Paarbeziehung

Martin J. Emge: Als Gotteskind die Angst überwinden

Pfarrer Martin J. Emge leitet Ehepaare zum gemeinsamen Paargespräch an.
In Paarbeziehungen spielen Ängste unter der Oberfläche oft eine Rolle. Pfarrer Emge zeigt Wege, Angst mit Gott zu überwinden.
Foto: Floco Images via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | In Paarbeziehungen spielen Ängste unter der Oberfläche oft eine Rolle. Pfarrer Emge zeigt Wege, Angst mit Gott zu überwinden.

Verschiedenste Ängste, oft existentieller Art, nehmen im Leben vieler Menschen einen großen Stellenwert ein. Auch eine Ehe bleibt davon nicht verschont, weiß Schönstattpriester Pfarrer Martin J. Emge aus der Begleitung von Paaren. „Wenn die Liebe nicht mehr wie ein Feuer ist, kann es eine innere Unruhe geben, ob mich der Partner noch liebt. Bleibt er mir treu oder will er eine Jüngere? Oder die Tochter ist nach einem Streit ausgezogen – das kann Verlustangst hervorrufen.“ Zurzeit beobachtet Emge Ängste, den Glauben zu verlieren sowie Ängste um die Kirche. Viele fürchten sich vor dem Alleinsein im Alter, dem Tod und Corona. Führungskräfte mit großer beruflicher Verantwortung stehen durch die internationale Konkurrenz unter einem ungeheuren Druck und leiden unter Versagensangst. 


Schlimmstenfalls bestimmen die Ängste unser Leben, denn „wenn ich nicht mit der Angst umgehe, geht die Angst mit mir um!“ Bei James Bond ist das anders. Mitten in der Gefahr stehend kommt ihm plötzlich eine Inspiration, mit der er sich befreien kann. Es gehe darum, der Angst ins Auge zu schauen und kreativ zu werden, leitet Emge daraus ab.

Unbearbeitete Ängste können das Leben bestimmen


Dabei helfen die „Grundformen der Angst‘, ein Standardwerk der Psychologie. Nach Fritz Riemann (1902–1979) steckt in jedem Menschen eine Grundangst, auf die sich einzelne Ängste zurückführen lassen. Insgesamt gibt es vier Angsttypen, die auch in Mischungen auftreten: Der „Distanztyp“ mit dem Impuls zur Selbstwerdung hat Angst vor Selbsthingabe, Abhängigkeit und Ich-Verlust. Wegen seiner Menschenfurcht arbeitet er am liebsten alleine am Schreibtisch, etwa als distanzierter hoher Chef. Gegensätzlich dazu ist der „Nähetyp“, dessen Grundimpuls die Selbsthingabe bildet, und der aufgrund seiner Angst vor Selbstwerdung, Ungeborgenheit und Isolierung soziale Tätigkeiten liebt.  Den „Dauertyp“ kennzeichnet der Impuls zur Stabilität. Ihn führt die Angst vor Veränderung, Vergänglichkeit und Unsicherheit dazu, Ordnung zu suchen und Sicherheitsberufe wie etwa die Feuerwehr zu ergreifen. Dem „Veränderungstyp“ sind Stabilität, Endgültigkeit und Unfreiheit ein Grauen, denn er folgt dem Impuls zur Veränderung, ist gerne kreativ und oft in Waldkindergärten oder Waldorfschulen zu finden.

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Positiv gewandelt, punktet der dominante Autonomieorientierte mit Entschiedenheit, Umsetzungskraft und Zielbewusstsein, der harmoniesuchende Beziehungsorientierte mit Achtsamkeit, Freundlichkeit und Empathie, der kontrollierende Balanceorientierte mit Vorsicht, Analytik und Details und der erlebnishungrige Stimulanzorientierte mit Enthusiasmus, Kreativität und Ausdrucksstärke.
Die von Pater Josef Kentenich gepflegte Spiritualität der Kindlichkeit ist für Pfarrer Emge der Schlüssel, um mit der eigenen Angst zurechtzukommen. Ein tiefes Bewusstsein der eigenen Gotteskindschaft hat vielen Heiligen durch Ängste und Nöte hindurch das tiefe Vertrauen bewahrt, in Gottes Händen geborgen zu sein. Pfarrer Emge fasst es so zusammen: „Ich darf Kind sein vor Gott, und deswegen brauche ich keine Angst zu haben. Ich bin ein einmaliges, immer geliebtes Kind Gottes.“

Kindlichkeit vor Gott wirkt Ängsten entgegen


Kind Gottes zu sein, nimmt dem Distanztyp mit seiner Suche nach Bestätigung den Druck zu Höchstleistungen. Stattdessen darf er entdecken, was in ihm steckt. Der Hingabetyp erfährt, dass seine Kraft von Gott kommt. Die Haltung der Kindlichkeit hilft ihm, auch einmal alleine zu sein und die Kinder loszulassen. Der Dauertyp, der zum Beispiel unter Prüfungsängsten leidet, darf sich in die Hand Gottes fallen lassen, so wie die Adlermutter ihre Jungen beim Fliegenlernen mit ihren Flügeln auffängt. Der Wechseltyp schließlich genießt als Kind Gottes Narrenfreiheit: vor Gott tanzen und singen, ohne Angst vor Anpassung und Konformität.


Für das Gespräch im Paar bieten sich zwei Fragen an: 1. Welcher Typ bin ich? Wovor habe ich im Tiefsten Angst? 2. Wo haben wir als Eheteam die Angst besiegt? Wo hatten wir eine Angst, und wie sind wir durchgekommen?

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Cornelia Huber Pfarrer und Pastoren Verlustangst

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