Albbruck-Unteralpfen/Südschwarzwald

Glauben, singen, lernen

Die Private Europäische Musikrealschule Collegium Musicum verbindet religiöse und musische Erziehung.

Collegium Musicum
Freude am Glauben, der Musik und am Lernen: Das Leben am Collegium Musicum. Foto: Collegium musicum

Jahrgangsübergreifender Unterricht in kleinen Gruppen, vernetze Wissensvermittlung, bei der der Stoff, die Inhalte mehrerer Fächer bündelnd, vermittelt wird und das alles mit viel Musik und noch dazu einer katholischen Grundausrichtung – das scheint ein schöner Traum zu sein.

Konzepte von Maria Montessori und Don Bosco vereint

Tatsächlich aber gibt es seit einiger Zeit genau dieses Angebot. Das Collegium Musicum, idyllisch im Südschwarzwald gelegen, bietet ein Konzept an, in dem die Lehrer im Rahmen des Marchtaler Plans das Beste aus den Konzepten von Maria Montessori und Don Bosco miteinander verbinden.

Das an der Stiegstraße in Albbruck-Unteralpfen gelegene Jungeninternat möchte eine personale, ganzheitliche, soziale und sittliche Erziehung gewährleisten, bei der die Anlagen der Kinder erkannt, ihre Interessen geweckt und gefördert werden. Damit die Entfaltung der Persönlichkeitspotenziale gelingt, wird neben der intellektuellen Vermittlung des Stoffes ein Schwerpunkt auf die musische und künstlerische Bildung gelegt. Und auch die Hände kommen in der handwerklichen und kreativen Praxis zum Einsatz, damit das, was mit dem Kopf erlernt wurde, auch im Herzen Wurzeln schlagen kann.

Kleine Lerngruppen sind Selbstverständlichkeit

Keine Frage, dass dies nur bei sorgfältiger individueller Förderung gelingen kann. Deshalb sind kleine Lerngruppen im Collegium Musicum eine Selbstverständlichkeit. Dank der modernen, transparenten und im wahrsten Sinne lichtvollen Atmosphäre in den Gruppenräumen fällt die Konzentration leicht. Dass sie gelingt, hängt allerdings ganz wesentlich auch mit einer anderen regelmäßigen Lichterfahrung zusammen. Denn Schüler und Mitarbeiter treffen sich nicht nur zum täglichen Angelus-Gebet in der Hauskapelle, sondern haben auch jeden Tag Gelegenheit, an der Feier der heiligen Messe, vorzugsweise in der außerordentlichen Form, teilzunehmen.

Die seelsorgerlichen Aufgaben teilen sich Priester der Petrusbruderschaft, der SJM und Priester aus dem nahegelegenen Kloster Maria Bronnen. Die erfahrenen Seelsorger tragen Sorge dafür, dass neben der geistigen auch die geistliche Formung der Schüler gelingen kann. Wichtig sind den Pädagogen dabei die Erziehung zu eigenverantwortlichem Arbeiten und der Erwerb eines tief verankerten Verantwortungsbewusstseins für den rechten Gebrauch der Freiheit.

Das musische Profil der Schule ist dabei eine wesentliche Hilfe. Ihren Wert für eine gelingende christliche Erziehung erklären die Verantwortlichen mit einem Wort Papst Benedikts XVI. über den Wert der geistlichen Musik, die „auf einzigartige Weise dazu bestimmt [ist], im menschlichen Geist, der vom irdischen Leben so sehr gezeichnet und manchmal verletzt ist, Hoffnung zu wecken“. Denn es besteht, wie der Papst 2008 betonte, „eine geheimnisvolle Beziehung zwischen Musik und Hoffnung, zwischen Gesang und ewigem Leben“.

Eigene Instrumente statt flackernde Bildschirme

Diese Perspektive möchten die Pädagogen am Collegium Musicum ihren Schülern vermitteln. Dabei geht es ihnen vor allem darum, das letzte, wichtigste Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Und dabei kann die musikalische Ausbildung eine wesentliche Hilfe sein. Was Besucher immer wieder staunend wahrnehmen, ist: Die teleologische Ausrichtung bewirkt keine Entfremdung, sondern vielmehr eine gelungene Verwurzelung in der Schöpfung. Denn „die wahre Kunst, ebenso wie das Gebet, entfremdet uns nicht von der täglichen Wirklichkeit, sondern führt uns vielmehr zu ihr hin, um sie zu ,bewässern‘ und gedeihen zu lassen, damit sie Früchte des Guten und des Friedens trägt“, wie Benedikt XVI. betont.

