Mainz

Schüler wollen konfessionellen Religionsunterricht abschaffen

Die Landesschülervertretung Rheinland Pfalz will, dass die Verfassung des Bundeslandes geändert wird, um den konfessionsgebundenen Religionsunterricht abzuschaffen.

Rheinland-Pfalz: Abschaffung des konfessionellen Reliunterrichts gefordert
Die LSV fordert ein neues Schulfach, das "objektiv über verschiedene Glaubensrichtungen, Weltanschauungen, Religionskritiken und Ethik“ aufklären und den Schülern „fundierte, aber auch reflektierte Möglichkeiten der eigenen Glaubensfindung“ bieten soll. Foto: Peter Steffen (dpa)

Die Landesschülervertretung Rheinland-Pfalz (LSV) fordert eine Abschaffung des konfessionsgebundenen Religionsunterrichts. Anders als zunächst gedacht sei dazu keine Änderung des Grundgesetzes nötig, sondern lediglich eine Änderung der Landesverfassung. Zu diesem Schluss sei das Institut für Weltanschauungsrecht gekommen, heißt es in einer Mitteilung der LSV.

"Die öffentlichen Grund-, Haupt- und
Sonderschulen sind christliche Gemeinschaftsschulen"
Landesverfassung Rheinland-Pfalz

In Artikel 29 der rheinland-pfälzischen Landesverfassung heißt es: „Die öffentlichen Grund-, Haupt- und Sonderschulen sind christliche Gemeinschaftsschulen.“ Die LSV fordert, dies zu ändern und alle öffentlichen Schulen als bekenntnisfrei zu bezeichnen. „In einer pluralistischen Gesellschaft mit säkularem Staat kann es nicht sein, dass öffentliche, staatliche Schulen per se christlich sind“, erklärte Lucas Fomsgaard, Vorstandsmitglied der LSV.

LSV will neues, konfessionsfreies Schulfach

Die angestrebte Änderung der rheinland-pfälzischen Landesverfassung betrachtet die LSV nicht nur aus juristischen, säkularen, freiheitlichen und antidiskriminierenden Gründen für absolut notwendig, sondern auch als Grundstein für ein neues Schulfach, das die LSV anstelle des konfessionsgebundenen Religionsunterrichts einführen möchte. Dieses soll „objektiv über verschiedene Glaubensrichtungen, Weltanschauungen, Religionskritiken und Ethik“ aufklären und den Schülern „fundierte, aber auch reflektierte Möglichkeiten der eigenen Glaubensfindung“ bieten.

"Wer staatliche Schulen
zu christlichen erklärt,
überschreitet seine Kompetenzen"
Lucas Fomsgaard, Vorstandsmitglied der LSV

Vorstandsmitglied Fomsgaard weiter: „Wer staatliche Schulen zu christlichen erklärt, überschreitet seine Kompetenzen und zwingt mich als Atheisten oder Andersgläubigen in einem Staat, der von sich behauptet, säkular und weltanschaulich neutral zu sein, unter der Aufsicht eines Gottes zu lernen, an den ich nicht glaube.”

Bereits im Oktober hatte die LSV einen Religionsunterricht, der „zur Gottesfurcht“ erziehen solle, als „nicht mehr zeitgemäß“ bezeichnet. Schule solle keine Glaubensrichtung einer anderen vorziehen, was durch das derzeitige Fächerangebot jedoch der Fall sei.

DT/mlu

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