Hochschule

„Theologie anziehender gestalten“

In der Kölner Hochschule für Katholische Theologie beginnt das Sommersemester pandemiebedingt zwar digital, aber Rektor Christoph Ohly ist vom neuen Standort überzeugt – gerade mit Blick auf mögliche Kooperationen.

KHKT
Nach der Corona Pandemie freuen sich Studentinnen und Studenten auf Präsenzveranstaltungen am neuen Standort der KHKT in Köln Lindenthal. Foto: Simon Lehmann

Herr Professor Ohly, wie sieht der Lehrbetrieb zu Semesterbeginn in den neuen Räumlichkeiten in Lindenthal aus?

Ich bin wirklich froh, dass wir zum April in ein wunderbares Gebäude in Köln-Lindenthal ziehen konnten. Die Räumlichkeiten sind hell, modern und auf der Höhe der Zeit, gerade auch auf Grund der digitalen Ausstattung. Ich bin sicher, dass die Studierenden beste Voraussetzungen vorfinden! Außerdem sind mit diesem Gebäude die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um die Hochschule in den nächsten Jahren wachsen zu lassen.

Angesichts der aktuellen Vorgaben ist es gut, dass wir die Voraussetzungen für die digitale Lehre so gründlich angegangen sind. Denn leider wird auch dieses Semester vorerst digital stattfinden müssen. Das ist schade, da nicht nur Begegnung und Austausch zwischen Studierenden, sondern auch zwischen Studierenden und Lehrenden nicht so lebendig wie gewohnt stattfinden können. Mit unseren Räumlichkeiten haben wir darüber hinaus die Voraussetzungen für die Begegnungen mit den Menschen vor Ort geschaffen. Hier nenne ich nur unsere Cafeteria, die auch für Nichtmitglieder der Hochschule zugänglich sein soll, und unseren akustisch hervorragenden Musiksaal. Mit all dem kann es uns hier gelingen, Theologie wieder weitreichender und anziehender zu gestalten und zu lehren. Ich hoffe daher sehr, dass es möglichst bald wieder Öffnungen und sobald wie möglich wieder Präsenzveranstaltungen oder aber Hybridveranstaltungen geben kann.

Bis wann entscheiden sich die Lehrstuhlbesetzungen?

Mit Professor Elmar Nass haben wir bereits für den Bereich der „Christlichen Sozialwissenschaften und gesellschaftlicher Dialog“ einen neuen Kollegen gewinnen können, der genau die Interdisziplinarität verkörpert, die wir mit der KHKT anstreben. Dies gilt auch für die zwei weiteren Kollegen, die schon zum Sommersemester die KHKT verstärken werden: Dr. Tobias Häner für den Lehrstuhl „Einleitung und Exegese des Alten Testaments, einschließlich Dialog mit den Kulturen des Vorderen Orients“ und Dr. Manuel Schlögl für den Lehrstuhl „Dogmatik und ökumenischer Dialog“. Ein weiterer Kollege kann dann hoffentlich noch im Sommersemester dazukommen und ein weiteres Berufungsverfahren läuft noch.

Wie sehen Sie das Zusammenspiel mit der Bonner Fakultät?

An der Bonner Fakultät passiert gerade viel und das ist gut! Wie jede Wissenschaft lebt auch die Theologie vom Austausch unter Kollegen und Studierenden und deshalb begreife ich die Vielgestaltigkeit wissenschaftlicher Lehre als einen enormen Gewinn für das Erzbistum Köln. Ich halte es persönlich für eine starke Entscheidung des Kölner Erzbischofs, dass er in seiner Erzdiözese einen generellen Fokus auf Bildung und speziell auf den Erhalt der Vielfalt der wissenschaftlichen Lehre und der beiden Ausbildungsstandorte gelegt hat. Gerade mit der Weiterentwicklung der Hochschule und dem neuen Standort haben wir die Chance, eine Vielgestaltigkeit der Theologie als wissenschaftliche Lehre sowie neue Formen der Kooperationen zu ermöglichen.

Von welcher Seite aus wird Ihnen Interesse aus Studentenkreisen signalisiert?

