Ein wundervoll ausgemaltes Dorfkirchlein in weltabgeschiedener Eifel

Die ungewöhnliche Geschichte des Landpfarrers und Kunstmalers Christoph März, der 1889 eine Pfarrei übernahm, die schon zehn Jahre verwaist war

Ungefährt dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, liegt im entlegensten Winkel der Eifel im Dreiländereck von Deutschland, Belgien und Luxemburg das Dörfchen Eschfeld. Seinen Namen kennt selbst in der Eifel kaum jemand, doch Anfang des 20. Jahrhunderts hat es wegen seiner Kirche Schlagzeilen gemacht. 1898 nämlich setzte der Bischof von Trier einen damals blutjungen Theologen, Christoph März, als Pfarrer auf die damals seit zehn Jahren verwaiste Pfarrstelle. Dorf und Pfarrgemeinde waren bitterarm, die 1869 erbaute Kirche völlig schmucklos. Als der neue Pfarrer seine Kirche zum ersten Mal sah, war er schockiert. Aber er war nicht allein Seelsorger mit Leib und Seele, sondern auch ein begeisterter Künstler.

Studiert in Düsseldorf, Florenz und Rom – und dann in die Eifel

In Düsseldorf, Florenz und Rom hatte er sich in die Kunst der Malerei einweisen lassen und die frühen oberitalienischen Kirchen mit ihren Ausmalungen studiert. Zudem spielte er Orgel, Klavier und Violine. Der erste Besuch des neuen Pfarrers in der schlichten Pfarrkirche St. Luzia war für ihn, den kunstsinnigen, feingeistigen Mann ein Schlüsselerlebnis: Er beschloss spontan, den nüchternen Kirchenraum mit bunten Bildern zu verzieren. Fünfzehn Jahre, von 1906 bis 1921 dauert es, dann hatte der Pfarrer aus dem kahlen Gotteshaus des unbekannten Eschfeld eine über die Eifel hinausreichende Sehenswürdigkeit geschaffen.

Dass er Michelangelos Werke im Vatikan ebenso studiert hatte wie die Fra Angelicos, ohne sie kopieren zu wollen, wird in Eschfeld deutlich. Blau und Gold sind die vorherrschenden Farben der Kirchenmalereien, die mittelalterlichen Farben der Gnade und Barmherzigkeit Gottes. Vornehmlich sonntags hat März auf seinem Gerüst in der Kirche gestanden und geschaffen. Sonntags deshalb, weil er die Dorfbevölkerung als Modelle brauchte, die er in den biblischen Szenen abbildete. Werktags wollte er die Menschen nicht von der Arbeit abhalten. Die Kinder jedoch holte er schon einmal aus dem Schulunterricht, wenn er Modelle für seine Engelsdarstellungen suchte. In rund eintausend Bildern sind die Gesichter der damaligen Dorfbewohner von Pfarrer März festgehalten. Ihm war es auch wichtig, das biblische Geschehen so darzustellen, als sei es Teil des damaligen dörflichen Tagesgeschehens gewesen. Ein Beispiel dafür ist das Bild von Jesu Gleichnis vom Sauerteig. Eine unverkennbar Eifeler Bäuerin walkt darauf den Sauerteig im typisch Eifeler Backtrog, Teigkratzer und Brotschieber liegen daneben.

Berühmt wurde seine bildliche Darstellung der Geschichte von der Frau, die eine verlorene Drachme sucht, das ganze Haus auskehrt und nach dem glücklichen Finden des Geldes die Nachbarinnen einlädt. Auf dem Bild von Pfarrer März lädt ein Engel mit einer Kaffeetasse die Nachbarinnen zu Kaffee, die Eschfelderinnen sind. Das Bild rief einen ernsten Disput mit dem Bischof anlässlich einer Visitation der Pfarrei hervor. Pfarrer März beruhigte aber den Trierer Oberhirten.

Das berühmteste Gemälde in der Kirche ist das flächendeckende Sintflutgemälde auf der Westwand, das größte in der Kirche. Auf drastische Weise stellt der malende Priester die Katastrophe dar, in der Menschen und Tiere mit dem Tode ringen und schließlich untergehen.

Pfarrer März macht das biblische Geschehen mit seiner Malerei als Alltagsgeschehen der damaligen Eifeler Bevölkerung verständlich. Wenn auch Anfang des 20. Jahrhunderts anders als im Mittelalter die Menschen in einem abgelegenen Dorf lesen und schreiben konnten, knüpfte Pfarrer März damit an die Tradition der sogenannten Biblia Pauporum an. Oft verband der Eifeler Pfarrer seine kurzen Predigten auch mit Hinweisen auf die Ausmalungen in der Kirche.

Selbst kurz vor seinem Tod: Der Pfarrer will einen Pinsel

Der kunstbesessene Pfarrer hat später weitere kleinere Kirchen in der Eifel und im Saarland künstlerisch gestaltet. Auch sein eigenes Pfarrhaus wollte er ausmalen. Dabei stürzte er im Alter von 64 Jahren vom Gerüst und starb nach zwei Tagen im Krankenhaus. Den Tod vor Augen, soll er mit dem ihm eigenen Humor darum gebeten haben, ihm einen Pinsel in den Sarg zu legen. Nach der Auferstehung gebe es sicher genug zu malen, und dann wolle er vorbereitet sein.

Unter den vielen sehenswerten Kirchen der Eifel gibt es jedoch keine zweite, die von einer solchen Originalität geprägt ist wie die Kirche des kleinen Dorfes Eschfeld. Sie zu sehen lohnt jeder Umweg.