Wald

Heimschule Kloster Wald: Mit Kopf, Herz und Hand

Tradition, Glaube und ein breites Bildungsangebot: Die Mädchenschule „Kloster Wald“ bietet in christlicher Umgebung eine einzigartige Kombination von gymnasialer Oberstufe und handwerklicher Ausbildung.

Heimschule Kloster Wald
Heimschule Kloster Wald: Lern- und Lebensort. Foto: Fotos: Käflein/Heimschule Kloster Wald

Schwester Herrads Augen leuchten immer noch, wenn Sie über das Internat spricht. Fast 50 Jahre hat sie unzählige Schülerinnen der „Heimschule Kloster Wald“ unterrichtet – mit einer Leidenschaft, die die mittlerweile über 80-Jährige auch heute noch jugendlich wirken lässt. Jetzt ist Schwester Herrad nur noch an der Pforte für den Schul- und Internatsbetrieb in Wald tätig. Vor kurzem war die Benediktinerin jedoch auf Wunsch der Schülerinnen für eine Doppelstunde im Unterricht der 8. und 9. Jahrgangsstufe zu Gast. Und die Mädchen haben ihr „Löcher in den Bauch gefragt“.

Tradition spielt in der Heimschule Kloster Wald eine wichtige Rolle

Auch Rita Schmid, die Internatsleiterin von „Kloster Wald“ bestätigt, dass die vier Schwestern, die noch im Internatskomplex leben, für die Mädchen etwas ganz Besonderes sind. Ursprünglich war die Heimschule nach ihrer Gründung 1946 komplett von den Benediktinerinnen geführt worden. 1994 ist sie in die Trägerschaft der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg übergegangen.

Tradition spielt – für die Kinder und Jugendlichen selbst ebenso wie für die Eltern und die Erzieherinnen – auch heute noch eine wichtige Rolle in „Kloster Wald“, so Rita Schmid. Viele fühlen sich auch lange über ihre Internatszeit hinaus eng mit der Schule verbunden. Regelmäßig gibt es Treffen der sogenannten „Urwälderinnen“, seit einiger Zeit auch Vorträge von erfolgreichen Ehemaligen, die den Schülerinnen von ihrer Geschichte und ihrem Weg erzählen. Auch das Gebäude selbst erzählt von einer reichen Tradition. 1212 wurde das Kloster Wald von Burkhard von Weckenstein als Zisterzienserinnenkloster gegründet. Im Laufe der Jahrhunderte ist der Komplex stetig gewachsen. Knarzende Holzdielen, mächtiges altes Gebälk, zarter Stuck an den Decken – und dazwischen die vielen Jugendlichen – geben dem verwinkelten Bau heute eine ganz eigene Atmosphäre.

„Schule ist mehr als nur Unterricht.“
Hartwig Hils, Schulleiter

Zurzeit leben rund 100 Mädchen im Internat, dazu kommen etwa 400 externe Schülerinnen. Von der 4. Klasse bis zum Abitur nach der 12. Klasse bietet „Kloster Wald“ ein bewusst ganzheitliches und umfassendes Bildungsprogramm, das nicht nur den „Kopf“, sondern im Sinne Pestalozzis auch „Herz“ und „Hand“ berücksichtigt. „Schule ist mehr als nur Unterricht“, meint auch Schulleiter Hartwig Hils.

Neben einer Vielzahl an sportlichen Aktivitäten – darunter Reiten, Segeln und Golf – und musikalischen Angeboten – die Schülerinnen können einen vokalen oder instrumentalen Schwerpunkt wählen – ist es vor allem die fast einzigartige Kombination von gymnasialer Oberstufe und handwerklicher Ausbildung, die Kloster Wald auszeichnet. Ab der 9. Klasse erhalten die Schülerinnen ergänzend zum Schulunterricht eine professionelle Werkstattausbildung, die ein halbes Jahr nach dem Abitur mit der Gesellenprüfung abgeschlossen wird. Die Mädchen können sich dabei zwischen den Berufen Maßschneider, Schreiner und Holzbildhauer entscheiden.

