Düsseldorf

Im Schatten der Feministen

Männer als Opfer: Eigeninitiativen und beispielhafter Aktionsplan in Nordrhein-Westfalen.

Modellfliegen am Vatertag
Wie geht es deutschen Männern und Vätern im Schatten des Feminismus? Verschiedene Pilotprojekte gehen dieser Frage auf den Grund. Foto: dpa

Die Wirklichkeit hat es schwer im Moment. Vor allem die Wirklichkeit der Familie. Etliche Ideologien wollen sie vernichten und selbst angesehene Zeitungen wie die ZEIT sind mit von der ideologischen Partie und räumen Ideologen gegen die Familie wohlwollend Platz ein. Unter dem Deckmantel der Kapitalismuskritik propagieren sie eine „elternlose Gesellschaft“ und staatliche Fürsorgesysteme, ohne auf die Leistungen der Eltern und Familie für eben diese Gesellschaft einzugehen. Und natürlich auch ohne den Beweggrund für Familie und Solidarität zu erwähnen: die Liebe. Aber es gibt auch Bewegungen in Politik und Gesellschaft, die der Wirklichkeit Vorrang einräumen vor Wahnsinnsideen – und über die natürlich kaum berichtet wird nach dem Motto von Meinungsmachern wie in der ZEIT: Was geht uns die Wirklichkeit an? Zu diesen Bewegungen gehören auch Initiativen, die sich mit der Wirklichkeit von Vätern befassen. Sie segeln im Schatten des Feminismus. Denn Väter gehören zu den vergessenen „Kindern“ des Radikalfeminismus, der eigentlichen Mutter vieler Ideologien gegen Familie und Natur des Menschen. Diese Initiativen wollen ganz konkret die Situation von Vätern verbessern. Der Düsseldorfer Kreis zum Beispiel will Vereine und Gruppierungen vernetzen, die sich der Männer-, Väter- und Jugendamtsopferarbeit widmen. Seine Mitglieder kommen am 25. August in der Nähe von Köln zusammen. Ziel des mittlerweile fünften Treffens ist es, dass die Vereine sich untereinander besser kennenlernen und miteinander vernetzen, um gemeinsame Stärken auszubilden und sich gegenseitig zu ergänzen.

Eigener Internationaler Vatertag gefordert

Zum Netzwerk gehört zum Beispiel eine Gruppe Väter, die einen eigenen Internationalen Vatertag einführen will. Auf ihrer Internet-Seite heißt es: „Der gesetzliche Feiertag  Christi Himmelfahrt  ist nicht würdig, „Vatertag“ genannt zu werden. Wenn Väter sich mit der Kirche, trinkenden kinderlosen Männern und Jugendlichen diesen Tag teilen müssen, nimmt sie keiner ernst. Papas stellen die Hälfte aller Eltern, ihnen steht ein würdiger Platz in dieser Gesellschaft zu, an dem ihre Leistungen anerkannt, ihre Bedürfnisse und Wünsche gehört werden. Deshalb ersetzt in Deutschland seit 2012 der 3. Sonntag im Juni den alten Vatertag, wie in fast allen Ländern dieser Welt. Wir wollen nach sieben Jahren endlich den wirklichen Vatertag landesweit! Tradition für Vaterschaft und alles was damit in Verbindung steht!“ Das ist zwar ein berechtigtes, aber vergleichsweise harmloses Anliegen. Ernster wird es bei der Forderung „Den Kindern beide Eltern“. Auf der Homepage dieser Initiative wird etwa unter der Rubrik „Unterstützer“ angeboten, dass sich „betroffene Mütter, Väter, Omas und Opas sowie andere Angehörige mitsamt eines Statements vorstellen können. Wer Interesse daran hat, seine dem Thema „Den Kindern Beide Eltern“ zuträgliche Meinung offen vorzustellen, möge bitte eine Mail schicken an: info@den-kindern-beide-eltern.de. Geforderte Angaben sind: Vor- und Nachname, Wohnort oder Kreis, Foto. Es soll vermieden werden, dass der Gedanke aufkommt, es seien Fake-Statements. Daher diese Angaben.“ Nicht erlaubt sind „politische/behördliche Diskriminierungen, welche unter die Gürtellinie gehen. Manch einer wird vielleicht auch einfach nur einen Gruß an seine Kinder mit kurzem Statement veröffentlichen wollen. Warum nicht? Legt los! Immer her damit! Lasst uns öffentlich zeigen (wie auf Demos), dass wir unsere Kinder lieben und uns um sie sorgen und kümmern wollen!“

