt den Raum, alle paar Sekunden flackert das Blitzlicht einer Digicam auf. Was 18 Prozent und 30 Grad so alles ausrichten können... Autor: VON NATASCHA BOROTA

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