Gleichzeitig wird auch auf die Persönlichkeitsentwicklung der Mädchen großen Wert gelegt. Die Schülerinnen sollen hier die Gelegenheit bekommen, sich zu selbstbewussten, selbstständigen und verantwortungsvollen Erwachsenen zu entwickeln. Nicht nur die Gemeinschaft ist dabei wichtig, die Aufmerksamkeit soll jeder Einzelnen gelten, vor allem auch den „Stillen, Leisen“, betont Internatsleiterin Schmid. „Darum geht es mir: dass man kein Mädchen aus dem Blick verliert.“

Kein Mädchen aus dem Blick verlieren

„Kloster Wald“ scheint auch damit dem eigenen Anspruch, nicht nur eine Schule, sondern ein Zuhause zu sein, gerecht zu werden. Im Speisesaal herrscht zur Mittagszeit reges Leben. Hier sitzen die Mädchen plaudernd in Gruppen an den Tischen, dazwischen Schul- und Heimleitung, Sekretärinnen und die Hausangestellten, die oft selbst dem Internat schon sehr lange verbunden sind. Es ist eine trotz der Größe fast familiäre Gemeinschaft. Auch die Zimmer der Mädchen – sie wohnen zu zweit, die älteren meist allein – und die kleinen Gemeinschaftsküchen und -räume wirken heimelig.

Werbung hat die Heimschule bisher nicht wirklich gemacht. Die Schülerinnen kommen entweder aus der Umgebung oder haben über persönliche Bekannte und Empfehlungen von „Kloster Wald“ erfahren. Auch einige Gastschülerinnen aus dem Ausland gibt es meist, aktuell etwa aus Südkorea, China und Spanien. Rita Schmid, die die Internatsleitung erst vor einem Jahr übernommen hat, will jetzt zwar stärker öffentlich Präsenz zeigen, konkret werben jedoch nicht. Wichtig sei vor allem, „dass die Passung stimmt“. Wenn das der Fall ist, kann über die Lioba-Stiftung auch, wenn nötig, finanzielle Entlastung für die Eltern geschaffen werden.

„Christliche Werte leben und weitergeben, ohne Missionierung.“
Rita Schmid, die Internatsleiterin

Wesentlich für das Profil von „Kloster Wald“ ist die christliche Prägung der Heimschule. Die Konfession der Mädchen ist kein ausschließendes Aufnahmekriterium, der Besuch des evangelischen oder katholischen Religionsunterrichts jedoch verpflichtend. Zudem muss einmal in der Woche ein Gottesdienst besucht werden. In der Regel finden Samstagabends oder sonntags im Wechsel ein Wortgottesdienst oder eine Eucharistiefeier statt. „Christliche Werte leben und weitergeben, ohne Missionierung“, so fasst Rita Schmid die religiöse Erziehung in Kloster Wald zusammen. Der christliche Glaube sollte den Schülerinnen vor allem durch Authentizität des Personals und die eigene Haltung vermittelt werden. Vielleicht haben gerade deshalb die Schwestern eine so hohe Anziehungskraft auf die Schülerinnen.

Bildungs-Spezial

Nicht erst seit „Friday's for future“ ist Ganzheitlichkeit zum Megathema junger Menschen geworden, die sich um die Zukunft ihres Planten sorgen. Mit der Forderung nach einem neuen Lebensstil stellte Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si“ das Thema in einen weiten theologischen und anthropologischen Kontext und fordert eine „ganzheitliche Ökologie“, die die geistliche, geistige und kulturelle Dimension mit einschließt – gerade in der Bildung und Erziehung junger Menschen. Dabei tut sich in Deutschland die Bildungslandschaft und das jugendpastorale Angebot der Diözesen schwer mit überzeugenden katholischen Antworten auf die pädagogischen und geistlichen Herausforderungen der jungen Menschen und ihrer Fragen.

Doch bieten der katholische Glaube, christliche Sozialethik und eine theologisch fundierte Anthropologie jungen Menschen ein Mehr an Orientierung, Sinn und Kultur, als es eine zunehmend orientierungslose und materialistische Gesellschaft zu geben vermag.

Die „Tagespost“ möchte in diesem „Bildungs-Spezial“ zwei Internate vorstellen, denen die ganzheitliche Erziehung im Sinne echter Herzensbildung und zum Wahren, Guten und Schönen ein wichtiges Anliegen ist.

Während im Collegium Musicum die musikalische Bildung im Vordergrund steht, ermöglicht die Heimschule Kloster Wald schulbegleitend eine handwerkliche Ausbildung.

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