Pfarrer Thomas Eschenbacher: Gottes Größe im Genuss

Kann man Menschen mit Whisky für Gott begeistern? Man kann, meint Pfarrer Thomas Eschenbacher. Ein Gespräch über die außergewöhnlichen Whisky-Exerzitien. Von Carl-Heinz Pierk

close up view of glass of  whiskey and a bottle aside
Die Whisky-Exerzitien von Pfarrer Thomas Eschenbacher gelten als ein kreativer Weg, mit Menschen über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Foto: fotolia.com
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Die Whisky-Exerzitien von Pfarrer Thomas Eschenbacher gelten als ein kreativer Weg, mit Menschen über den Glauben ins Ge... Foto: fotolia.com

Herr Pfarrer Eschenbacher, wie sind Sie auf die Idee der Whisky-Exerzitien gekommen?

Ich genieße es selber schon seit einigen Jahren, immer wieder mal mit Freunden und Bekannten einen guten Whisky zu verkosten. Mir ist dabei aufgefallen, dass sich beim Genuss eines guten Whiskys immer wieder sehr gute Gespräche entwickeln, die nicht nur an den Fachsimpeleien über die jeweilige Whiskysorte hängen bleiben. Als ich dann auch noch Bücher über die Spiritualität von Whisky und über Whisky-Wallfahrten gelesen habe, war mir klar, dass mit Whisky mehr möglich ist. Erleichtert hat mir die Idee dann noch ein junger Arzt, der selber großer Whiskyfan ist und schon seit einiger Zeit Abende für junge Erwachsene zum Thema Whisky und Spiritualität angeboten hat. Er ist der Fachmann bei den Whisky-Exerzitien, vor allem für die Verkostungen.

Handelt es sich um ein neues Seelsorgeformat, um mit Männern ins Gespräch zu kommen?

Auf jeden Fall. Anfangs war das eigentlich gar nicht nur für Männer geplant. Erst im Nachdenken ist mir aufgefallen, dass unter den Whiskyfreunden zum überwiegenden Teil Männer sind. Da es schon zahlreiche Angebote gibt, die speziell für Frauen sind und von ihnen auch wahrgenommen werden, wollte ich versuchen, mal ein Angebot nur für Männer zu kreieren, das Männer auch ansprechen könnte. Viele andere Versuche scheitern leider manchmal am Desinteresse der Männer, vielleicht auch, weil sie die Begeisterungsfähigkeit von Männern nicht so sehr erreichen. Beim Whiskygenuss scheint wohl ein Nerv getroffen zu sein. Der erste Abend der Whisky-Exerzitien hat jedenfalls deutlich gezeigt, dass der Gesprächsbedarf der Männer nicht durch den Alkoholgehalt angestoßen wurde, sondern durch das gemeinsame Interesse am Genuss und an der Frage, wie das mit Fragen des Glaubens und Lebens zu verbinden ist.

Sie wollen Impulse beim Lesen von Bibelstellen setzen. Welche Bibelstellen eignen sich dazu – beim Whisky ?

Die Bibelstellen haben natürlich schwerpunktmäßig immer nur einen indirekten Bezug zum Whisky, sind aber auf dem Hintergrund des Genusses eine immer interessante Bereicherung der gemeinsamen Leidenschaft. Gerade der Name Whisky setzt sich ja zusammen aus der ursprünglichen Bedeutung „Wasser des Lebens“. Nun ist es spannend, das zu vergleichen mit dem Hinweis Jesu im Gespräch mit der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen, in dem Jesus selber sagt, dass er das Wasser des Lebens ist. Das Wasser, das von Jesus ausströmt, ist das Wasser, das ewiges Leben schenkt. (Joh 4, 13) Damit ist klar, dass letzten Endes nicht der Whisky das wahre Wasser des Lebens ist, sondern Jesus selbst. Aber dennoch kann der Genuss dieses besonderen Getränkes – wenn ich es denn auch mit Bedacht trinke – etwas von der Besonderheit und Größe Gottes erahnen lassen. Wenn schon ein kleiner Schluck dieser Spirituose in mir ein Aha-Erlebnis zutage fördert, kann ich vielleicht spüren, wie außergewöhnlich dieser Gott ist, der doch weit mehr ist als ein kleiner Schluck aus einem Whiskyglas.

