„Werde Papst Benedikt berichten“

Erzbischof Gänswein enthüllt in Jerusalem eine Reliquie des seligen Kaisers Karl. Von Oliver Maksan

Erzbischof Gänswein mit dem Kaiserenkel Erzherzog Karl vor dem Reliquiar des seligen Kaisers. Foto: Österreichisches Hospiz
Erzbischof Gänswein mit dem Kaiserenkel Erzherzog Karl vor dem Reliquiar des seligen Kaisers. Foto: Österreichisches Hospiz

Das Habsburger Banner weht nicht alle Tage auf dem Dach des Österreichischen Hospizes an der Via Dolorosa. Rot-weiß-rot, die Flagge der Republik, wird für gewöhnlich am Fahnenmast des Hauses aufgezogen. Somit war klar, dass an Christi Himmelfahrt Besonderes bevorstand in dieser Enklave Altösterreichs in der Jerusalemer Altstadt. Die kaiserliche Familie mit Erzherzog Karl an der Spitze war angereist, um ein Reliquiar des seligen Kaisers Karl I. zu enthüllen. Ein von der Künstlerin und Kaiser-Enkelin Erzherzogin Gabriele gestaltetes Reliquiar bietet einem Knochenpartikel des Seligen eine dauerhafte Bleibe in der Heiligen Stadt. Damit wurde dem 2004 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochenen letzten Habsburger Kaiser und König irgendwie ein Wunsch ermöglicht, den er sich zu Lebzeiten nie erfüllen konnte. „Mein Großvater war nie hier im Heiligen Land. Als Kaiser ab 1916 dann unternahm er überhaupt nur eine Auslandsreise, zur Hohen Pforte nach Istanbul. Er hat damals überlegt, ob sich das mit einem Besuch im Heiligen Land verbinden ließe. Aber das wurde dann verworfen. Man war schließlich mitten im Ersten Weltkrieg. Umso schöner ist es, dass er jetzt nach seinem Tode doch da ist“, meint sein Enkel Erzherzog Karl nach der Messe gegenüber der „Tagespost“. „Ich weiß von meiner Großmutter Kaiserin Zita aber, wie sehr er das Heilige Land liebte und wie gerne er hierhergekommen wäre. Er war ja ein sehr frommer Mann. Auch der Titel ,König von Jerusalem‘, den die österreichischen Kaiser trugen, war ihm in geistlicher Hinsicht sehr wichtig.“ Tatsächlich sind die Bande zwischen dem Erzhaus und der österreichischen Pilgerstiftung eng. In der der Heiligen Familie geweihten Hospizkapelle zieren bunte Wappenschilder der Habsburger die Wände. Sie erinnern an Kaiser Franz Joseph I., der das 1863 eröffnete Pilgerheim besucht hatte. Viele Mitglieder seiner Familie taten es ihm gleich. Bis heute hält diese Verbindung an. Vor einigen Jahren dann entstand die Idee, eine Reliquie des seligen Kaiser Karl ins Heilige Land zu bringen – die erste hier überhaupt.

Hospizrektor Markus Bugnyar hob in seinem Grußwort hervor, dass die Pilger durch das Lebensbeispiel Kaiser Karls ermutigt werden mögen, auf Gott in allen Lebenslagen zu vertrauen. Zur feierlichen Einsetzung des Reliquiars hatte Bugnyar Erzbischof Georg Gänswein nach Jerusalem eingeladen. Der Präfekt des Päpstlichen Hauses und Privatsekretär von Papst Benedikt enthüllte das in die Kapellenwand eingelassene silberne Reliquiar während des Pontifikalamts zum Himmelfahrtsfest. Zu Beginn der Messe überbrachte er den Mitfeiernden die Segenswünsche von Papst Franziskus und Papst Benedikt. In seiner Predigt stellte er Kaiser Karl als Glaubenden dar, der inmitten der Wirren seiner Regierungszeit unbeirrt am in den Himmel erhöhten Christus festgehalten habe. Nach der Messe legte Erzbischof Gänswein im Gespräch mit der „Tagespost“ seine Verbindung zum Seligen und Österreich dar. „Ich komme aus dem Südschwarzwald. Wir waren ja bis 1806 bei Vorderösterreich. Über sechshundert Jahre waren wir sozusagen die Schwanzfeder der Habsburgermonarchie. Ich bin also innerlich ein Österreicher geblieben. Die Figur Karls hat sich mir vor allem im Zusammenhang mit der Seligsprechung 2004 erschlossen. Er trat mir da als herausragender Gläubiger vor Augen, den die Sorge um seine Völker und seine Familie umtrieben. Nochmal habe ich mich näher mit ihm nach der Wahl Benedikts XVI. beschäftigt. Papst Benedikt hat ja bei seiner Namenswahl ausdrücklich auf den Weltkriegspapst Benedikt XV. verwiesen. Dieser versuchte bekanntlich wie Kaiser Karl, einen Frieden zu erreichen. Leider vergeblich. Die Kriegstreiber waren stärker. Diese große Enttäuschung hat der selige Karl im Glauben getragen.“

Obwohl er nicht persönlich da war, wird Papst Benedikt doch ausführlich über das feierliche Ereignis in Jerusalem informiert werden. „Ich werde Papst Benedikt nach meiner Rückkehr nach Rom berichten. Er war ja befreundet mit Otto von Habsburg. Aufgewachsen in der Nähe Salzburgs fühlt er sich Österreich ohnehin innerlich nahe. Hier hat er ja als Kardinal häufig mit seinen Geschwistern Urlaub gemacht. Insofern sind ihm Österreich und die Habsburger alles andere als fern. Außerdem ist ihm Jerusalem natürlich ganz besonders wichtig. Er nimmt am Nahen Osten und der Lage der Christen hier weiterhin persönlich leidvoll Anteil. Dafür betet er.“