Köln

"Eine Schule für alle"

Vernetzt, ganzheitlich, innovativ: Das Erzbistum Köln eröffnet einen Bildungscampus im Kölner Stadtteil Kalk.

Nadine Larisch neue Grundschulleiterin in Köln-Kalk
Nadine Larisch wird die neue Grundschule in Kalk leiten. Foto: Erzbistum Köln

Wir wollen einen Ort gemeinsamen Lernens schaffen, dessen verbindliches Ganztagsangebot schon mit der Grundschule beginnt.“ So beschreibt das Erzbistum Köln sein unter der Marke „Bildungscampus“ ins Leben gerufene innovative Konzept schulischer Ausbildung. Während andere Bistümer, wie das Erzbistum Hamburg, damit beschäftigt sind, katholische Schulen zu schließen, geht man im Rheinland einen völlig anderen Weg. Entstehen soll eine vernetzte Schule, die Kinder und Jugendliche aus allen Gesellschaftsschichten vom Kindergarten bis in den Beruf begleitet und ihnen neue Chancen eröffnet.

Schon 2016 hat man den Bau eines „Bildungscampus für alle“ angekündigt. Dort sollen vor allem auch benachteiligte Kinder gefördert werden. Die Schule neuer Prägung, wie sie das Erzbistum Köln denkt, soll zentraler Knotenpunkt eines Netzwerks aus Hilfs- und Weiterbildungsangeboten sein. Kinder und Jugendliche sollen über den Schulalltag hinaus Unterstützung erfahren. Das Projekt startet bereits im kommenden Jahr. Zum Schulbeginn im August 2020 wird es im Kölner Stadtteil Kalk eine neue katholische Grundschule geben. Im Anschluss daran soll eine integrierte Gesamtschule unterschiedliche Abschlüsse bis hin zum Abitur ermöglichen.

Nicht nur Wissen, auch Werte weitergeben

Das ist wichtig in einer Zeit, in der eine zunehmende Individualisierung und ein Auseinanderdriften der Gesellschaft beklagt wird: Das Schulkonzept legt einen besonderen Wert darauf, dass die Kinder und Jugendlichen lernen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Dazu leisten das Lernen in altersgemischten Gruppen und die Förderung des sozialen und emotionalen Lernens einen Beitrag. Zu diesem Zweck wird es innovative Angebote der Schulpastoral geben. Darin liegt eine große Chance, die Vermittlung von Werten stärker ins Zentrum schulischer Ausbildung zu stellen. Die Idee ist übrigens nicht neu. Bereits in den griechischen Stadtstaaten der Antike entwickelte sich das Bildungskonzept der Paideia. Es beinhaltete eben nicht lediglich die reine Vermittlung von Wissensinhalten, sondern brachte den Schülern auch politische und ethische Denkentwürfe nahe.

Eine weitere Besonderheit des Projekts: Partner aus dem kirchlich-caritativen Bereich erweitern das Lern- und Betreuungsangebot über die schulischen Grenzen hinaus. Die Leiterin der Hauptabteilung Schule und Hochschule im Erzbistum Köln, Bernadette Schwarz-Boenneke weiß, dass sie das Rad nicht neu erfinden muss. „Es gibt in unserer Bildungslandschaft in Deutschland viele gute Angebote, aber sie stehen manchmal ziemlich isoliert in der Landschaft“, beschreibt sie die Ausgangslage. Deshalb will das Erzbistum bestehende Angebote intensiv vernetzen. So sollen die jungen Menschen und ihre Eltern in jeder Lebenssituation jemanden an ihrer Seite haben, der sie begleitet und unterstützt.

Helfen sollen dabei die auf der lokalen Ebene bereits vorhandenen Beratungs- und Betreuungsangebote von Kirche und Caritas. Was bedeutet das nun für den Alltag der neuen Schule? „Wir werden dort aktiv über die Angebote aus der Familienberatung, der Bildungsarbeit oder der Freizeitgestaltung informieren“, erläutert Schwarz-Boenneke. So kann die Schule gezielt, bei entsprechendem Bedarf, Kontakte zwischen Schülern, ihren Familien und den passenden Angeboten vermitteln. An dieser Stelle hat Schule eben nicht nur Abschlussquoten im Blick, sondern denkt die Lebensgeschichte der Schülerinnen und Schüler weiter. Denn die Ausbildung eines jungen Menschen endet schließlich nicht mit einem Abschlusszeugnis. Vielen Schulabsolventen fällt es schwer, einen für sie passenden Berufseinstieg zu finden. Hier will man gezielt Partnerschaften mit Organisationen und Firmen aufbauen. So lassen sich Praktikums- oder Ausbildungsplätze unkompliziert vermitteln.

Die Bedürfnisse des einzelnen Kindes sind Maßstab

Der soziale Auftrag kirchlicher Einrichtungen wird bei der Ausrichtung der Zielgruppe deutlich: es soll „eine Schule für alle“ werden. In ihr werden Kinder aus allen Teilen der Gesellschaft ihren Platz finden. Das Angebot richtet sich dabei auch an diejenigen mit einem geistigen, sozialen oder seelischen Unterstützungsbedarf. Das macht die Aufgabe für die Planer nicht leichter. „Wir wollen den Kindern und Jugendlichen nicht einfach etwas vorsetzen und sagen, das ist unser Angebot, nehmt es oder lasst es. Die zentrale Frage für uns ist: Was brauchen die einzelnen Kinder? Wo können wir sie in ihrer individuellen Entwicklung unterstützen?“, betont Bernadette Schwarz-Boenneke. Um ein solches Konzept tragfähig umzusetzen, benötigt man Menschen mit Begeisterungsfähigkeit, die sich gut auf ihre Aufgabe vorbereiten können.

Deshalb ist Schwarz-Boenneke froh, bereits jetzt in der 42-jährigen Nadine Larisch eine ideale Leiterin für die neue Grundschule gefunden zu haben. Sie hat bereits im Bistum Essen eine katholische Grundschule neu ausgerichtet. Dort musste sie allerdings noch auf vorhandene räumliche Ressourcen Rücksicht nehmen. In Köln-Kalk kann sie nun den pädagogischen und den baulichen Prozess zeitgleich organisieren. „Das gibt mir als Pädagogin die einmalige Chance, eine Schule von Grund auf für Kinder gestalten zu dürfen und dabei insbesondere die speziellen Bedürfnisse vor Ort in die Planung und Gestaltung aufnehmen zu können“, freut sich Larisch auf ihre neue Aufgabe.

Ihr ist es wichtig, dass sich Eltern und Schule als Bildungs- und Erziehungspartner verstehen, die gemeinsam das Wohl und die bestmögliche Unterstützung des jeweiligen Kindes in den Mittelpunkt stellen. Sie rät Eltern, „sich mit dem Profil einer Schule bereits vor der Anmeldung intensiv auseinanderzusetzen und zu schauen, ob dies zu den eigenen Vorstellungen, aber auch zur Persönlichkeit des Kindes passt“. Eltern brauchen das Gefühl: „Diesen Menschen kann und möchte ich mein Kind anvertrauen.“

Eine solche Atmosphäre wird Larisch mit viel Herzblut zu schaffen versuchen, damit auch die Kinder, die täglich viel Zeit in der Schule verbringen, sich dort wohl fühlen. Ein visionäres Schulprojekt mit Vorbildpotenzial für ganz Deutschland.