Die Schüler des Collegium Musicum erhalten deshalb jeder ein eigenes Instrument. Denn das ist – so die Erfahrung von Lehrern, Eltern und Schülern – weit wichtiger als die Arbeit am Computer. Was in vielen staatlichen Schulen als Allheilmittel angepriesen und unter Aufbringung hoher Kosten angestrebt wird – jedem Kind seinen eigenen PC oder ein eigenes Tablet zur Verfügung zu stellen –, hat am Collegium Musicum nicht die erste Priorität. Hier hat man die Studien gelesen, die zeigen, dass Kinder, die regelmäßig miteinander singen und ein Instrument erlernen, ihre intellektuellen Fähigkeiten weit besser nutzen können als diejenigen, die stundenlang einen flackernden Bildschirm betrachten.

Musik zu machen führt zur Bildung neuronaler Netzwerke, das gemeinsame Kreieren von Klängen fördert Teamarbeit, Konzentration und Toleranz. Aggressives Verhalten erlebt man bei musizierenden Kindern weit seltener als bei solchen, die die Freude, Erfüllung und Anerkennung, die das Erlernen eines oder mehrerer Instrumente mit sich bringt, niemals kennengelernt haben.

Musikrealschule mit Möglichkeit zur Allgemeinen Hochschulreife

Wer sein Kind am Collegium Musicum anmelden möchte, was ab der 5. Jahrgangsstufe möglich ist, braucht aber nicht zu befürchten, dass es eine anspruchsvolle Aufnahmeprüfung ablegen muss. Es wird zwar angesichts des musischen Schwerpunkts des Internats eine Überprüfung der musikalischen Vorkenntnisse vorgenommen, sie dient aber lediglich der Einschätzung und es ist nicht erforderlich, dass die Jungen bereits ein Instrument beherrschen. Ist das Kind als Schüler aufgenommen, bekommt es fortan regelmäßige Stimmbildung, singt im Chor und erhält Instrumentalunterricht. Die dort erlernten Techniken können dann in verschiedenen instrumentalen Ensembles zum Einsatz kommen.

Konzipiert ist das Collegium Musicum als Musikrealschule. Wer hier seinen Abschluss erwirbt, kann die Musik bei entsprechender Begabung später auch zu seinem Beruf machen. Angesichts der hohen Zufriedenheit von Schülern und Eltern kam aber schon bald die Frage auf, ob das Collegium Musicum seine Schüler nicht auch auf das Abitur vorbereiten könne.

Mit Beginn des Schuljahres 2015/16 wurde deshalb für diejenigen, die die Mittlere Reife erworben haben, die Möglichkeit eröffnet, sich am Collegium Musicum auch auf die Allgemeine Hochschulreife vorzubereiten. Grundlage hierfür ist ein staatlich anerkannter Fernkurs, dessen Inhalte die Schüler sich mit Unterstützung der Lehrkräfte aneignen. Begleitend hierzu erhalten die Oberstufenschüler weiterhin Musik- und Instrumentalunterricht sowie die Möglichkeit, in Schulchor- und Orchester mitzuwirken. Abgelegt werden sowohl die Prüfung zur mittleren Reife wie auch die Abiturprüfung extern als sogenannte Schulfremdenprüfung.

Internatsgemeinschaft: Gegenseitiges Helfen

Die Lernatmosphäre, das bestätigen Schüler, Lehrer und Eltern einhellig, ist ideal. Dazu trägt nicht nur die idyllische Lage des Internats im Naturpark Südschwarzwald bei, sondern vor allem das achtungsvolle Miteinander. Deshalb kommen auch Tagesschüler aus der Region gern ans Collegium Musicum. Und auch wer seine Mittlere Reife anderswo erworben hat, kann das Angebot des Internats zur Vorbereitung auf das Abitur nutzen.

Für Schüler und Eltern, die der oft wenig spirituellen, von Mobbing geprägten Atmosphäre an manchen staatlichen Schulen entgehen möchten, eine ideale Möglichkeit, in einer werteorientierten Umgebung zu lernen. Die feste Internatsgemeinschaft mit Studierzeiten, gegenseitiger Hilfe bei den Hausaufgaben und kompetenter Betreuung durch das Lehrpersonal bietet hierzu die optimalen Voraussetzungen. Aufgrund der immer wieder von den Eltern gestellten Frage überlegen die Verantwortlichen nun, ob nicht auch ein Internatszweig für Mädchen installiert werden soll.

Ein weiterer Aspekt für die Zukunft des Collegium Musicum ist der Ausbau des schon praktizierten Schüleraustausches. Vor allem aus Frankreich kommen immer wieder Jungen, oft Pfadfinder, die für einige Wochen oder Monate am Collegium Musicum mitleben, beten und lernen. Dass das katholische Musikinternat eine Insel im oftmals grauen Schulalltag unseres Landes ist, hängt mit dem hohen Engagement aller für ihre Schule zusammen. Eltern helfen hierbei ebenso mit wie Menschen, die von dieser exzellenten Bildungseinrichtung erfahren haben und durch Geldspenden, die Gabe von Instrumenten, Noten oder Lernmaterial zu deren Erhalt beitragen.

  • Nähere Informationen zur Schule und den Aufnahmebedingungen gibt es unter s-cm.eu.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.