Stuttgart

„Liebe und Glück lassen sich nicht umverteilen“

Das Aktionsbündnis für Ehe & Familie – „Demo für alle“ hat für den 15. Februar zu einem Symposium in Stuttgart geladen. Unter dem Titel „Familie am Abgrund – Ursachen und Auswege“ geht es um grundsätzliche Fragen, die in der Berliner Politik kaum noch gestellt werden. Ein Interview mit der Sprecherin des Bündnisses, Hedwig von Beverfoerde.

Hedwig von Beverfoerde
Die Sprecherin des Aktionsbündnisses: Hedwig von Beverfoerde. Foto: Dfa

Frau von Beverfoerde, warum dieses Symposium? Die Familien bekommen doch Transferleistungen, gelegentlich auch Anerkennung. Und die grundsätzlichen Fragen sind für viele geklärt.

Ja, aber nicht für die Familien. Es vergeht doch kaum eine Woche ohne einen haarsträubenden Vorschlag aus Politik, Medien oder aus der LSBT-Lobby, um die Familien mindestens indirekt noch weiter in ihrer Freiheit einzuschränken. Woher kommt diese Familienfeindlichkeit? Welche Mechanismen wirken hier? Wie könnte eine gute Familienpolitik aussehen? Und was kann jeder Einzelne für die Familie tun? Das sind die Fragen, die unser Symposium beantworten will.

Wie wollen Sie solch ein weites Spektrum abdecken?

Das hängt von den Referenten ab und da bin ich sehr zuversichtlich. Der in Frankreich lehrende Ökonom Professor Jörg Guido Hülsmann wird zeigen, wie der Staat die Familien zerstört, indem er sie stranguliert. Der Neurowissenschaftler und Psychotherapeut Professor Raphael M. Bonelli, der in Wien lehrt und praktiziert, wird erläutern, wie Familie funktioniert, was ihr hilft und was ihr schadet.

Und über die Zersetzung von Familien in der DDR referiert der Historiker Hubertus Knabe. Außerdem lernen die Teilnehmer von dem Lebens- und Familienrechler aus Dr. Imre Téglásy aus Ungarn ein aktuelles Beispiel konstruktiver Familienpolitik kennen. Dass die Referenten fast alle aus dem Ausland kommen, wirft übrigens ein bezeichnendes Licht auf die Diskussionskultur in diesem Land, vielleicht auch auf den Zustand der Meinungsfreiheit im Bereich von Ehe und Familie.

Rechnen Sie wieder mit Demonstrationen und Anfeindungen?

Ja. Deshalb wird die genaue Adresse den gemeldeten Teilnehmern auch erst kurz vor der Tagung bekannt gegeben. Polizei wird aber vor Ort sein und das Symposium abschirmen.

Wer sind die Gegner?

Seit Jahrzehnten kämpfen die Linken und ihre medialen Hilfstruppen im vorpolitischen Raum gegen Ehe und Familie und setzen ihre Themen dann auf der politischen Ebene in einer Art Salami-Taktik durch. Jedes Salamischeibchen wird dabei als unverzichtbar, als zeitgemäß und zukunftsorientiert verkauft. Das ist Teil des seit Jahren relativ lautlos ablaufenden Kulturkampfes. Viele Menschen haben keine Vorstellung davon, wie heftig Familie bekämpft wird, andere haben längst resigniert oder sich an die Gängelungen gewöhnt. Deshalb wollen wir diese Strategie mit Fakten offenlegen und der Öffentlichkeit bewusst machen. Das geht nicht ohne einschlägige Wissenschaft, auch wenn in vielen Parteien und Redaktionen man heute nicht mehr so viel Wert legt auf Empirie und Fakten.

„Überall will man zur Natur zurück, nur bei der Familie nicht. Ständig predigen Politiker über
Nachhaltigkeit, nur bei den ur-natürlichen Beziehungen nicht. Allerorten höre ich das
Schlagwort ,regenerativ', nur beim Menschen und der Familie nicht.“
Hedwig von Beverfoerde

Also ein Symposium mit Volkshochschulcharakter?

Das wäre zu kurz gegriffen. Dafür reicht es, Bücher zu lesen. Es geht auch um ein Signal an die schweigende Mehrheit in diesem Land. Bedenken Sie: Mehr als zwei Drittel aller Paare lebt in Ehe und drei von vier Kindern leben mit ihren beiden leiblichen und verheirateten Eltern. Das Signal an diese Mehrheit heißt: Wir stehen am Abgrund, keinen Schritt weiter, bitte. Lasst Euch nicht schubsen. Und es geht auch darum, den Teilnehmern konkrete Hinweise zu geben, was Familien heute tun können. Mit diesen Informationen und Argumenten und einem neuen Selbstbewusstsein ausgerüstet, können immer mehr Bürger zu Verteidigern der Familie werden und sich im Kulturkampf gegen die zerstörerischen Ideologien zur Wehr setzen.

