Ehe und Familie

Wie man taktvoll sein Beileid ausdrückt

Von Januar bis einschließlich November 2021 sind laut Statista 916.416 Menschen in Deutschland gestorben. Sie hinterlassen trauernde Angehörige und Freunde. Wer zu einer Beerdigung eingeladen wird, der steht häufig vor vielen Fragen.
2021 sind laut Statista 916.416 Menschen in Deutschland gestorben
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Von Januar bis einschließlich November 2021 sind laut Statista 916.416 Menschen in Deutschland gestorben. Sie hinterlassen trauernde Angehörige und Freunde. Wer zu einer Beerdigung eingeladen wird, der steht häufig vor vielen Fragen. Ein zentrales Thema ist, wie man taktvoll sein Beileid ausdrückt. Trauerexperten helfen mit wertvollen Ratschlägen weiter.

Vorsicht vor der Floskel-Falle

Wenn einem die Worte fehlen, dann kommen oftmals Standardsätze in den Sinn. Gerade im Trauerfall sind allerdings Floskeln nicht dienlich. Ein “Die Zeit heilt alle Wunden” oder “das wird schon wieder” sind Sprüche, auf die der Betroffene getrost verzichten kann. Sie helfen ihm in der schwierigen Situation nicht weiter. Wer einen schmerzlichen Verlust erlitten hat, der kann in der Regel nicht spüren, dass es wieder aufwärts geht.

Zudem ist jeder Todesfall und jeder Angehörige einzigartig. Standardsprüche gehen weder auf die konkrete Situation noch die individuellen Gefühle ein. Aber es ist wichtig, dass sich das Gegenüber gesehen fühlt. Deshalb sollten immer Worte gewählt werden, die von Herzen kommen.

Wer sprachlos ist, der darf das kommunizieren. Es ist in Ordnung zu sagen, dass man selbst von dem Ereignis total überwältigt ist. Oft kann auch eine aufrichtige Umarmung mehr helfen als viele Worte.

Persönlich oder schriftlich Kondolieren?

Man hat die Möglichkeit sowohl per Karte als auch telefonisch oder in Person sein Beileid auszudrücken. Je enger das Verhältnis zu den Hinterbliebenen ist, desto besser eignet sich ein Besuch oder Telefonat, um zu kondolieren.

Wer plant, die Trauernden aufzusuchen, sollte taktvoll vorgehen. Es gibt keine Patentlösung im Umgang mit Hinterbliebenen. Sicherheitshalber sollte allerdings vorher abgeklärt werden, ob Besuch überhaupt gewünscht ist. Manche Angehörigen brauchen in der ersten Zeit den Rückzug. Andere wünschen sich möglichst viele Menschen um sich herum. Jeder hat das Recht auf seine eigene Art und Weise zu trauern.

Um stilvoll persönlich sein Beileid auszudrücken, überlegt man sich vorher bereits einige Worte. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man verstummt. Was allerdings nicht passieren darf ist, dass die Sätze auswendig heruntergeleiert werden. Das Gesagte sollte, selbst wenn es vorbereitet ist, von Herzen kommen.

Für den Notfall kann ein Brief oder eine Kondolenzkarte ausgearbeitet werden. Die Schreiben werden dann bei dem Besuch überreicht. Manchen Menschen fällt es leichter sich schriftlich auszudrücken. Dann werden bei dem Besuch zwar persönliche Worte ausgetauscht, alles Weitere steht aber in dem Schreiben.

Arbeits-, Sport- und Vereinskollegen können selbstverständlich auch schriftlich kondolieren. Gleiches gilt für den Arbeitgeber und andere entferntere Personen. Allerdings ist auch beim Verfassen der Trauerkarte auf verschiedene Details zu achten.

Je individueller die Beileidsbekundung, desto besser

Umso mehr auf den Hinterbliebenen und/oder den Verstorbenen eingegangen wird, desto wertvoller wird das Kondolieren. Doch was heißt das konkret?

