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Für mehr Mütterlichkeit

Anmerkungen zum neuen Familien-Magazin „Sonne im Haus“.

Sonne im Haus
Den Herausgeberinnen geht es um die Selbstbehauptung und das Selbstwertgefühl von Müttern. Foto: Sonne im Haus

Eine Untergrundströmung taucht auf. Seit Jahren ist zu beobachten, wie unbemerkt vom großen Mainstream und öffentlicher Diskurse das Thema Muttersein sich neu kristallisiert und zwar als eigenständiges, nicht nur in Literatur und ideologischen Pamphleten behandeltes Thema. Es geht um Muttersein als Beruf und Berufung. War es früher fast nur Christa Meves, die die Fahne dieses Berufs und seiner Arbeit und Lebensaufgabe hochhielt und mit ihren Büchern in Millionenauflage bewies, dass hier eine medial zum Schweigen gebrachte unübersehbare Menge an Müttern das Fundament der Gesellschaft bildete, kommen seit einigen Jahren Bücher und vor allem im Netz Portale auf den Markt, die das Mutterthema in praktischer und lebensfroher Sicht betrachten. Fast könnte man sagen, hier geht die Meves-Saat auf. Aber die Mütter waren immer da, nur verdrängt von der medialen Bühne, auch von den sogenannten Leitmedien. Und auch heute gerät das Thema meist nur dann in den Focus journalistischer Aufmerksamkeit, wenn es konfliktiv gegen die bewusst Kinderlosen, zum Beispiel wegen des Klimas, ausgespielt werden kann.

Um solche ideologischen Quisquilien kümmert sich eine neue Internet-Seite für Mütter nicht. Sie heißt „Sonne im Haus“ (www.sonneimhaus.at) und will eben die positiven Seiten des Mutterseins hervorheben. Die Themen erscheinen auch als Magazin in gedruckter Form und zwar viermal im Jahr. Magazin und Webseite bieten Hilfestellungen für den Familienalltag. Es gibt Rubriken für Kinder- und Selbsterziehung mit zahlreichen Tipps. Die Rubrik „Herzensbildung“ ist den Herausgeberinnen ein besonderes Anliegen. Da heißt es: „Starke Mütter sind für uns jene, die auf ihr Herz hören und nicht auf die allgemeine Meinung; die sich nicht beeindrucken lassen von dem, was man normalerweise tut, sondern die stattdessen tun, was sie für richtig halten; und die ein sicheres Gefühl dafür haben, was für ihre Kinder gut und richtig ist. Solche Mütter ziehen wiederum Kinder groß, die der Herausforderung des Lebens gewachsen sind und die zu Erwachsenen mit Profil und Herzensbildung heranwachsen.“

Das Magazin will Müttern Rückenwind geben

Hinter solchen Worten steht eine Vision. Manuela Fletschberger und Tatjana Schnegg, die Herausgeberinnen des Magazins, wollen „Müttern Rückenwind geben und sie in ihrer Berufung stärken, damit sie für ihre Kinder stark und selbstbewusst ihrem Herzen folgen können. Basierend auf unserem christlichen Wertefundament wollen wir gemeinsam mit den Müttern das große Ganze der Mütterlichkeit neu sehen und verstehen lernen.“ Das christliche Wertefundament kommt auch bei Seminaren und Einkehrtagen zum Tragen oder auch in folgenden Sätzen aus der Zusammenfassung eines Seminars: „Fang nie an aufzuhören, hör nie auf anzufangen“ (M.T.Cicero) – Nehmen wir uns täglich Zeit fürs Gebet.“ Und: „Leben wir unsere Berufung! Lassen wir uns ergreifen von unserer Berufung, denn Gott hat uns unsere Kinder anvertraut und uns mit allen Fähigkeiten ausgestattet, die wir brauchen, um unseren Kindern eine gute Mutter zu sein. Er vertraut uns und traut uns Großes zu.“

„Mamas haben eine besondere Begabung, die leider von ihnen selbst oft unterschätzt wird.“