Nochmal zu den Gegnern: Wieviel Ideologie steckt in ihnen? Kann es nicht auch Pragmatismus sein? Immerhin sind es sozialdemokratische Minister, die die Kindergrundsicherung durchgesetzt haben.

Bei der sogenannten Kindergrundsicherung geht es um die Sprengung des bewährten Systems von Freibeträgen und Kindergeld, was sich unter anderem gegen Mittelschichtfamilien richtet. Meist verbergen sich hinter den schönen Worten handfeste Attacken auf die Grundrechte der Familie, etwa bei den sogenannten „Kinderrechten“, die als Einfallstor zur staatlichen Aushebelung des Erziehungsrechts der Eltern konzipiert sind.

Diese Beispiele zeigen, dass die politische Linke von jeher ein tiefsitzendes Problem mit der Institution Familie hat, und zwar in Theorie und Praxis. Sie will Familien zu Gleichen unter Gleichen machen, notfalls auch mit Gewalt, wie in den kommunistischen Diktaturen, oder mit wirtschaftlichem und medialem Druck in den noch freien Demokratien. Das lässt sich leicht mit Zitaten belegen, nicht nur von Marx oder den frühen Sozialisten, sondern auch von zeitgenössischen Denkern und heutigen Politikern.

Was setzen Sie diesen Ideologen entgegen?

Die Familie als naturrechtliche Institution. Diese von Gott begründete Institution basiert auf der Anziehung von Mann und Frau und den Notwendigkeiten von Zeugung, Versorgung und Erziehung der Kinder. Das war in der ganzen Menschheitsgeschichte so. Innerhalb dieser Ordnung bringt die Familie unterschiedlichste Menschen hervor. Sie bildet eine universale Keimzelle der menschlichen Gesellschaftsordnungen, gegen die sich die Linke auflehnt und zur Revolution ruft.

Die Familie ist die Grundeinheit von Staat und Gesellschaft. Ihre Zerlegung erlaubt aus Sicht der Linken eine neue Zusammensetzung der Bestandteile in andere Konstrukte. Leider sind auch die C-Parteien den Linken hier auf den Leim gegangen, indem ihre Familienpolitik sich noch unter Kohl, aber dann rasant unter Merkel, zur Familienmitgliederpolitik entwickelt hat. Es ist schon komisch: Überall will man zur Natur zurück, nur bei der Familie nicht. Ständig predigen Politiker über Nachhaltigkeit, nur bei den ur-natürlichen Beziehungen nicht. Allerorten höre ich das Schlagwort „regenerativ“, nur beim Menschen und der Familie nicht.

Was ist denn Ihrer Meinung nach die Energiequelle der Familie?

Es ist ein einfaches Prinzip, das die familiäre Ordnung erzeugt, belebt und den linken Begehrlichkeiten entgegensteht: die Liebe. Liebe hebt heraus, privilegiert, bevorzugt. Aus Liebe zu ihrem Partner und zu ihren Kindern strengen sich Menschen besonders an, bringen sie Opfer, sammeln und vererben sie Besitz und Wissen, schenken sie einander Glück und Geborgenheit. Liebe und Familienglück lassen sich aber nicht umverteilen.

Warum sollten die Feinde der Familie, die sie in den Abgrund stoßen wollen, ihr dieses Glück nicht gönnen?

Weil sie neidisch sind. Es heißt, der Neid sei das Laster, das dem linken Denken wie kein anderes zugrunde liege. Dem Neid geht es nicht um das Glück für alle, nicht einmal primär um den eigenen Gewinn. Er zielt in erster Linie auf die Vernichtung des Glücks des anderen und zieht daraus die eigene Befriedigung. Sein letztes Ziel erreicht er, sagt Wolfgang Sofsky, wenn es nichts mehr gibt, worum man den anderen beneiden könnte. Und genau so wirken die von linken Denkern hervorgebrachten Ansichten zur Familie. Wir wollen das auf dem Symposium analysieren, aber auch aufzeigen, wie die Familie sich wehren, ihre Freiheit verteidigen, die Liebe leben und so auch ihr Glück finden kann.

Alle Informationen zu Vorträgen, Referenten und Anmeldung finden sich unter www.familie-am-abgrund.de

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