Würzburg

Glaube als sichtbare Heimat

Die Krippe ist die Darstellung der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus mit Figuren. In Verbindung mit der Sichtbarkeit wesentlicher Inhalte des Glaubens gibt es die Krippen bereits seit Jahrhunderten.

Turbankönig, St. Konrad in Ettmannsdorf
Es bedarf erklärender Bilder, um theologische Wahrheiten verstehbar zu machen: Der Turbankönig ist ein Teil der Anbetung der Könige, wie sie die Krippe in St. Konrad in Ettmannsdorf zeigt. Foto: Familie Pöllmann

Krippen zeigen, worauf es beim Glauben ankommt. Sie sind das kompakte Evangelium für Augen, Herz und Hände. Ihre Formen sind vielfältig. Ihr Inhalt ist einfach. Der Glaube, den sie zeigen, ist tief. In seinem Apostolischen Schreiben „Admirabile signum“ vom 1. Dezember 2019 über die Krippen legt Papst Franziskus den Gläubigen diesen volksnahen Zugang ans Herz. Das Bistum Regensburg hat in den Tagen des Schreibens die Homepage jahreskrippen.de veröffentlicht. Sie bündelt die reiche Vielfalt der Krippen, stellt Kontakte her und motiviert, dieses kulturelle Instrument der Volksfrömmigkeit für die Neuevangelisierung zu nutzen.

Die Krippe ist die Darstellung des Weihnachtsgeschehens, der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, mit Figuren: mit dem Jesus-Kind, Maria, Josef, Ochs und Esel, mit dem Verkündigungsengel, zur Krippe eilenden Hirten, Schafen, drei als Könige auftretenden Weisen aus dem Morgenland mit ihrem Gefolge und, je nach Platz, noch vielem mehr. In Verbindung mit der Sichtbarkeit wesentlicher Inhalte des Glaubens gibt es die Krippen bereits seit Jahrhunderten.

Krippen erleben Renaissance

 

Eine Vorstufe ist beim heiligen Franziskus zu finden. Einerseits sind die volkstümlichen Krippen schon so selbstverständlich, dass sie zu manchen Zeiten kaum auffallen. Andererseits erleben sie derzeit eine echte Renaissance. Dieser erneut geschärfte Blick dafür geht auch auf die (neu)evangelisierenden Anstrengungen zurück, die in der Diözese Regensburg stattfinden. Bischof Rudolf Voderholzer bringt es auf den Punkt: „Schon weil die Krippe ein Medium der Evangelisierung ist, muss sie mir als Bischof ein Anliegen sein.“

Palmesel und Heilige Gräber, die Teile des Evangeliums ihrerseits sichtbar vermitteln, sind im Bistum Regensburg ebenfalls in den Fokus gekommen. Wenig aufgefallen waren in den vergangenen Jahrzehnten auch zahlreiche Krippenbauvereine sowie Vereine von Krippenfreunden, die sich landauf, landab subsidiär organisieren. Dass die Regensburger Initiativen auch die Aktivitäten der Vereine würdigen, wird von Krippenbauern dankbar wahrgenommen.

Krippenbauer sind Getaufte und gefirmte Christen, die basteln und werkeln, um ihre Ergebnisse auf Spezialausstellungen, mehr aber dem großen Publikum zu präsentieren. Der regionale Bezug trägt zur Attraktivität von Krippenschauen bei, der gesunde Wettbewerb spornt die Kripperer an. Auch an der Homepage jahreskrippen.de haben Krippenfreunde aus der Diözese Regensburg, aus Schwandorf und aus Lappersdorf erheblich mitgewirkt.

Selbst eine Kripperer-Szene hat sich etabliert

Seit Jahrzehnten hat sich eine Kripperer-Szene etabliert, die von einem Typ Mann geprägt ist, der es vorzieht, nicht im Zentrum der Pfarrei zu stehen, sondern still zu gestalten. Das erinnert an den heiligen Joseph. Es ist nicht abwegig, die Modelleisenbahn als säkularisierte Form der christlichen Krippe zu sehen. Zudem gibt es Krippenvereine, die Wochenenden für Familien anbieten, zu denen die Kinder mitkommen.

Geselliges vollzieht sich hier zwischen Erfahrungsaustausch zum Thema Krippenbau und Gottesdienst. Andererseits möchten Frauen nicht zurückstehen. Erst kürzlich stellten 22 Klöpplerinnen aus Schönsee im Landkreis Schwandorf Bischof Voderholzer eine geklöppelte Krippe vor: 187 Stunden war an diesem besonderen Stück gearbeitet worden.

Voderholzer, der bei Jesuiten Philosophie studierte, nennt die Jesuiten die „maßgeblichen Erfinder der Weihnachtskrippe“. Das Konzil von Trient (1545–1563), die Antwort der katholischen Kirche auf die Reformation, hieß ausdrücklich die Bilderverehrung gut. Jesuiten erkannten den Wert der Sichtbarmachung des Heilsgeschehens in Gestalt von Mysterienspielen, aber auch in der Form der szenischen Darstellung mit beweglichen Figuren.

