Rom

GLOSSE: Garantiert unfehlbar

Es irrt der Mensch, so lang er strebt. Aber zumindest einer ist - vor 150 Jahren qua Dogma so festgelegt - unfehlbar.
Papst Pius IX. legte das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes fest
| Das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes wurde durch des Erste Vatikanische Konzil unter Leitung von Papst Pius IX. festgelegt.

Auf die Gefahr hin, theologisch Gebildetere jetzt vor den Kopf zu stoßen: Ich gestehe, dass ich ein Fan des vor 150 Jahren verabschiedeten Unfehlbarkeitsdogmas bin. Besonders gefällt mir, dass die Kirche hier amtlich die Zahl der jeweils unfehlbaren Menschen auf genau eine Person reduziert hat.

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Einer bleibt irrtumsfrei

In der heute so beliebten „einfachen Sprache“ lautet das Dogma: Egal wie die Menschheit weiter wächst, es ist immer maximal einer grundsätzlich irrtumsfrei, und auch der nur bei bestimmten Fragen und überhaupt eher selten. Der Rest irrt zwar nicht immer, aber viel zu oft, um eine große Lippe zu riskieren. Diese anno 1870 getroffene Klarstellung hätte Katholiken eigentlich skeptisch machen müssen, als wenige Jahrzehnte später diese skurrilen Typen auftauchten, die alle so unfehlbar herumbrüllten und von ihrer unfehlbaren Schlauheit allzu überzeugt waren. Hat man wohl nicht gründlich genug Dogmatik studiert?

Fehlbare Propheten

Bitte, wenigstens heute: Denn jetzt tummeln sich im Internet jede Menge Propheten, die wie wild Jünger suchen, auf facebook täglich Dogmen verkünden, Leute exkommunizieren, Höllenstrafen androhen und allerlei inquisitorische Fragen stellen. Bitte immer bedenken: lauter Fehlbare! Garantiert (von der Kirche seit 1870)!

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