Fulda

Zwischen sieben Hügeln

Die Rede ist nicht von Rom: Fulda feiert in diesem Jahr ein vierfaches Jubiläum. Noch zahlreicher sind die Gründe, das hessische Barockstädtchen zu besuchen

Von Wolfgang Hugo

Statue von Bonifatius in Fulda
Er ist allgegenwärtig, wenn man in Fulda unterwegs ist: der Bistumspatron Bonifatius. Foto: fotolia.de

Fulda feiert in diesem Jahr ein vierfaches Jubiläum: Missionar Sturmius gründete am 12. März 744 mit sieben seiner Gefährten das Kloster Fulda, die Keimzelle für die Besiedlung der ganzen Region. Die Weihe der von seinem Nachfolger Ratger errichteten Basilika 819, die Beisetzung von König König Konrad I. 919 und die Verleihung der Markt und Münzrechte 1019 sind weitere Meilensteine in der Geschichte der osthessischen Stadt. Fulda, Barock- und Bischofsstadt in der Mitte Deutschlands, besticht durch seine kurzen Wege.

Überragt wird die Stadt vom barocken Dom St. Salvator, von Baumeister Johann Dientzenhofer zu Beginn des 18. Jahrhunderts (1704–712) über dem Grab des heiligen Bonifatius, des „Apostels der Deutschen“, errichtet. Dabei übernahm der Baumeister Elemente des Vorgängerbaus, der sogenannten Ratgar-Basilika aus dem Jahr 791. Geweiht wurde diese 819 vom Mainzer Erzbischof Haistulf. Die Krypta mit dem Grab des heiligen Bonifatius (673–754) ist Ziel vieler Wallfahrer, nicht nur zum Bonifatiusfest, das alljährlich am 5. Juni stattfindet, sondern das ganze Jahr. Zum Festgottesdienst kommen alle Fuldaer Pfarreien in einer Sternenwallfahrt in den Dom. Im Inneren des imposanten Gotteshauses sowie im Konventsbau treffen sich alljährlich im Herbst auch die 67 deutschen Bischöfe zur viertägigen Vollversammlung, dem höchsten Gremium der katholischen Kirche in Deutschland.

Karolingische Relikte

Neben dem Dom, seit 1752 Kathedrale des Bistums Fulda, erhebt sich die zwischen 819 und 822 errichtete Michaelskirche mit ihrer eindrucksvollen Rotunde und ihrer engen Krypta aus karolingischer Zeit. Ursprünglich war sie Kapelle des Mönchsfriedhofs des Benediktinerklosters Fulda. Daneben, im ehemaligen Konventsbau, wo sich früher das Priesterseminar befand, residiert heute die Theologische Fakultät der Universität Fulda. Der Bau ist ein Werk des Würzburger Architekten Sebastian Villinger.

Vom Domplatz führt die Straßenachse zum Stadtschloss, auch Residenzschloss genannt, ebenfalls ein Werk Johann Dientzenhofers (1706–1714), einst Sitz der Fürstäbte und Fürstbischöfe und Mittelpunkt der barocken Bauwerke Fuldas. Im Schlossgarten, der „grünen Oase“ von Fulda, steht die Orangerie, einst Schauplatz der Sommerfeste der Fürstäbte. Gegenüber dem Stadtschloss grüßt der heilige Bonifatius als mächtige Statue. Auf der Achse geht es weiter in die Altstadt mit vielen Palais, darunter dem Vonderau-Museum mit Deutschlands modernstem Planetarium. Das Museum zeigt bis 4. August in einer Sonderausstellung die wechselvolle Geschichte der osthessischen Stadt vom zunftbestimmten Handwerk über fürstliche Manufakturen bis zur modernen Industrie.

In der Altstadt sehenswert ist die Stadtpfarrkirche St. Blasius, der jüngste barocke Kirchenbau Fuldas (1770–1786), frisch restauriert und tagsüber von vielen Gläubigen besucht. Dahinter, zwischen Altem Rathaus und modernen Geschäftshäusern, plätschert der moderne Brunnen mit den Figuren von drei Männern, welche die Geschichte der Stadt Fulda und ihrer Kirchen geprägt haben: Bistumspatron Bonifatius, Abt Sturmius und Benedikt, der Ordensgründer. Nicht weit ist es in Fuldas Innenstadt jeweils zur nächsten Kirche. Innerhalb der alten Stadtmauern liegt die Benediktinerinnenabtei St. Maria, gegründet im Jahr 1626. Die Kirche ist ein schlichter Bau, der Klosterladen bietet Erzeugnisse der Abtei und einen Einblick in den Klostergarten.