Gesetzesinitiative der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen

Ganz ernst wird es bei einer Gesetzesinitiative der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Sie baut Unterstützungsangebote für Männer auf, die von Gewalt betroffen sind. Das mag überraschen. Aber mehr als 16 Prozent der Opfer partnerschaftlicher Gewalt in NRW sind nach Angaben des Landeskriminalamtes Männer. Und die Dunkelziffer soll noch höher liegen, was wiederum nicht überrascht. Denn bei Männern liegt die Schwelle der Schmach deutlich höher als bei Frauen. Welcher Mann will schon zugeben, dass seine Frau ihn prügelt oder sexuell missbraucht? Auch die sogenannte Istanbul-Konvention des Europarates erkennt an, dass Frauen zwar in überdurchschnittlich hohem Maße Opfer häuslicher Gewalt sind, jedoch auch Männer davon betroffen sein können. Für Frauen gibt es in allen Bundesländern und auch in allen Ländern Europas Frauenhäuser oder andere Einrichtungen. Regelmäßig berichten die Medien – mit Recht – über die weiblichen Opfer häuslicher und partnerschaftlicher Gewalt. In manchen Ländern, etwa in Spanien, gehen zehntausende Frauen dafür auch auf die Straße und protestieren gegen die Untätigkeit der Regierungen. Aber über die Gewalt gegen Männer liest, hört und sieht man nichts. Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung in Nordrhein-Westfalen, meint dazu: „Gewalt gegen Männer ist auch heute ein noch oft tabuisiertes Thema in der Gesellschaft. Die nordrhein-westfälische Landesregierung erarbeitet erstmals dazu einen Landesaktionsplan.“

Beratungshotline für von Gewalt betroffene Männer

Dieser Aktionsplan ist in der Entstehungsphase. Er sieht sogenannte Unterstützungsstrukturen vor wie eine Beratungshotline für von Gewalt betroffene Männer sowie Wohnungen zum Schutze für von häuslicher oder sexualisierter Gewalt betroffene Männer. Am 26. August läuft eine Frist ab, nach der Interessenten Anträge stellen können für die Förderung von Modellen in diesem Bereich. Diese Modelle sollen dann mit Haushaltsmitteln als Pilotprojekte gefördert werden. Der Posten ist eingerichtet, aber der Bedarf ist noch nicht ermittelt. Es handelt sich um eine Erkundungsphase für Pilotprojekte. Die Laufzeit der Pilotprojekte beträgt bis zu 36 Monate. Eine Landeskoordinierungsstelle zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Männer und zur Stärkung des Opferschutzes (landeskoordinierungsstelle@mhkbg.nrw.de) funktioniert als Anlaufstelle. Es sind solche konkreten Initiativen der Solidarität und Unterstützung, die den Zusammenhalt der Gesellschaft fördern und bewirken. Denn Ideologien spalten, weil sie kompromisslos weder den gemeinsamen Nenner der Wirklichkeit (aner-)kennen, noch nach dem Allgemeinwohl der Gesellschaft suchen. Die gesellschaftliche Wirklichkeit ist komplex, ihre Keimzelle (Horrorwort für Ideologen) ist die Familie. Gerade die Kernelemente dieser Keimzelle, Mann und Frau, bedürfen beide der Unterstützung durch Gesellschaft und Politik. Schon deshalb ist die einzigartige Initiative von Nordrhein-Westfalen beachtlich und beispielhaft.