Würzburg

Peter Eilichmann: Dem Leben eine Stimme geben

Peter Eilichmann hat sich als junger Mann erfolglos gegen die Abtreibung seines Kindes gewehrt. Jetzt setzt der Musiker sich für das ungeborene Leben ein und erzählt von der Vaterliebe Gottes.

Peter Eilichmann
Die Abtreibung seines ersten Kindes hat Peter Eilichmanns Leben maßgeblich geprägt.

Eine warme, herzliche Stimme. Fast wie eine Umarmung vom anderen Ende der Leitung. Dabei ist es bloß eine Terminvereinbarung, ein erstes Telefonat. Doch die Stimme überrascht und macht   ebenso wie die Geschichte dahinter   neugierig. Als junger Mann hat Peter Eilichmann sich erfolglos gegen die Abtreibung seines Kindes gewehrt. Seine damalige Verlobte, er war 23 Jahre alt, entschied sich trotz seines Flehens und seiner Umstimmungsversuche gegen das Kind. Ein Verlust, ein "verlorener Kampf", wie er es bezeichnet, der sein Leben maßgeblich geprägt hat. "Lass uns gemeinsam hinsehn und aufstehn, für ein Leben von Anfang an. Lass uns gemeinsam hinsehn und aufstehn für ein Leben in Gottes Hand", singt Eilichmann in seinem Lied "Leben".

"Ich sehe meinen Glauben als eine ganz große Gnade, eine unglaubliche Kraftquelle. Ich wüsste auch nicht, wo ich wäre ohne."
Peter Eilichmann

Nachdem er sich 2008/2009 aus seiner Tätigkeit als Moderator und Sprecher für Rundfunk und Werbung   Eilichmann hatte unter anderem für ARTE und das ZDF gearbeitet  teilweise zurückgezogen hat, widmet sich der 51-Jährige jetzt vor allem der Musik. Auf seiner Webseite (www.eilichmann.com) bietet er einen Überblick nicht nur über seine Geschichte, sondern auch sein aktuelles Engagement. Entstanden sind bisher unter anderem die Gebets-CD "Stille Zeit", ein Bildband und die Lobpreis-CD "Auf der Seite des Lebens" mit dem Begleitbuch "Briefe an meinen Vater". Dazu kommen Live-Auftritte, etwa als Gottesdienstbegleitung oder bei Lobpreiskonzerten, Seminare und   der Rundfunk ist weiterhin eine Leidenschaft geblieben  eine zweiwöchentliche Talksendung bei Radio Munot in Schaffhausen.

Raus aus dem Hamsterrad

"Für wen sprichst du?", hatte Eilichmann sich im "Hamsterrad" seiner Rundfunkarbeit zunehmend gefragt. Mittlerweile hat er die Antwort gefunden: für das Leben, für die Liebe, für Gott. "Ich möchte die Menschen zu Gott führen, hinein in seine Liebe." Sprechen war für Eilichmann lange Beruf, jetzt ist es Berufung. "Ich fühle mich als Werkzeug für den Herrn. Und vielleicht spricht er ja tatsächlich öfter mal durch uns Menschen." Eilichmann verkündet dabei keine neue Botschaft, er sagt bloß, was meist zu wenig oder zu leise gesagt wird   und das ebenso deutlich wie feinfühlig. Wenn er singt oder spricht, versucht er bewusst, "behutsam" zu sein. "Die Menschen spüren, wie du sprichst", erklärt er.

Wie sehr du bei dir selbst bist   und bei Gott. Eilichmann betet vor seinen Aufnahmen, vor seiner Radiosendung, vor seinen Auftritten, besonders für alle Menschen, die ihn hören werden. Und oft bekommt er bewegende Rückmeldungen von Hörern, die Trost, Ermutigung, ja sogar seelische Heilung erfahren durften. Seine Lieder bezeichnet er als eine Art "Mottolieder", die versuchen, "den Menschen in dem aufzufangen, was da ist": Geburt, Tod, Abschied, Wahrheit, Entscheidung. Es geht um die großen Themen des Lebens, ja um das Leben selbst.

Engagement bei Marsch für das Leben

Und um den Schutz des Lebens. Das Lied "Zarter Keim" durfte Eilichmann zum ersten Mal beim "Marsch für das Leben" 2013 im Abschlussgottesdienst live singen. Eine wirklich "gottgeführte Aktion", wie er findet. Trotzdem wünscht er sich noch mehr gesellschaftliches und kirchliches Engagement im Lebensschutz, mehr Mut, mehr direkte Worte, mehr Gebet. "Und vor allem nicht nur im September", betont er. Deshalb möchte er künftig regelmäßige, offene Treffen organisieren. Besonders am Herzen liegen Eilichmann dabei auch die Männer, die wie er selbst nicht Vater werden durften. Er glaube schon, dass es viele Väter gibt, denen es mit ihren Erfahrungen ähnlich geht wie ihm, die aber nicht darüber reden. Einzelne hätten ihn auch schon angesprochen. Eilichmann würde diese Vernetzung gerne weiter ausbauen: "Ich biete jedem an, dass er sich bei mir melden kann."

