Würzburg

Lesbische Irrwege zu Gott 

Nach mehr als zwei Jahrzehnten  in der Lesben-Szene fand Teresa Frei  zur "Umkehr aus tiefster Seelennot".  Mit ihrem Outing will sie  Betroffenen helfen .

Gleichgeschlechtliche Paare
Als Teresa Frei ihre lesbische Lebensweise ablegte war sie erheblichen Diskriminierungen ausgesetzt. Foto: Z6455/_Michael Reichel (dpa-Zentralbild)

Eine selbstbewusste Frau sitzt mir gegenüber. Keine Frage ist ihr zu direkt, zu peinlich, zu schonungslos. Sie spricht ohne Zögern, konzentriert und offen   über eigene Sünden, großes Leid, schmerzhafte Umkehr, leidgeprüfte Einsicht, spätes Glück. Ihren wahren Namen will sie nach mehr als zwei Jahrzehnten in der Lesben-Szene nicht in der Zeitung lesen, weil Teresa Frei (Name der Redaktion bekannt), wie sie in ihrem Buch "Frauen lieben" schrieb, ihn nicht nennen kann, "ohne sofort konzertiertem Mobbing und einem Shitstorm von Angriffen ausgesetzt zu sein". Ihre Geschichte verstoße gegen die Political Correctness, doch will sie "das mir auferlegte Meinungsäußerungsverbot nicht akzeptieren".

Unter dem Radar der Homo-Szene

In mehr als 20 Jahren lesbischen Lebens habe sie "Erniedrigungen, Beleidigungen, anonyme Drohanrufe, Verleumdungen und aggressive Beschimpfungen auf offener Straße" erfahren. "Aber keine Diskriminierung als lesbisch lebende Frau war so schlimm wie die, welche mich ereilte, nachdem ich diese Lebensweise abgelegt hatte   leider sogar sehr oft auch innerhalb der Kirche." Dort erfahre sie immer wieder Kritik von Personen, die sie als altmodisch und erzkonservativ abstempeln. "Die Schöpfungsordnung sei noch auf dem Weg, sagen sie. Zeugnisse von Menschen wie mir seien deshalb schädlich, weil sie die Erneuerung behindern." So würden nicht nur Genderideologie-Befürworter reden, sondern auch viele, die "mit der Sexualmoral der Kirche ein Problem haben". 

Noch fliege sie unter dem Radar der Homo-Szene, sagt Teresa Frei im Gespräch. Angriffe aus der LGBTI-Szene musste sie erdulden, als sie einen Artikel über die "Ehe für alle" schrieb. "Es gibt Lobbyisten, die das Internet auf alle kritischen Hinweise durchsuchen und dann Hetzartikel verfassen und verbreiten. Das ist ein System des Hasses, wo Leute ausgewählt werden, die mundtot gemacht werden sollen." Anders als bei Sekten gehe es in der LGBTI-Szene nicht darum, dass einer der Szene den Rücken kehrt. Teresa Frei verstößt jedoch mit ihrer Lebensbeichte gegen ein Tabu: Sie stellt dar, wie ihre "biografischen Verwundungen" und "wenig berauschenden heterosexuellen Erfahrungen" ursächlich waren für ihre "lesbische Musterbiografie". 

„Ich kann mich, wenn ich will, auch ändern“

Im Gespräch wird sie deutlicher: "Viele homosexuell geneigte Menschen verstehen nicht, dass sie irgendwann   bewusst oder unbewusst   eine Entscheidung getroffen haben. Bis heute gibt es keine wissenschaftliche Studie, die eine genetische Veranlagung zur Homosexualität bestätigt." Stattdessen gebe es Faktoren, die Homosexualität beeinflussen, etwa eine gewisse Sensibilität und das soziokulturelle Umfeld. Oft seien frühkindliche Bindungsverletzungen entscheidend: "Bei mir war es die Beziehung zur Mutter. Ich habe irgendwann die Entscheidung getroffen, eine lesbische Identität anzunehmen, meinen Blick nicht mehr auf Männer, sondern auf Frauen zu richten." Es ging um ein "Nachholen der mütterlichen Zärtlichkeit, die mir von einem Mann nicht hätte geschenkt werden können". Beeinflusst war diese Entscheidung auch durch negative Erfahrungen mit Männern, durch Sex, der als Gewalt erlebt wurde. 