Das Trauerkarten-Team von meine-kartenmanufaktur.de gibt wichtige Tipps mit an die Hand. So rät es, bereits bei der Auswahl der Papeterie auf den Stil zu achten. Klassischerweise sind Trauerkarten mit Motiven wie Kreuzen, Engeln, Kerzen oder Landschaften versehen. Aber es gibt bei persönlich gestalteter Papeterie auch die Option, ein ganz eigenes Design zu entwerfen.

Vielleicht hatte der Verstorbene eine Lieblingsbank im Park? Dann eignet sich ein Foto von exakt dieser Sitzgelegenheit für die Vorderseite des Schriftstücks. Je mehr vom Geiste des Toten auf der Karte eingefangen wird, desto ergriffener werden die Angehörigen sein. Das bedeutet natürlich mehr Mühe als eine einfache Papeterie von der Stange. Meistens nehmen sich nahestehende Personen sich mehr Zeit für das Trauerschreiben als entfernte Bekannte.

Am einfachsten gelingt eine individuelle Beileidsbekundung, wenn vorab an den Verstorbenen gedacht wird. Welche Erinnerungen fallen einem sofort ein? Was berührt einen selbst am meisten. Die Momente, die zu Tränen rühren, sind diejenigen, die sich oftmals am besten für die Beileidsbekundung eignen.

Die Experten von gemeinsam-trauern.net raten dazu, das Kondolenzschreiben per Hand zu verfassen. Am stilvollsten gelingt das mit echter Tinte. Alternativ kann auch ein Kugelschreiber gewählt werden. Dieser sollte aber von guter Qualität sein, um keine Patzer zu hinterlassen.

Trauerratgeber tendieren außerdem eher dazu einen Brief als eine Trauerkarte zu verschicken. Zum einen bietet ein Brief mehr Platz für ausführliche Worte, zum anderen wird er normalerweise auch länger aufbewahrt. Wer sich allerdings sowieso mit dem Kondolieren schwertut, der darf gerne zur Karte greifen. Dort reichen bereits ein paar Sätze aus, um die Seiten zu füllen.


Formulierung der Trauerkarte

Richtige Formulierung der Trauerkarte

Eine Trauerkarte besteht aus fünf Teilen:

  • Anrede

  • Einleitung

  • Hauptteil mit Beileidsbekundung

  • Abschluss

  • Grußformel

An diese Struktur sollte sich im Idealfall gehalten werden. Eine Beerdigung ist ein ernster Anlass, bei dem allzu kreative und unterhaltsame Schriftstücke im Regelfall als unpassend gelten.

Die Anrede wird so formuliert, wie im echten Leben miteinander umgegangen wird. Wer die Hinterbliebenen normalerweise duzt, übernimmt diese Form auch in der Trauerkarte. Das Gleiche gilt für die förmliche Anrede. Es ist legitim auch Kosenamen zu verwenden, wenn der Kartenschreiber den Hinterbliebenen sowieso immer beim Spitznamen nennt. Enge Freunde und Familienmitglieder dürfen das.

Während die Anrede in der Regel keine große Herausforderung ist, sieht das bei der Einleitung schon anders aus. Dabei ist der Anfang eigentlich nicht kompliziert. Es kann zum Beispiel davon berichtet werden, wie einen die Nachricht vom Ableben des geliebten Menschen überhaupt erreichte. Auch die eigenen Gefühle und die tiefe Erschütterung über den Tod darf beschrieben werden.

Der Hauptteil eignet sich perfekt dafür, ein schönes Andenken an den Verstorbenen zu teilen. Es kann sich dabei eine lustige Geschichte genauso handeln, wie um eine Rührende. Entscheidend ist natürlich, dass eine respektvolle Erinnerung geteilt wird. Außerdem sollten keine negativen Gedanken über den Toten geäußert werden. Selbst wenn das Verhältnis nicht das Beste war, ist das Kondolenzschreiben kein geeigneter Platz für böse Worte. Im Hauptteil folgt schließlich auch die Beileidsbekundung.

