Nachgefragt: Man kann helfen, wenn man weiß, wie

Nachgefragt: Man kann helfen, wenn man weiß, wie
Gerald Zimmer (Foto: Thiede) ist Rentner und seit gut zwei Jahren als ehrenamtlicher Helfer für demenzkranke Menschen aktiv. Er ist einer der wenigen Männer in diesem Bereich. Rocco Thiede hat ihn befragt.

Fast immer trifft man auf Frauen, die ehrenamtlich im Helferkreis mitmachen. Wie fing für Sie alles an, Herr Zimmer?

Ich bin durch meine Frau dazugestoßen. Sie macht das schon länger. Weil sie damals eine Zeit im Ausland war, habe ich sie vertreten. Da hat die Gruppe wohl mitbekommen, dass ich alles ganz gut hinbekomme. So haben sie mich beackert und überzeugt, weiterzumachen. Dann habe ich einen Lehrgang besucht, wo Grundlagen vermittelt wurden. Den Rest brachte dann die Praxis hier in den Gruppen beim Kochen, dem Singen oder Spielen sowie bei der Einzelbetreuung.

Wie erleben Sie die Stunden hier in der Gruppe?

Das, was wir hier machen, ist eine schöne Gelegenheit, den an Demenz erkrankten Menschen Freude zu bereiten und gleichzeitig auch ihre Angehörigen zu entlasten und unterstützen. Wenn ich die freudigen Reaktionen der Menschen hier sehe, dann macht es mir auch Spaß. Aus meiner Sicht ist noch eine große Distanz beim Thema Demenz in der Gesellschaft vorhanden. Das trifft auch auf meinen Bekanntenkreis zu. Immer wenn ich von dem Ehrenamt hier erzähle, dann schauen mich viele ungläubig an, weil sie die gesamte Problematik noch nicht verinnerlicht haben.

Wie erklären Sie sich das?

Demenz ist eine ganz normale Erkrankung. Man kann den Menschen helfen, wenn man weiß, wie man damit umgehen muss. Als wir einmal mit unserer Demenz-Gruppe bei unserem Kegelverein waren, reagierten einige erst mit Unverständnis. Aber wenn man es den Menschen erklärt, dann macht es bei vielen „Klick“. Und wenn sie Demenz verstehen, ändern sich ihre Meinungen schnell.

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