Interview

Angriff auf die Kinder?

Die Bürgerinitiative „Demo für alle“ veranstaltete am 17.04. ein online-Symposium zum Thema „Sexualpädagogik und Kindesmissbrauch“. Fragen an die Sprecherin Hedwig von Beverfoerde.

Missbrauch
Das Thema Missbrauchsprävention steht im Mittelpunkt eines Symposiums des Bündnisses „Demo für alle“. Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)

Frau von Beverfoerde, das Thema Kindesmissbrauch beschäftigt die Öffentlichkeit seit Jahren. Warum jetzt dieses Symposium?

Hedwig von Beverfoerde
Hedwig von Beverfoerde ist Sprecherin des Bündnisses „Demo für alle“. Foto: Demo für alle

Mitte 2020 ist eine bahnbrechende Studie zu einem der größten pädosexuellen Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte veröffentlicht worden. Im Zentrum steht Professor Helmut Kentler, einst gefeierter Begründer und Schlüsselfigur der heutigen Sexualpädagogik. Gemeinsam mit Berliner Jugendämtern hatte Kentler in einem sozialpädagogischen „Experiment“ über 30 Jahre lang Jungen in die Obhut von pädophilen Pflegevätern gegeben, die diese sexuell missbrauchten und quälten. Obwohl dieser Skandal bereits in den 90er Jahren bekannt geworden war, wurde erst durch die aktuellen Studien öffentlich Kritik an Kentler und seinen kriminellen Machenschaften geübt. Was aber bis heute fehlt, ist eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den zugehörigen sexualpädagogischen Thesen und Ideen Kentlers, die ungebrochen in der heute vorherrschenden Sexualpädagogik gelehrt und angewandt werden. Dem will das Symposium abhelfen.

Wie soll das geschehen, worum geht es im Einzelnen?

Wir kommen mit diesem Symposium zu einem neuralgischen Punkt in der gesamten Sexualerziehungsproblematik: der sogenannten Missbrauchsprävention. Diese ist nach zahlreichen Missbrauchsskandalen heute ein riesiges Thema in öffentlichen Einrichtungen und Kirche. In Schulen und Kitas finden aber im Namen von Missbrauchsprävention teilweise verstörende und schamverletzende Unterrichtsmethoden und Veranstaltungen, auch Theaterstücke, statt. Eltern wagen oft nicht, sich zum Schutz ihrer Kinder dagegen zu wehren, um nicht prüde oder gar verdächtig zu erscheinen. Die Problematik reicht aber noch tiefer: Die vorherrschende Sexualpädagogik nimmt insgesamt für sich in Anspruch, durch diese frühe weitgehende Aufklärung Kinder quasi systemisch gegen Missbrauchsversuche zu wappnen. Und genau hier setzt die messerscharfe Kritik der Sexualwissenschaftlerin Karla Etschenberg an. Sie hat zur Wirkweise der „sexuellen Bildung“ als „Missbrauchsprävention“ spektakuläre neue Erkenntnisse gewonnen, über die sie erstmalig bei unserem Symposium minutiös referieren wird.

Wie sieht das weitere Programm aus?

Ja, wir haben wirklich spannende Referenten! Den Auftakt macht Albert Sellner, Publizist, Buchhändler und bekehrter ehemaliger Marxist und Sponti, der die sexuelle Revolution der 68er Zeit hautnah mit durchlebt hat. Er beleuchtet in seinem Vortrag anschaulich den zeitlichen Hintergrund, auf dem ein Helmut Kentler seine sexualpädagogische „Schule“ aufbauen konnte. Der Psychiater und Psychotherapeut Christian Spaemann wird sich dann aus praktischer Sicht mit kindgerechten Alternativen auseinandersetzen. Aus Österreich wird uns anschließend die forensische Psychiaterin und Gerichtsgutachterin Adelheid Kastner zugeschaltet. Sie hat seinerzeit den Missbrauchstäter Josef Fritzl begutachtet, der seine Tochter 24 Jahre lang im Keller gefangen hielt und mit ihr 7 Kinder zeugte. In einem Interview werde ich sie über Motive, Denkweisen und Strategien von Kindesmissbrauchstätern befragen. Von besonderem Interesse dürfte ihre Einschätzung sein, ob und inwieweit gängige Methoden der Sexualpädagogik Tätern Übergriffe erschweren oder erleichtern. Schließlich folgt die Psychologin und Therapeutin Tabea Freitag mit einem vielversprechenden Vortrag über Missbrauch durch Pornografie und ihre Befürworter.

Gibt es angesichts so viel düsterer Realität auch Grund zur Hoffnung?

Allerdings. Und das wird beim Symposium auch zur Sprache kommen. Gilla Frank von WertevollWachsen e.V. stellt uns ein großartiges Programm für „Wertevolle Sexualerziehung im ganzheitlichen Kontext“ vor und dann wird Phil Poeschl die Arbeit seiner Organisation „Safersurfing“ präsentieren, die Eltern hilft, ihr Kind vor Pornografie zu schützen und auch konkrete Hilfen zum Ausstieg aus der Pornografiesucht bietet.

Und die Politik?

Allgemein lässt sich sagen, die Politik von der CSU bis zur Linke in Sachen Sexualpädagogik seit Jahrzehnten nahezu unisono Ausnahmen bestätigen die Regel. Wir haben 2014 unser Aktionsbündnis gegründet, um durch koordinierte Aktionen mit Bürgern auf der Straße, im Netz oder per Telefon gezielten Druck auf Abgeordnete für Ehe und Familie auszuüben. Das ist mühsam, aber wirkungsvoll.

Was können Eltern, was muss die Schule tun, was können Kirche oder Vereine leisten?

Eltern sollten sich in Kita und Schule ihrer Kinder genau informieren, was dort in Sachen Sexualpädagogik und Missbrauchsprävention geplant ist und falls nötig im persönlichen Gespräch mit den verantwortlichen Pädagogen Einwände machen. Hilfreich ist es, sich dazu gleichgesinnte andere Eltern zu suchen. Gemeinsam lässt sich oft manches abwenden. Um ihr Kind wirksam vor Missbrauch zu schützen, ist eine gute Eltern-Kind-Bindung und -Beziehung das A und O. Es ist ja ureigenste Aufgabe von Eltern, ihr Kind vor möglichen Gefahren zu blind hinter einer vorgegebenen links-ideologischen Agenda hertrabt. Vereinzelte warnen. Sie kennen ihr Kind am besten und können dies auf sensible Weise tun und dem Kind dabei die Sicherheit geben, dass es sich ihnen immer anvertrauen kann. Dabei ist es gerade nicht nötig, explizit sexuelle Details zu beschreiben. Wichtig ist, dass Eltern aufmerksam bleiben für das Verhalten ihres Kindes. Manchmal ist behutsames Nachfragen notwendig. Das gilt auch für Schule, Kirche, Vereine etc. Alle sind gehalten, Gelegenheiten, die sexuellen Missbrauch ermöglichen, zu vermeiden. Die Schule sollte grundsätzlich keine externen Lobbygruppen oder Organisationen, wie pro familia zulassen, um sexualpädagogische Unterrichtseinheiten zu übernehmen. Schamverletzende Inhalte und Methoden sind ein Angriff auf die Kinder.

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