Idealerweise wird der Abschluss möglichst optimistisch formuliert. Dabei sind unbedingt notwendig, die anfänglich erwähnten Floskeln zu vermeiden. Dagegen darf aber gerne versichert werden, dass man das ansteckende Lachen des Verstorbenen nie vergessen wird. Es kann auch Hilfe angeboten werden. Diese Offerte sollte so konkret und aufrichtig wie möglich formuliert werden. Nur, wenn man wirklich unterstützen möchte und kann, sollte man dies äußern. Worauf sich das konkrete Angebot bezieht, hängt vom Angehörigen ab. Vielleicht kann man ihm bei der Gartenarbeit, bei Einkäufen oder den Haustieren helfen.

Bevor die Unterschrift erfolgt, wird die Grußformel gesetzt. Ein stiller Gruß, eine tiefe Anteilnahme oder ein Einfaches “sei umarmt” eigenen sich gleichermaßen gut.

Optimalerweise wird der komplette Text der Trauerkarte mit der Hand geschrieben. Mittlerweile ist es aber auch gesellschaftlich akzeptiert, dass die Worte gedruckt werden. Dagegen sollte die Unterschrift immer persönlich gesetzt werden. Der Absender unterschreibt mit dem Namen, mit dem ihn der Empfänger im realen Leben anspricht.

Es ist auch möglich im Namen von zwei oder mehreren Personen eine Karte zu schicken. Dann unterschreiben entweder alle Beteiligten selbst oder man unterzeichnet im Namen der gesamten Familie.

Beileidsbekundung

Weltliche und religiöse Trauersprüche

Ein häufig genutztes Stilmittel für die Beileidsbekundung sind Zitate. Gerade bei christlichen Beerdigungen werden gerne Sprüche aus der Bibel genommen. Beliebt sind:

  • “Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen; und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz: Denn das was war, ist vergangen.” Offenbarung 21, 4

  • “Zum Paradies mögen Engel dich geleiten, die heiligen Märtyrer dich begrüßen und dich führen in die Heilige Stadt Jerusalem. Die Chöre der Engel mögen dich empfangen, und mit Christus, der für dich gestorben, soll ewiges Leben Dich erfreuen.” Hymnus“Die Liebe höret nimmer auf.” 1. Korinther 13, 8

Wer sich der Religion nicht verbunden fühlt, der findet auch eine Vielzahl an weltlichen Sprüchen, die sich perfekt für Trauerkarten eignen. Bevor aber aus dem Bauch heraus ein Vers gewählt wird, lohnen einige Vorüberlegungen. Hatte der Verstorbenen vielleicht einen speziellen Lieblingsautoren oder eine Musikgruppe, die er besonders verehrte? Möglicherweise findet sich in deren Werken eine passende Zeile, die Trost spendet. Dann wird diese gewählt. Die Angehörigen werden die Mühe erkennen, mit welcher der Spruch ausgesucht wurde.

Nachfolgend einige besonders beliebte Beispiele von weltlichen Trauersprüchen:

  •   Sie ist nun frei und unsere Tränen wünschen ihr Glück.” Johann Wolfgang v. Goethe

  • “Einschlafen dürfen, wenn man müde ist, und eine Last fallen lassen dürfen, die man lange getragen hat, das ist eine köstliche, wunderbare Sache.” Hermann Hesse

  • “Nur wenige Menschen sind wirklich lebendig und die, die es sind, sterben nie. Es zählt nicht, dass sie nicht mehr da sind. Niemand, den man wirklich liebt, ist jemals tot.” Ernest Hemingway

Der Trauerspruch kann wahlweise auf der Vorderseite oder der linken Innenseite der Karte stehen.

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