Ihm selbst sei es als junger Mann die ersten zwei Jahre nach der Abtreibung seines Kindes sehr schlecht gegangen. "Und dann das Gefühl, du kannst es nicht rückgängig machen." Loslassen wird ihn dieser Teil seiner Geschichte wohl nie. Auch wenn er selbst alles versucht hat, um sein Kind zu retten, rechnet er sich doch in die "Gemeinschaft der Verantwortlichen". Er will Gott nicht die Frage stellen, warum er das alles zugelassen hat oder der Sache "krampfhaft einen Sinn abringen". Es gehe vielmehr darum, wie man auf das, was das Leben einem aufgibt, reagiert: "Was ist denn meine Antwort auf die Frage, die mir da gestellt wird?" Eilichmann hat mit dem Lebensschutz-Engagement für sich einen Weg gefunden. "Das kann ich auch nur jedem Mann raten: Hilfe ist es schon und Heilung kann schon in dem Moment geschehen, wenn man sich einsetzt. Auch wenn man ein Kind durch Abtreibung verloren hat."

Briefe an den Vater

Eilichmanns Geschichte ist vor allem eine Vater-Geschichte: über den eigenen Vater, der ihn so sehr geprägt hat, über die eigene Vaterschaft, die ihm als junger Mann verweigert wurde und die er jetzt zwei Söhnen widmen darf und nicht zuletzt über den himmlischen Vater, dessen Liebe Peter Eilichmann in seiner Arbeit weitergeben will. "Mein Vater ist die Barmherzigkeit auf zwei Beinen", erzählt er über den 2014 verstorbenen Karl Leo Maria. Nicht "war", Eilichmann sagt "ist". Er weiß, dass sein Vater an einem anderen Ort weiterlebt.

Die "Briefe an meinen Vater" offenbaren eine immer noch lebendige, außerordentlich tiefe und vertraute Beziehung zu ihm. In ihnen reflektiert Eilichmann nicht nur die Geschichte seines Vaters, sondern vor allem auch dessen Leben als Katholik. Der selbstständige Bäcker war ein besonderer Mensch, nicht nur für Eilichmann und seine vier Geschwister. "Ich treffe heute noch Leute, die mir erzählen: ,Wenn dein Vater mir nicht von der Bibel erzählt hätte  wo wäre ich heute? " In seiner Bäckerei verkaufte   oder verschenkte   er nicht nur Brot, er hatte den ganzen Menschen im Blick. "Das war wie eine Seelsorgestätte", erinnert sich Eilichmann.

Kraft aus Gebet und Eucharistie

Diese Vaterliebe spiegelt sich in Eilichmanns Gebets- und Liedtexten. Sie erzählen von Gottes sanfter, bergender Güte, von warmer Vertrautheit und Nähe. Man spürt, dass der Musiker wirklich aus einer persönlichen Beziehung mit Gott heraus lebt. Mit all ihren Auf und Abs. "Ich sehe meinen Glauben als eine ganz große Gnade, eine unglaubliche Kraftquelle. Ich wüsste auch nicht, wo ich wäre ohne", sagt er. Schon als Kind hat Eilichmann gerne gebetet und auch jetzt schöpft er viel Kraft aus der Eucharistie, aus dem Gebet. Durch die Familie   auch die Mutter ist, so Eilichmann, eine sehr herzliche, liebe Katholikin   wurde ihm der Glaube in gewisser Weise in die Wiege gelegt, "aber auch durch einige Schicksalsschläge gleichsam in die Tiefe gezogen. Ich glaube, Wachstum im Glauben geht nicht ohne Prüfung."
 
Mit seiner Musik und seinem Engagement möchte Eilichmann den Schatz dieses Glaubens weitergeben, von der Freude sprechen, ein Kind Gottes sein zu dürfen und dem Leben eine Stimme geben. Eine warme, ermutigende Stimme. Vor allem dem ungeborenen Leben.

Tagespost im Radio

Am 10. März, 19 20 Uhr, wird "Die Tagespost" bei Peter Eilichmann in der Talksendung "Hallo Nachbar" (Radio Munot) zu Gast sein. Radio Munot ist ein privater Radiosender im deutsch-schweizer Grenzgebiet, kann über Internet (www.radiomunot.ch) aber weltweit empfangen werden. In der wöchentlichen Abendsendung "Hallo Nachbar" laden Peter Eilichmann und ein Kollege im Wechsel immer neue Gesprächspartner zum Austausch über ganz unterschiedliche Themen ein.

 

Kurz gefasst

Die Abtreibung seines ersten Kindes hat Peter Eilichmanns Leben maßgeblich geprägt. Nach einer intensiven Zeit beim Rundfunk setzt sich der Sprecher und Musiker jetzt vor allem für den Schutz des ungeborenen Lebens ein. Geprägt durch eine tiefe Beziehung zu seinem mittlerweile verstorbenen Vater und getragen von einem lebendigen Glauben, ist es vor allem die Vaterliebe, die Eilichmann auch im Blick auf Gott weiterschenken möchte.

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