Gütersloh

Übliches Mütter-Bashing

Wissenschaftliche Armut: Eine Bertelsmann-Studie wärmt bekannte Thesen auf.

Familie versus Karriere
Kind oder Karriere? Eine Entscheidung mit finanziellen Folgen. Foto: Adobe Stock

Die Bertelsmann-Stiftung hat ein altes Fertig-Gericht aus dem Tiefkühlfach der Familienfeinde geholt und neu aufbereitet. Und die FAZ, früher eine gut bürgerliche Zeitung, die in kirchen- und gesellschaftspolitischen Fragen seit Jahren allerdings etliche Loopings dreht, gibt der Studie den Titel: „Mutter zu werden kostet Frauen ein Vermögen“. Darin wird der Einkommensverlust von Frauen mit Kind(ern) gegenüber kinderlosen Frauen geschätzt. Demnach hat sich der Einkommensverlust der Mütter in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht und zwar um rund 15 Prozent. Heute erhalten Kinderlose im Leben zwei Drittel mehr Geld als Mütter mit drei Kindern. Gleichzeitig hat sich das Einkommen von Vätern gegenüber kinderlosen Männern erhöht. Sie verdienen über das ganze Erwerbsleben gerechnet etwa 20 Prozent mehr. Was zeigt uns das? Das Bertelsmann-Elaborat ist drei Bemerkungen wert.

Politikversagen gegenüber Müttern

Erstens: Es zeigt erneut das Versagen der Politik gegenüber Müttern. Die Erwerbsbiografie von Frauen, die Mütter werden, ist seit Adenauer ein Thema. Der „Alte“ glaubte noch, dass fast alle Frauen Mütter würden. Das ist seit Mitte der sechziger Jahre nicht mehr der Fall. Seither vergrößert sich die Kluft zwischen den Erwerbsbiografien von Müttern und kinderlosen Frauen. Das Bundesverfassungsgericht hat mit mehreren Urteilen versucht, diese Kluft zu verringern und die Leistung der Mütter finanziell anzuerkennen. Die Politik ist den Urteilen aber nicht gefolgt. Nur widerwillig wurden sozusagen zur Beruhigung und medialen Zwecken im Rentensystem einige Stellschrauben gedreht, so dass eine Mutter heute etwa 15 Kinder haben müsste, um eine Rente in Höhe des Sozialhilfeniveaus zu erhalten. Beim Betreuungsgeld, das die Einkommensverluste leicht verringert hätte und übrigens in vielen europäischen Ländern in verschiedener Höhe als Anerkennung für die Erziehungsleistung gezahlt wird, ging sie vor der grünlinken politischen und medialen Gewalt in die Knie. Die Studie wiederholt jetzt das Mütter-Bashing in neuer Aufmachung.

Der ideologische Blick auf die Frau

Zweitens: Die Studie sieht die Frau als Einzelperson in einer statistischen Ausschließlichkeit, wie sie ideologischen Argumentationslinien eigen ist. Aber gerade die Leistung von Frauen und Müttern ist vor allem im gesellschaftlichen Umfeld zu sehen. Titel wie „Mutter zu werden kostet ein Vermögen“ schreckt junge Frauen natürlich ab. Niemand wird gern freiwillig arm. Die Mutterschaft aber hat eine gesellschaftliche Komponente. Es würde (und wird) die Gesellschaft sehr viel mehr Vermögen kosten, wenn es noch weniger Mütter gibt. Ohne Mütter ist der Wohlstandsverlust unaufhaltsam. Nicht nur Konsumenten und Steuerzahler werden fehlen, auch an Arbeitskräften wird Mangel herrschen, insbesondere an solchen, die Dienst und soziales Engagement verlangen. Mutterschaft ist systemrelevant in einem Ausmaß, das in Politik und Wirtschaft noch nicht einmal erahnt wird. Es ist eine Illusion zu glauben, dass diese quantitativ und qualitativ demographische Lücke durch Einwanderung ausgeglichen werden könnte.

Die Zukunft der Kinder vor Augen

Drittens: Dass Väter mehr Vermögen erwirtschaften als kinderlose Männer liegt auch an der Motivation der Väter. Sie denken an die Zukunft der Kinder und investieren in diese Zukunft. Und das gleich doppelt. Zum einen, indem sie den Verdienstausfall der Mütter auszugleichen suchen und sozusagen den Lohn für deren Erziehungsleistung erwirtschaften. Zum anderen, indem sie mit ihrer Arbeitsweise und Treue den Kindern ein Vorbild geben und den Zusammenhalt der Generationen stärken. Das könnte sich im Alter in einer Währung auszahlen, von der vermögende Individualisten noch nicht einmal träumen: Vertrauen und Liebe. Das aber ist die Währung des Lebens.

Fazit: Die Bertelsmann-Studie über den Reichtum der Kinderlosen zeugt von wissenschaftlicher Armut. Dass beim Stichwort Gender-Pay-Gap nicht einmal das Thema Leistungsgerechtigkeit für Mütter, geschweige denn die wirtschaftlichen Vorteile der Institution Ehe erwähnt werden, nährt den Verdacht, dass es sich um das Ergebnis einer Lobby-Arbeit handelt. Schade.

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