Ich freue mich darüber, dass wir in diesem ersten „echten“ Semester in neuer Trägerschaft aus dem Stand um rund zehn Prozent wachsen. Und das zum Sommersemester, obwohl der Studienbeginn regulär immer erst zum Wintersemester erfolgt. Wir haben Einschreibungen für alle drei angebotenen Abschlüsse vorliegen, darunter auch Studierende aus dem Ausland. Als Rektor führe ich alle Bewerbungsgespräche selbst und freue mich sehr über diese Nachfrage und über die ganz verschiedenen jungen Menschen, die zu uns kommen wollen. Die meisten von ihnen erwähnten, dass sie der neue Standort angezogen hat. Daneben waren sie ebenso von der internationalen Ausrichtung der Hochschule sowie der Idee und dem Mut begeistert, trotz der aktuell sinkenden Studierendenanzahl innerhalb der Theologie und der gesellschaftlichen und kirchlichen Veränderungen etwas wirklich Neues zu wagen. So versuchen wir, allen jungen Menschen ein ansprechendes Angebot zu unterbreiten und zudem die Voraussetzungen zu schaffen, jungen Menschen aus dem Ausland – zum Beispiel auch mit guten Sprachangeboten – ein gutes Studium zu ermöglichen. Das war schon in Sankt Augustin gute Tradition und wir führen diese fort.

Welche interdisziplinären Chancen versprechen Sie sich vom neuen Standort?

Der Wissenschaftsstandort Köln hat auf allen Ebenen enormes Kooperationspotenzial zu bieten. Von der Universität bis zur privaten Hochschule, von der Medizin über Technik bis zur Kommunikationswissenschaft. Wir werden vielfältige Kooperationsgespräche führen, auch weil wir gerne unterschiedliche Disziplinen in unseren Lehrbetrieb integrieren möchten. Das Thema „Ethik“ beispielsweise spielt dabei nicht nur innerhalb der verschiedenen theologischen Disziplinen, sondern auch in den unterschiedlichsten Wissenschaften wie der Medizin eine zentrale Rolle. Denken wir allein an die Fragen rund um das Thema „Organspende“, an die „Künstliche Intelligenz“ mit einem dauerhaften Ersatz von Menschen in entscheidenden Lebensprozessen und vieles andere mehr. Ohne ein ethisches Fundament – und dazu zähle ich auch und gerade den genuin theologischen Beitrag – können hier keine verantwortlichen und letztlich legitimen Lösungen gefunden werden.

Auch unser erstes Projekt – eine öffentliche Ringvorlesung zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ – wird unterschiedliche Disziplinen zusammenbringen: Wissenschaft, Literatur, Kultur, Geschichte. Zum Abschluss der Ringvorlesung wird im September auch eine Feier rund um die Hochschule stattfinden, die unter dem Motto „Nachbarschaft, Freundschaft, Austausch“ stehen wird, in diesem Fall im Hinblick auf unsere jüdischen Geschwister und die Nachbarn vor Ort. Damit wollen wir unserem Anspruch gerecht werden, mit der Gesellschaft in Kontakt zu treten und in diese hineinzuwirken, auch auf der kulturellen bzw. interreligiösen Ebene.

Ist der Umzug auch mit einer inhaltlichen Weiterentwicklung verbunden?

Ein klares Ja. Mit dem Wechsel nach Köln haben wir sowohl lokal als auch technisch alle Voraussetzungen geschaffen, um neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Wir denken dafür über vieles nach: weitere Qualifikationsangebote über das reine Vollstudium hinaus, interdisziplinäre Projekte oder auch Angebote, die auf eine Theologie neugierig machen, die auch nach außen anziehend wirkt und die dabei immer wieder auf den Ursprung, auf Gott selbst, verweist und aufmerksam macht. Wir möchten dafür auch unseren Magisterstudiengang etwas verändern, um Raum zu schaffen für solche Projekte und Weiterentwicklungen.

Ich bin jedenfalls dankbar und auch ein bisschen stolz auf das, was seit dem Trägerwechsel in kurzer Zeit möglich geworden ist. Und ich freue mich sehr, mit unseren Studierenden und den Kolleginnen und Kollegen die nächsten Schritte zu gehen.

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