Würzburg

Die Philosophie des Wanderns

Die Sommerzeit hat begonnen und damit die neue Lust am Wandern. Der Kulturjournalist Björn Hayer wirft einen Blick auf die literarische Dimension dieses Trends.

Ein Wanderer
Die Corona geplagte Gesellschaft sehnt sich nach der Weite, die das Wandern verspricht.

„Hinein in die Landschaft, immer tiefer in das dichte Grün, zu abseitigen Lichtungen oder verborgenen Bächen. Wer sich in die Natur begibt, der verliert sich – eine Erfahrung, die mithin Dante Alighieris Menschheitswerk „Die göttliche Komödie“ einleitet: „Als unseres Lebens Mitte ich erklomm, / Befand ich mich in einem dunklen Wald, / Da ich vom rechten Wege abgekommen.“ Zwar führt der Irrweg den Dichter direkt in die Hölle, doch am Ende der Reise steht bekanntlich sein Eintritt ins Paradies, geleitet von seiner geliebten Beatrice.

Die Sehnsucht einer Corona gebeutelten Gesellschaft 

Selbst wenn nicht jede Wanderung diese Erlösung bereithält, eröffnet sie doch stets neue Räume, und zwar nicht nur geografische. Allein das weckt die Sehnsüchte einer von Corona gebeutelten Gesellschaft. Im Lockdown macht sich das Gefühl von Enge breit. Und die Nähe birgt Gefahr, weswegen Feld- und Waldwege, Gebirge und Seen derzeit eine gute Alternative zur herbstbluesigen Häuslichkeit und Isolation bieten. Dass das Wandern uns jenseits schöner Fotokulissen sogar eine kleine Philosophie vermitteln kann und darüber hinaus ins Politische übergreift, lässt sich intensiv in der Literatur studieren.“

Wandern hat einen politischen Aspekt

Tatsächlich ist Wandern nicht unpolitisch. „Gerade in einer Epoche der planetaren Naturkrise bringt jeder Schritt in der Landschaft eine ethische Dimension mit sich. Welchen ökologischen Fußabdruck lassen wir dort konkret? Sehen wir uns als Herrscher oder Besucher des Waldes? Die Erfahrung einer Landschaft stößt somit sehr grundsätzliche Überlegungen an und geht weit über die Ablenkung vom Alltag hinaus.“ DT/bha

Die Sommerzeit hat begonnen – und damit die neue Lust am Wandern. Der Kulturjournalist Björn Hayer wirft einen Blick auf die literarische Dimension dieses Trends.

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