Die Ursachenforschung ist sehr komplex", sagt Teresa Frei. Aber dass Homosexualität einfach Schicksal sei, und jemand so geboren wurde, schließt sie aus: "Alle Fälle, die ich kennenlernte, zeigten eklatante frühkindliche Bindungsverletzungen, viele auch Missbrauchserfahrungen." Bei ursprünglich nicht homosexuellen Frauen, die sich für eine lesbische Beziehung entscheiden, komme oft Enttäuschung durch männliche Partner dazu: "Diese Frauen erhoffen sich vom gleichgeschlechtlichen Partner Zärtlichkeit, liebevolles Angenommensein, Zuhören." 
Es sind solche Thesen, die die einstige IT-Karrierefrau zum roten Tuch der Szene machen könnten. Denn ihre Schlussfolgerung lautet: "Ich kann mich, wenn ich will, auch ändern. Ich kann eine Entscheidung treffen. Ich kann diese Identität ablegen, so wie ich sie angenommen habe."

"Ich bin nicht lesbisch, sondern Frau. Und in jedem Fall ein geliebtes Kind Gottes."

Sie selbst habe für sich entschieden: "Ich bin nicht lesbisch, sondern Frau. Und in jedem Fall ein geliebtes Kind Gottes." Heute, Jahre nachdem sie ihrem lesbischen Leben den Rücken gekehrt hat, ist sie überzeugt: "Gottes Heilsplan hat Mann und Frau füreinander vorgesehen. Wer sich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt, bei dem ist die Geschlechtlichkeit entfremdet. Zudem ist seine Liebesfähigkeit verletzt. Das braucht Heilung." Begründung: "Alles, was Sünde ist, entfremdet uns von Gott, das betrifft die praktizierte Homosexualität ebenso wie die außereheliche heterosexuelle Beziehung. Jesus aber will für uns das Leben in Fülle." 

Auf der Suche nach Rettung

Ob Menschen, die lange homosexuell gelebt haben, noch ehefähig sind, beantwortet sie differenzierend: "Es gibt Menschen, die homosexuelle Beziehungen gelebt haben, und dann geheiratet haben. Es gibt andere, die entschieden haben, ein sexuell abstinentes Leben zu leben." Sie selbst etwa. "Es war schmerzvoll, aber ich bin jetzt frei. Ich bin einen schweren Weg gegangen, aber ich bin nicht mehr abhängig   weder emotional noch sexuell." Der Abschied vom lesbischen Leben mit vielen wechselhaften Beziehungen war voll Leid, aber: "Wenn du am Ertrinken bist, denkst du nicht über die Cocktails an der Strandbar nach, sondern suchst den Rettungsring. Ich war am Ertrinken. Ich war todunglücklich." Sie sei auf der Suche nach Rettung gewesen, nicht nach Glück. 

Rettung suchte sie   vergeblich   im Kloster und in neuen Jobs. Es folgten neue Demütigungen und eine "Nacht der Seele". Auf dem Jakobsweg in Spanien wurde sie brutal vergewaltigt. In Österreich schrieb sie sich ihr Leben von der Seele: "Ich musste beim Schreiben noch einmal durch den ganzen Sumpf hindurch." Es ging ihr nicht nur um Aufarbeitung, sondern auch um Zeugnis: "Das ist nicht ein Buch für jene, die bei der Regenbogenparade in der ersten Reihe gehen und überzeugt sind, dass ihre Homosexualität normal sei. Sondern für jene, die in sich eine Unstimmigkeit spüren." Die könne sie nur mit einem authentischen Zeugnis erreichen: "Sie sollen eine Frau sehen, die genauso drinnen war. Darum lass ich die Hosen runter. Mit dem Risiko der Verwundbarkeit, Verletzbarkeit, Peinlichkeit." 