Die Herausgeberinnen sprechen meistens von „Mamas“ und geben damit schon den Ton an, der sie von üblichen Müttermagazinen unterscheidet. Es geht offensichtlich nicht nur um Wissen und praktische Tipps. Es geht auch durchgängig um die Selbstbehauptung und das Selbstwertgefühl von Müttern. Da heißt es: „Mamas haben eine besondere Begabung, die leider von ihnen selbst oft unterschätzt wird. Nämlich: ,Du bist genau die Richtige, um deine Kinder großzuziehen!‘ Ist das nicht wunderbar? Jeder Mama wurde vom Schöpfer alles gegeben, was sie braucht, um ihre Kinder großzuziehen. Dazu gehört auch die großartige Gabe der bedingungslosen Liebe. Lieben, ohne Wenn und Aber und ohne die großen und kleinen Fehltritte nachzutragen. Keine Liebe hier auf Erden ist so rein und so stark wie die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind, und nichts auf dieser Welt kann dieses Liebesband ersetzen. Kein anderer Mensch. Keine Institution.“ Das mag manchen als etwas zu viel an Selbstwertgefühl erscheinen. Und auch wenn Thomas von Aquin die Mutterliebe mit der Gottesliebe vergleicht („weil die Mütter mehr daran denken zu lieben als geliebt zu werden“), so ist doch fraglich, ob es nicht auch Menschen – Männer wie Frauen – gibt, deren Liebe nicht ebenso „rein und stark“ ist, vielleicht sogar noch „reiner“, weil es nicht um das eigen Fleisch und Blut geht. Man denke etwa an Mutter Teresa oder so viele Ordensschwestern und Jungfrauen überall auf der Welt, die selbstlos und unbemerkt bis zur totalen Erschöpfung Dienst an den Armen und Verlassenen üben.

Muttersein als Berufung

Dennoch, in Sachen Mütterlichkeit und Mutterliebe ist ein Zuviel an Selbstwertgefühl allemal besser als ein Zuwenig. Gerade in der Gesellschaft von heute, die das Muttersein geringschätzt und seine Bedeutung völlig verkennt. Denn es sind vor allem die Mütter, die frei nach Böckenfoerde jene berühmten Voraussetzungen schaffen, wovon Staat und Gesellschaft leben und die Staat und Gesellschaft selber nicht schaffen können. Insofern ist ein Magazin wie „Sonne im Haus“ mit Freude zu begrüßen. Es bereichert nicht nur die Mütter, sondern über sie und eine liebevolle, wertorientierte Erziehung auch die Gesellschaft. Mit den Worten der Herausgeberinnen: „Lernt eine Mama in ihre mütterliche Berufung hineinzufinden, dann stärkt das das Selbstvertrauen in die eigene Erziehungskompetenz und vor allem den Mut, ausgetretene Mainstreampfade zu verlassen und eigene mit Hausverstand gepflasterte Wege zu gehen.“ In der Tat ist es, wie es weiter heißt, „Zeit, das große Ganze der Mütterlichkeit neu zu sehen und zu verstehen!“ Sie ist die Untergrundströmung, die das Wasser des Sozialen in der Tiefe bewegt, der Mainstream bewegt nur das mediale Treibholz an der Oberfläche.

Ein Stück geistige Heimat für Mütter

Man kann der Initiative „Sonne im Haus“ aber auch aus einem anderen Grund dankbar sein. Sie gibt Müttern und die es sein wollen auch ein Stück geistige Heimat. Denn die Polarisierung, um nicht zu sagen Spaltung der Gesellschaft wird durch die Genderideologen immer schärfer und tiefer. Ideologen akzeptieren keine Argumente, so ist es auch bei Gender. Ihr Dekonstruktivismus macht vor der Natur, die seit Menschengedenken die Mutter kennt, nicht halt. Jüngstes Beispiel ist, dass in manchen Ländern der EU der Begriff Mutter oder Vater durch Eltern 1 und Eltern 2 ersetzt wird. Auch in Deutschland will die Bundesjustizministerin Christiane Lambrecht Mit-Mütter erfinden und die Löschung des Begriffs Vater vorantreiben. Das ist jedenfalls in einem Entwurf des Bundesjustizministeriums zur Reform des Abstammungsrechts vorgesehen. Mutter und Vater stören die Kreise der Gender-Ideologen, sie sollen verschwinden. Die biologische Abstammung, die Wirklichkeit, ist in der Gender-Denkweise nicht mehr maßgebend, es zählt nur noch der Wille des Einzelnen. Angesichts solcher Entwicklungen, die für Kinder und die Zukunft aller verhängnisvoll sein können, kann man nur sagen: Wir brauchen viel mehr Sonne im Haus, viel mehr solcher Magazine.

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