Asien für Anfänger: Südkorea

Eine Reise führt in unerschlossene Ferienparadiese und eine Gesellschaft, in der Katholiken eine Rolle spielen

Der koreanische Historiker Choi Joon-Sik ist der Meinung, dass Konfuzianismus die einflussreichste „Religion“ im täglichen Leben der Koreaner sei. Sein Buch „Understanding Koreans and Their Cultures“ („Koreaner und ihre Kultur verstehen“) ist erst vor kurzem erschienen. Im modernen Südkorea herrscht Religionsfreiheit und Trennung von Staat und Religion. Über die Hälfte aller Koreaner gehören dabei heute einer christlichen Glaubensgemeinschaft an. Der Buddhismus ist an die zweite Stelle gerutscht. In Korea leben rund 1,3 Millionen praktizierende Katholiken, was allerdings gegenüber den Achtzigerjahren ein Rückgang ist, denn damals waren es noch über drei Millionen.

Probleme wie Priestermangel und leere Kirchen sind jedoch unbekannt. Katholiken nehmen in der koreanischen Gesellschaft bedeutende Positionen ein. Durch ihren Einfluss in der Öffentlichkeit haben sie im Demokratisierungsprozess in den Siebziger- und Achtzigerjahren eine bedeutende Rolle gespielt. Es waren Katholiken, Protestanten und Studenten, die mutig gegen diktatorische Regime aufgetreten sind. Kardinal Kim Su-hwan wurde einer der bedeutendsten Meinungsbildner.

Zahlenmäßig erleben die protestantischen Religionsgemeinschaften und Sekten einen enormen Boom. Die Zahl der Pastoren wird auf 100 000 geschätzt. Dieses Phänomen ist auf den großen Einfluss der koreanischen US-Amerikaner zurückzuführen.

In keinem anderen Teil der Welt koexistieren Christentum und Buddhismus in so vergleichsweise harmonischer Weise und teilen sich auch die politischen und wirtschaftlichen Einflusssphären auf.

Gleichwohl behauptet Choi Joon-sik, dass so gut wie jeder Koreaner, auch wenn er ausgewandert ist, in seiner Lebensphilosophie von gewissen Grundregeln des Konfuzianismus geprägt wird. Im Umgang mit Koreanern, besonders auch im Geschäftsleben, bestätigt sich diese These. Im Großen und Ganzen zeichnet sich der koreanische Lebensstil durch zwei Erkennungsmerkmale aus: Dynamik und Konservativismus.

Dynamik ist der erste Eindruck, den die elf Millionen Einwohner der Metropole Seoul hervorrufen. Man sieht und spürt förmlich, dass es sich um die Hauptstadt einer der führenden Industrienationen handelt. Kein anderes Volk ist so vernetzt, keines will so wenig Urlaub, das Wirtschaftswachstum ist fast ungebrochen und Arbeitslosigkeit kein Thema. Unter allen Berufen hat jener des Lehrers das höchste Sozialprestige. Bildung genießt höchste Priorität und ist ein Schlüssel zum Erfolg. Das gilt auch für die Forschung, in die enorme Summen fließen, allerdings nicht seitens der öffentlichen Hand.

Junge schicke Frauen mit Laptops bevölkern die vielen amerikanischen Cafes der Metropole, sind emanzipiert und fühlen sich im Berufsleben den Männern gleichgestellt. Und doch herrscht weit über die Familie hinaus ein patriarchalisches System. Der Vater ist die Leitfigur, der Sohn widerspricht seinem Vater unter keinen Umständen, der Jüngere zeigt dem Älteren gegenüber Respekt und die Gesellschaft betrachtet man als eine Erweiterung der Familie. Auch Großkonzerne werden von Vaterfiguren, die unumschränkten Respekt genießen, geleitet.

Der Grund dafür ist, dass die Josean Dynastie mit ihrer konfuzianischen Ideologie das Land von 1392 bis 1910 beherrschte und dieses patriarchalische System institutionalisiert hat. Die Kulturdenkmäler, die Korea als Reiseziel attraktiv machen, stammen zum größten Teil aus dieser Epoche. Die Unesco hat in Korea siebzehn Sehenswürdigkeiten zum Weltkulturerbe erklärt.

Es beeindruckt, dass die sichtbar durch die Technik des 21. Jahrhunderts geprägte Jugend so sehr bestrebt ist, die Geschichte ihres Landes kennenzulernen. In Museen, bei Gedenkstätten, Pagoden, Tempeln und Kirchen stößt man stets auf Schülergruppen, die den Ausführungen ihrer Lehrerinnen mit tiefem Ernst folgen.

Leider ist Südkorea häufig nur eine Etappe auf ausgedehnten Asienreisen, wobei die Reiseveranstalter dem Land nur wenige Tage widmen. Dabei ist es durch und durch eigenständig, verfügt über eine beeindruckende Vielfalt an alter und moderner Kultur und über großartige Landschaften.

Verständlicherweise lösen die atomaren Drohgebärden Nordkoreas (die Grenze ist nur 40 Kilometer von Seoul entfernt) beklemmende Gefühle aus. Umso überraschender ist es zu erleben, mit welcher Gelassenheit die Südkoreaner mit diesem Phänomen umgehen.

Geongju, mitten in grünen Bergen gelegen, mit unzähligen Gräbern, Tempeln, Schlössern, Pagoden und Ruinen, wirkt wie ein riesiges 1 323 Quadratkilometer großes Freilichtmuseum. Für die Erkundung dieser einzigartigen historischen Stätte mit ihrem architektonisch und inhaltlich mustergültigen Museum, die ein Höhepunkt jeder Koreareise ist, sollte man mindestens zwei Tage vorsehen. 57 vor Christus wurde Geongju unter der Shilla Dynastie für tausend Jahre zur Hauptstadt. Besonders beeindruckend ist der „Tumuli Park“ mit 23 grasbewachsenen riesigen Grabhügeln der Shilla Monarchen und ihrer Familien.

Korea besitzt auch eine besonders bei den Japanern beliebte große Ferieninsel, die in Europa noch wenig bekannt ist. Jeju empfängt seine Besucher mit einem subtropischen Klima, mehreren spektakulären Kratern, einer mit Wanderwegen gut erschlossene Berglandschaft, 25 Golfplätzen und einer lavaschwarzen bizarren Küste, die von kristallklarem Wasser umspült ist. Tauchexperten sind der Meinung, dass hier noch eines der letzten weitgehend unberührten Unterwasserparadiese zu erschließen ist.

Die für Reisende interessanten Regionen verfügen über Hotels in allen Preiskategorien, die dem europäischen Standard entsprechen. Das Land gilt als sicher und sauber.

Da es im Vergleich zu vielen anderen asiatischen Zielen nicht zu exotisch und auch klimatisch angenehm ist, könnte man es das ideale Land für asiatische Anfänger oder Einsteiger nennen. Tägliche Flüge mit Korean Air von Frankfurt nach Seoul machen Korea trotz der großen Entfernung leicht erreichbar. Da, mit Ausnahme der studierenden Jugend, wenige Koreaner einer Fremdsprache mächtig sind, ist es empfehlenswert, die Reise im Rahmen einer Gruppe oder zumindest mit einem Reiseführer durchzuführen.