Bereits seit einigen Jahren macht sich Fulda mit den Sommer-Musicals einen Namen in der Musik-Szene: Musicals mit historischem Hintergrund werden im Schlosstheater aufgeführt, in diesem Jahr „Die Päpstin“, „Der Medicus“ und „Die Schatzinsel“. Als einmaliger Höhepunkt kommt darüber hinaus ein neu inszeniertes Bonifatius Freiluft-Musical zur Aufführung: Gezeigt wird das Historiendrama zwischen dem 22. und dem 28. August – mit großem Orchester vor der Kulisse des Doms auf dem Domplatz. Laut Elisabeth Schrimpf, Leiterin des Tourismus und Kongressmanagement Fulda, stellt das Musical das Kernstück des Jubiläumsjahrs dar, einen „der absoluten Höhepunkte der Feierlichkeiten“. Damit begann im Jahr 2004 die Entwicklung Fuldas zur Musical-Stadt.

Bonifatius Statue vor Vollmond Himmel
Die monumentale Statue des heiligen Bonifatius gegenüber dem Fuldaer Stadtschloss. Foto: fotolia.de

Veranstaltungen bis in den Spätsommer

Die Darbietung thematisiert nur wenige Meter vom Grab des „Apostels der Deutschen“ entfernt die Lebensgeschichte des heiligen Bonifatius, der die Gründung des Klosters Fulda in Auftrag gab. Weitere Konzerte und Feste, ein Genussfestival und Lichterfest (8.–11. August), der Antikmarkt (8. September) und die „Lange Nacht der Museen“ (27. September) sollen bis Spätsommer die Besucher anziehen. Damit will Fulda nach den Worten seiner Tourismus- und Kongressmanagement-Leiterin das Profil der Stadt „als attraktive Städtereisedestination für kultur- und geschichtsinteressierte Gäste“ schärfen.

Genauso wie Rom wurde Fulda auf sieben Hügeln erbaut. Auf mindestens einen der Hügel muss man steigen oder fahren, um Dimension und Gestalt der Stadt und ihre Lage zu ermessen. Unübersehbar erhebt sich im Osten der Stadt der Petersberg mit der gleichnamigen Propsteikirche. Unter Abt Rabanus Maurus wurde 836 ein Kloster und eine Kirche als Grabeskirche für die heilige Lioba errichtet, in deren karolingischer Krypta sich nach wie vor der Schrein der Heiligen befindet. In der gegenüberliegenden Cella St. Lioba wirken noch heute Benediktinerinnen.

Nur rund zwanzig Gehminuten vom Dom entfernt liegt auf dem Frauenhügel das gleichnamige Franziskanerkloster, ein spätbarocker Bau von 1623. Dazu eröffnet sich von dort eine herrliche Sicht auf die Stadt Fulda, darüber hinaus auf die Berge der Mittelgebirge „Rhön“ und „Vogelsberg“. Im Klostergarten ziehen die Franziskanerinnen Nutzpflanzen und Blumen für den Kirchenschmuck; am Südhang gibt es einen Weingarten, der die Fuldaer Weinbaugeschichte dokumentiert.

Sehenswürdigkeiten auch am Rande der Stadt

Auf dem Hügel im Südwesten von Fulda erhebt sich die Propstei Johannesberg mit Barockgarten, die heute Einrichtungen und Angebote der Denkmalpflege und Altbausanierung beherbergt, dazu einen Barockgarten. Am Stadtrand begeistert große und kleine Floriansjünger das Deutsche Feuerwehr-Museum mit Exponaten von der Renaissance bis heute. Barock in großem Stil gibt es auch am Stadtrand von Fulda. Das Schloss „Faisanerie“ in einem 100 Hektar großen Landschaftspark gilt als Hessens schönstes Barockschloss. In der einstigen Sommerresidenz der Fuldaer Fürstäbte gibt es sechzig Schauräume mit höfischer Wohnkultur, die Porzellansammlung des Hauses Hessen und bei Kinderführungen Schlossmärchen von den Brüdern Grimm.

Und auch höchster kirchlicher Besuch machte bereits in Fulda Halt: Bei seiner Deutschland-Reise im November 1980 besuchte Papst Johannes Paul II. den Dom und predigte während der Messfeier: „Mit Bonifatius begann gewissermaßen die Geschichte des Christentums in Eurem Land. Viele sagen, die Geschichte neige sich jetzt ihrem Ende zu. Ich sage Euch: Diese Geschichte des Christentums in Eurem Land soll jetzt neu beginnen, und zwar durch Euch, durch Euer im Geist des Heiligen Bonifatius geformtes Zeugnis.“