Die Betrachtungsmethode aus dem Exerzitien-Buch des Ignatius, die Bereitung des Schauplatzes Jesu, das Wahrnehmen mit allen Sinnen, kann als Anleitung zum Krippenbauen verstanden werden, erinnert der Regensburger Bischof. Die erste Krippe wie wir sie heute kennen ist 1562 bei den Jesuiten in Prag sowie im portugiesischen Coimbra bezeugt.

Betrachtung zur Anbetung Gottes

Wie das Kirchenjahr durch die liturgische Feier die Gläubigen mit den Stationen des Lebens Jesu und seiner Verkündigung verbindet, so ist es die Intention der Krippe, vom Betrachten zur Anbetung Gottes zu führen. Dabei wird der Betrachter auf sein eigenes Leben hingewiesen, sagt der Münchner Pastoraltheologe Ludwig Mödl. Das macht das Instrument volksnah. Da christlich sozialisierte Menschen schon von früher Kindheit an die Thematik durch die Krippendarstellungen kennen, werden Erfahrung und Leben beim Vorgang des Betrachtens berührt.

„Wenn wir zu Weihnachten die Figur des Jesuskindes hineinlegen, beginnt gleichsam das Herz der Krippe zu schlagen.“
Papst Franziskus

Mödl gibt zu bedenken, dass es erklärender Bilder oder bildhafter Erzählungen bedarf, um theologische Wahrheiten verstehbar zu machen. Häufig sind theologische Begriffe „eingefrorene“ Bilder. Krippen setzen diese Begriffe in Bewegung. Auch Papst Franziskus weist in „Admirabile signum“ auf die Dynamik der Krippe hin: „Wenn wir zu Weihnachten die Figur des Jesuskindes hineinlegen, beginnt gleichsam das Herz der Krippe zu schlagen.“ Simultankrippen verknüpfen heilsrelevante Szenen in einer großen Schau, die die Heilsgeschichte regelrecht vor Augen führt. Die Botschaft lautet: Wie können wir unbeteiligt bleiben?

Und Jahreskrippen halten wechselnde Aufstellungen das Jahr über parat. Wer die bildlichen Darstellungen nur als Kunstobjekt sieht, bleibt bei gestalterischen Fragen hängen. Wer sich durch diese Kunstformen zum Inhalt führen lässt, dem kann eine Krippe viel von der spirituellen Tiefe des Glaubensgeheimnisses vermitteln. „Vor allem Kinder werden durch die Krippenszene tief angesprochen und in Erinnerung an die eigene Kindheit auch Erwachsene“, so Mödl.

Wiederholt wird das eigene Leben integriert: In einer Straubinger Krippe findet sich die Spendung des Firmsakraments in der Pfarrei eingebaut, in einer Marktredwitzer Krippe sind Männer mit Maßkrügen um einen Holztisch versammelt. Das sind Interpretationsversuche: Aufstellungen von Adam und Eva weisen darauf hin, dass die Menschwerdung des göttlichen Wortes im Krippenkind die Schuld von uns nehmen will. Üppige Szenen in neapolitanischen Krippen stellen dar, wie die Menschwerdung des göttlichen Wortes inmitten des gewöhnlichen Lebens geschehen ist.

Krippenschauen ist auch Kindheitserinnerung

Heimatvertriebene haben ein enges Verhältnis zu Krippen. Sie geben dem Glauben Heimat, der vielen selbst eine Heimat ist. Im „Krippenerbe“, einer Rubrik auf jahreskrippen.de, berichtet eine Frau im Bewegtbild, wie aus dem Sudetenland vertriebene Gläubige zurückkehrten, um ihre Krippen nachzuholen. Dabei entdeckt, wurden sie erschossen. Voderholzer erklärt: „Ich bin in München geboren und aufgewachsen, habe durch meine Mutter aber auch böhmisches Blut in mir. Das weihnachtliche Krippenschauen in den Münchener Kirchen und der alljährliche Besuch der großartigen Krippenausstellung im Bayerischen Nationalmuseum gehören zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen und haben die Liebe zu den Krippen in mir grundgelegt.“

Unter seiner Ägide zeigt die Krippen-Homepage vielfältige Möglichkeiten, zum Krippen- und Christusfreund zu werden. Sie enthält praktische Tipps für das Gestalten von Krippen, theologische Hinweise, um sie zu verstehen, und katechetische Hinweise, um die Begeisterung mit anderen Menschen zu teilen. Die Website bietet zwölf Krippenaufstellungen von der Verkündigung des Herrn bis zur Nathanparabel und nennt auch, ganz praktisch, die Kosten, mit denen Einsteiger zu rechnen haben. Aktuelle Berichte ganz verschiedener Krippenaktivitäten sind hier zu erfahren. Nicht zuletzt stellt das Krippen-Quiz die Kenntnisse des Besuchers auf die Probe: Worauf verweisen die Windeln in der Krippe?

Die Antwort sowie weitere Infos finden Sie unter www.jahreskrippen.de

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