Aus dem Leidensdruck heraus ein Buch geschrieben

Teresa Frei leuchtet in die dunklen Winkel der Homo-Szene: "Alle Beziehungen, die ich hatte, sind gescheitert. Es ging mir in den Beziehungen schlechter als ohne sie. Ich hatte keinen inneren Frieden, kein Erfülltsein." Bis sie begriff: "Wenn Gott die Liebe ist, kann der Weg, den ich da gehe, nicht der richtige sein." Homosexuelles Leben entspreche "nicht dem Heilsplan Gottes". Verschwiegen werde, dass in diesem Milieu "ganz viel Depression und Alkoholismus" Alltag sei, "und nicht zuletzt auch viel Promiskuität in schwulen Beziehungen". 

Das Leid werde verschwiegen, weil die Homo-Lobby "der Mehrheit vorschreibt, was sie zu denken hat". Der subjektive Leidensdruck vieler Homosexueller sei für sie ein Grund gewesen, ihr Buch zu schreiben: "Es gibt nur noch wenige, die sich trauen, diesen Menschen zu helfen. Durch das in immer mehr Ländern umgesetzte Therapieverbot werden Betroffenen alle Hilfsmittel entzogen", sagt Teresa Frei. "Ich selbst habe keine Psychotherapie gemacht, sondern eine Begleitung auf geistseelischer Ebene erfahren." 

Umkehr aus tiefster Seelennot

Und in der Kirche? Seelsorgerliche Hilfe   gemäß der Lehre der Kirche   gebe es nur hinter vorgehaltener Hand. Die offizielle "Regenbogenpastoral" trage eher dazu bei, dass Betroffene ihren Weg beibehalten. "Das ist nicht im Sinne der Kirche. Das Ziel der Seelsorge sollte in erster Linie die Wiederherstellung der Liebesfähigkeit des Betroffenen sein, um ihm so zu einem erfüllten Leben gemäß den Geboten Gottes zu verhelfen. Wo ich jemanden in Berührung bringe mit dem Wahren, Guten, Schönen und der Liebe, gebe ich ihm die Möglichkeit, innerlich zu heilen." Dann sei die logische Konsequenz, "dass er den bisherigen Weg verlässt, der ihm nicht zum Heil gedient hat, und seinen Lebensstil verändert". 

Amtliche Segnungen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften hält Teresa Frei für ein falsches Signal: "Praktizierte Homosexualität ist gegen Gottes Schöpfungsordnung. Ein Segensakt der Kirche wäre ein Widerspruch in sich: Die Kirche kann nicht segnen, was gegen den Willen Gottes ist." Die Gradualitätslehre mancher Theologen, die den Wert der Treue an sich als ausschlaggebend betonen, habe sie selbst erst verunsichert, dann verärgert. Stattdessen solle die Kirche überlegen, wie sie homosexuelle Menschen begleiten könnte, um ihnen zu helfen, "die Schöpfungsordnung zu verstehen und ihr gemäß zu leben". 

Teresa Frei hat ihr "lesbisches Unterwegssein als Irrweg erkannt". Im Rückblick ist ihr klar, "wie sehr Jesus um mich gekämpft hat". Heute spricht sie von einer "Umkehr aus tiefster Seelennot". Ihre Botschaft lautet: "Gott weiß besser als ich selbst, was für mich gut ist." 


Kurz gefasst 

Frühkindliche Bindungsverletzungen seien oft die Weichenstellung für eine homosexuelle Orientierung, sagt Teresa Frei. Nach mehr als 20 Jahren in der Lesben-Szene fand sie auf Umwegen zu Gott und zur Heilung ihrer verwundeten Seele. In ihrem Buch "Frauen lieben" (ISBN 978-3-99093-302-2) wagt sie ein ungewöhnliches Outing. Im Gespräch mit der "Tagespost" berichtet sie von verletzter Liebesfähigkeit und entfremdeter Geschlechtlichkeit.

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