Können Sie das präzisieren?

In der Verkostung eines Whiskys im Dunkeln und in der Stille haben wir den Teilnehmern das Beispiel Jesu vor Augen gehalten, der sich oft in aller Stille zum Gebet zurückgezogen hat. (Mk 1, 35) Er hat damit in der sehr persönlichen Begegnung mit Gott Kraft aufgetankt für die Begegnung mit den Menschen und für seine Verkündigung. Im stillen Genuss des Whiskys und im Sensibilisieren für die verschiedenen Geschmackstöne wurde den Männern vor Augen geführt, dass gerade aus der Stille und der Kraft des persönlichen Gebetes die entscheidenden Nuancen des Lebens wahrgenommen werden können. Hier wurde in besonderer Weise das Element des Schweigens von traditionellen Exerzitien aufgegriffen und in einer besonderen Dichte erfahren.

Sprengen Sie den traditionellen Rahmen von Exerzitien auf, indem Sie ihn durch ein Genussmittel ergänzen?

Im Grunde genommen gehört der Genuss an sich ganz wesentlich zu Exerzitien. Neben dem besonderen Schwerpunkt auf Gebet und Liturgie braucht es eine zwingend notwendige Ergänzung durch ausreichend Schlaf, gute Ernährung und sicherlich auch dem intensiven Gehen an frischer Luft. Der Whisky reichert den traditionellen Rahmen nur um ein neues Element an. Das wesentlich Neue ist eher die recht kurze Dauer von drei Stunden an einem Abend im Vergleich zu Exerzitien, die sonst eigentlich an mindestens drei Tagen, aber streng genommen wenigstens an fünf Tagen durchgeführt werden. Doch auch in dieser Kurzvariante können die Teilnehmer eine besondere Erfahrung machen, da Zeit zum Nachdenken bleibt, Raum für gute Gespräche und wertvolle Impulse für das persönliche Leben und die individuelle Glaubensgestaltung.

Sehen Sie im Whiskygenuss auch ein Mittel zur Glaubensvermittlung und -weitergabe? Um es salopp zu formulieren: Kann man mit Whisky Gott näherkommen?

Nicht der Whiskygenuss an sich ist das Mittel zur Glaubensweitergabe. Der Whisky und vor allem der Austausch darüber bildet nur einen Rahmen, der als Gesprächseinstieg dient und einer persönlichen Nachdenklichkeit durch die Komplexität der unterschiedlichen Whiskys förderlich ist. Ein Abend mit „Whisky-Exerzitien“ kann Menschen in Gespräch über ihren Glauben bringen, beziehungsweise sie zum Nachdenken anregen. Der Whisky an sich mit seinen Traditionen und Geschichten kann unter Umständen nicht nur zum Philosophieren über den Anteil der Engel im Whiskyfass anregen, sondern den einen oder anderen daran erinnern, dass in ihm selbst ebenfalls Gott ganz besondere Qualitäten grundgelegt hat, die es immer wieder zu erforschen und zu entdecken gilt.

 

Hintergrund:

Nicht nur bundesweit, sondern auch im Ausland haben die sogenannten „Whisky-Exerzitien“ von Pfarrer Thomas Eschenbacher Beachtung gefunden. Eschenbacher, von Bischof Paul-Werner Scheele am 27. Februar 1993 im Würzburger Kiliansdom zum Priester geweiht, ist seit Januar 2014 Leiter der Pfarreiengemeinschaft „Sieben Sterne im Hammelburger Land“. Der auch in der Schönstatt-Gemeinschaft engagierte Pfarrer ist bekannt für kreative Wege, um Menschen für den Glauben zu begeistern. So leitete er jahrelang den Gottesdienst für Karnevalisten in Würzburg und reimte dafür seine Predigten. Mit je 30 Teilnehmern kam Eschenbacher am 11. Januar und am 8. Februar bei fünf Whisky-Proben über geistliche Themen ins Gespräch. Vermutlich im Herbst soll es eine weitere Verkostung im Pfarrhaus zu Hammelburg (Unterfranken) geben. chp