Das Tor zur Welt

Hamburg verbindet maritime Atmosphäre mit vielfältiger Kultur. Zahlreiche wunderschöne Kirchen, Restaurants und Parks locken in der traditionellen Kaufmannsstadt Touristen aus aller Welt. Eine Tour durch die Hansestadt. Von Pascal Landahl

Sonnenschein in Hamburg
Die evangelische Kirche St. Petri und das Rathaus sind zwei der Wahrzeichen Hamburgs. Foto: dpa
Sonnenschein in Hamburg
Die evangelische Kirche St. Petri und das Rathaus sind zwei der Wahrzeichen Hamburgs. Foto: dpa

Geist und Leib sind zwar noch nicht frisch und aufgeweckt, dafür aber umso mehr Verkäufer und Kunden auf dem Fischmarkt. Frische Fische werden in Hamburg schon am frühen Morgen verkauft – zu unschlagbaren Preisen. Die Verkäufer, auch Marktschreier genannt, gehen gerne auch mit dem Preis runter und packen noch einen Fisch zusätzlich drauf. Sowohl durch den Geruch des Fisches als auch das laute Anpreisen der Verkäufer wird man am frühen Morgen aber sicherlich schnell wach. Im Winter ab sieben Uhr und im Sommer ab fünf Uhr öffnet der Fischmarkt in Hamburg-Altona seine Pforten an jedem Donnerstag und Sonntag. Wo normalerweise der frühe Vogel den Wurm fängt, ist es in diesem Fall eher der Fisch. Der gehört einfach wie der Fischmarkt zu Hamburg dazu.

Es bietet sich an, nach dem Fischmarkt oder direkt nach dem Aufstehen an der Hamburger Alster zu frühstücken. Am Rande der Alster in der Hamburger Innenstadt gibt es dafür zahlreiche gute Möglichkeiten, eine ist das Café Alex am Jungfernstieg. Von dort lässt sich bereits die ungeheure Schönheit und Pracht der wohlhabenden Hansestadt erahnen. Die zahlreichen Kirchtürme und das Wasser – vor allem Alster und Elbe – prägen wesentlich das Bild der Stadt. Alster ist in Hamburg ein mehrdeutiger Begriff. Gemeint ist zum einen ein alkoholisches Mischgetränk ähnlich dem „Radler“, andererseits aber auch der Fluss. Dieser entspringt nördlich von Hamburg und wurde vor langer Zeit im Hamburger Zentrum zu einem See aufgestaut. Das ganze Jahr über verkehren auf der „Alster“ die sogenannten Alsterdampfer und eignen sich hervorragend für Spazierfahrten durch die zahlreichen Hamburger Kanäle. So eröffnet sich der Blick auf die bekannte Hamburger Kulisse der fünf Hauptkirchen klarer.

Die fünf evangelischen Hauptkirchen prägen die Silhouette der Stadt Hamburg seit Jahrhunderten. Einige waren früher katholisch und wurden erst im Zuge der Reformation evangelisch, wobei alle evangelischen Hauptkirchen interessanterweise immer noch nach Heiligen benannt sind. Die älteste von ihnen ist St. Petri in der Mönckebergstraße. Die nach dem Apostel Petrus benannte Kirche ist im gotischen Stil erbaut und beherbergt neben dem knapp 130 Meter hohen Turm auch das originale berühmte Gemälde des Hl. Ansgar, des ersten Bischofs von Hamburg. Der angelsächsische Benediktinermönch kam 831 als Erzbischof nach Hamburg und trieb die Entwicklung der damaligen Hammaburg unter anderem durch Kirchen- und Klostergründungen wesentlich voran. Abrupt wurde sein Wirken durch den Überfall der Wikinger auf Hamburg im Jahr 845 beendet, sodass Ansgar nach Bremen flüchten musste. Dennoch bleibt sein Erbe eng mit der Hansestadt und der Kirche im Norden verbunden. Viele Denkmäler erinnern an ihn und das Erzbistum Hamburg veranstaltet jedes Jahr die Ansgar-Woche, in der auch die Ansgar-Medaille verliehen wird.

Für Kultur- und Kircheninteressierte bietet sich ein Rundgang durch die fünf Hamburger Hauptkirchen durchaus an. St. Jacobi, unweit von St. Petri, und St. Katharinen beeindrucken durch ihre barocken Orgeln, die während des Hamburger Orgelsommers auch regelmäßig erklingen. St. Nikolai erinnert als Mahnmal an die schrecklichen Folgen des Krieges und St. Michaelis – von den Hamburgern auch liebevoll Michel genannt – wiederum imponiert durch seine barocke Pracht und den wundervollen Einfall des Sonnenlichts. Der Michel hebt sich in ganz besonderer Weise durch seine barocke Saal-Architektur von allen anderen Hamburger Kirchen ab. Im Mittelpunkt steht ein gewaltiger Hochaltar mit dem gekreuzigten Christus. Auch die geschwungene mächtige Kanzel hebt den besonderen Wert der Predigt im evangelischen Glauben hervor. Gleichzeitig darf jedes Jahr in ökumenischer Verbundenheit die große Abschlussvesper der St. Ansgar-Woche im Michel stattfinden. Ein Gang auf den Turm lohnt sich in jedem Fall, aber bitte zu Fuß. Von oben hat man bei teils eisigem Wind einen wahrlich allumfassenden Ausblick auf die Hansestadt. Insbesondere der zu Füßen des Michels liegende Hamburger Hafen – das Tor zur Welt – verdeutlicht den maritimen und wirtschaftlichen Charakter Hamburgs. Nicht umsonst hat die Hanse, ein Handelsverband von Kaufleuten zum Schutz vor der Piraterie, im Mittelalter Hamburg ausgewählt. Der durch die Hanse etablierte Wohlstand und das kaufmännische Geschäft leben in Hamburg bis heute fort. Der Hafen zählt heutzutage zu den größten und modernsten der Welt. Jedes Jahr im Mai findet der Hafengeburtstag statt, zu dem stets etwa eine Million Menschen kommen. Um den Hafen zu erkunden, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie etwa eine Hafenrundfahrt – am besten mit einer traditionellen Barkasse. Auch kann man einmal den alten Elbtunnel durchqueren, der auf die andere Seite der Elbe führt.

Wer etwas Ruhe sucht, sollte im Restaurant Block Bräu an den Landungsbrücken einkehren und typisch Hamburgisch essen. Dafür bietet sich Labskaus, mit Matjes und Rote Bete, oder der Backfisch – und dazu natürlich ein Bier – an. Um den Abend ruhig und entspannt ausklingen zu lassen, sollte man sich wieder in die Innenstadt zum Rathausmarkt begeben und dort ein Glas Wein genießen. Und wer eine spirituelle Pause braucht, kann auch die nahegelegene katholische Kirche St. Josef aufsuchen. Wie zu Zeiten Ansgars ist Hamburg tatsächlich wieder Missionsland geworden. Dennoch sollten alle – Hamburger und Touristen zugleich – diese Herausforderung annehmen, und auf den Spuren Ansgars durch das Tor zur Welt hindurchgehen.