Basel

„Sackgeld ist Lehrgeld“

Über den Umgang mit Taschengeld.Fundstücke zur Erziehung, Teil II

Taschengeld
Auch in Deutschland gibt es immer wieder Diskussionen um die Angemessenheit des Taschengeldes. Foto: pixabay

Über Taschengeld sind schon viele Bücher erschienen mit noch mehr Ratschlägen. In einem Schweizer Magazin aus dem Jahr 2007 (Migros, Nr. 8) werden einige dieser Tipps aufgelistet. Viele haben allgemeinen Wert. Im folgenden Fundstück fassen wir einige zusammen. „Sackgeld“ ist übrigens das Schweizer Wort für Taschengeld.

Wachsende Begehrlichkeiten

Mit dem ersten Schultag erhalten die meisten Schulkinder auch ihr erstes Sackgeld. Am Anfang wissen sie noch nicht so recht, was sie damit anfangen sollen. Doch mit steigendem Alter wachsen auch die Begehrlichkeiten. Handy, modische T-Shirts oder Discobesuche kommen dazu. Das kann zu finanziellen Engpässen und heftigen Diskussionen mit den Eltern führen. „Recht so“, sagt die Präsidentin der Budgetberatung Schweiz, „denn Sackgeld ist Lehrgeld“.

„Das Taschengeld für die Kinder muss ja in einem Verhältnis stehen zu dem Geld, das allen Familienmitgliedern zur Verfügung steht.“

Ein solches Lehrgeld bekommt auch der zehnjährige Nico. Jede Woche gibt's vier Franken. Einen Franken pro Schuljahr, heißt die Regel, nach der seine Eltern das Sackgeld bemessen. Nicos Vater: „Die Kinder sollen sich ihre kleinen Wünsche erfüllen können und dabei lernen, das Geld einzuteilen.“ Eigentlich könne er mit dem Geld machen, was er wolle, sagt Nico. Aber wenn er immer nur Süßigkeiten kaufen würde, wären die Eltern schon dagegen. Meist spart er das Geld für Spielsachen. Die Sparvariante erfordere zwar auch Geduld, aber er könne sich zuhause durch kleine Arbeiten auch etwas dazuverdienen.

Und er hat sich eine Methode überlegt, die ihm das Sparen erleichtert. Er hat ein Sparportemonnaie, in das er drei der vier Franken legt, und ein Brauchportemonnaie, in das der vierte Franken kommt. Ein Finanzfachmann würde vielleicht von laufender Rechnung und von Investitionsrechnung sprechen. Nico sieht das so: „Wenn ich einen Kaugummi brauche, dann kaufe ich ihn von dem Geld im Brauchportemonnaie. Wenn ich einen Klonkrieger von Lego-Star-Wars haben möchte, warte ich, bis im Sparportemonnaie genug Geld ist.“

Erweitertes Sackgeld

Die 15-jährige Vanessa erhält seit einem Jahr ein sogenanntes „erweitertes Sackgeld“ von 150 Franken pro Monat. Das muss aber nicht nur für Ausgang und kleine Anschaffungen reichen, sondern auch für Kleider und Schuhe. Das Bus-Abo, Schulmaterial, die Sport-und Musikstunden sowie die Grundgebühr fürs Handy bezahlen jedoch die Eltern. Sie wissen, dass einige Jugendliche in Vanessas Umfeld mehr Taschengeld bekommen. Aber sie meinen:„Das Taschengeld für die Kinder muss ja in einem Verhältnis stehen zu dem Geld, das allen Familienmitgliedern zur Verfügung steht.“ Um ihrer Tochter beim Geldeinteilen anfangs zu helfen, ging die Mutter von Vanessa mit ihr am Ende des Monats die aufbewahrten Quittungen durch.

Vanessa legt rund 100 Franken für Kleider zurück, die restlichen 50 sind Taschengeld im engeren Sinn. Davon kauft sie kleine Geschenke, geht Schlittschuhlaufen, ins Kino oder in die Disco. Die 15 Franken für die Kinokarte sind da schon eine große Ausgabe, ein Mineralwasser oder Popcorn ist da nicht mehr drin. Auch für Kleider oder Schuhe reicht es nicht wirklich, deshalb verdient sie sich mit Babysitten etwas dazu. Einmal erlebte sie mit der Handyrechnung eine böse Überraschung. Seither hält sie eiserne Disziplin und fragt regelmäßig per SMS ihre Telefonausgaben ab. Von anderen Geld leihen will sie prinzipiell nicht.

Diszipliniert mit Geld umgehen

So diszipliniert wie Vanessa gehen viele Jugendliche nicht mit dem Geld um. Statistisch ist jeder vierte Jugendliche unter 25 Jahren verschuldet. Die Präsidentin der Budgetberatung jedoch rät Eltern davon ab, das Taschengeld aufzustocken oder Kredite zu gewähren. Die Kinder und Heranwachsenden sollten lernen, ohne Schulden auszukommen. „Geld ausgeben bedeutet Autonomie und damit ein Stück Erwachsensein“, heißt es in einer Studie von Elisa Streuli in Basel. Knappheit in der Kindheit wirke wie ein „Schutzfaktor gegen späteres unkontrolliertes Ausgeben“. Geringe Bildung und keine Einschränkung sei die Kombination, die am meisten zu Überschuldung führe. „Wer als Kind wie eine Prinzessin behandelt wird, hat später Mühe, mit dem Lehrlingslohn auszukommen.“

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