Die Reichspräsidentenwahl vor 80 Jahren

Paul von Hindenburg war gemeinsamer Kandidat der Weimarer Demokraten. Von Thomas Emons
Paul von Hindenburg , Reichspräsident
Foto: dpa | Paul von Hindenburg wurde vor 80 Jahren direkt vom Volk zum Reichspräsidenten gewählt.
Paul von Hindenburg , Reichspräsident
Foto: dpa | Paul von Hindenburg wurde vor 80 Jahren direkt vom Volk zum Reichspräsidenten gewählt.

Berlin (DT) Am kommenden Wochenende soll Joachim Gauck zum neuen Bundespräsidenten gewählt werden, nachdem Christian Wulff zurückgetreten ist. Turbulente Zeiten. In der Öffentlichkeit wurde deshalb auch schon diskutiert: Sollte der Bundespräsident nicht direkt von den Bürgern gewählt werden?

Im März und April 1932, vor 80 Jahren, hatten die Deutschen die direkte Wahl. Der seit sieben Jahren amtierende Reichspräsident Paul von Hindenburg, damals bereits 85 Jahre alt, bewarb sich um eine zweite Amtszeit. Eigentlich wollte der greise Generalfeldmarschall, den viele Deutsche als Ersatzkaiser verehrten, nicht mehr kandidieren. Doch Reichskanzler Heinrich Brüning, der damals nicht mit der Mehrheit des Reichstages, sondern auf der Grundlage des Weimarer Verfassungsartikels 48 mit den Notverordnungen des Reichspräsidenten regieren musste, überredete Hindenburg dazu.

Denn der katholische Zentrumspolitiker befürchtete eine Präsidentschaft Adolf Hitlers und damit eine Machtübernahme durch die erstarkte NSDAP. Eigentlich wollte Brüning die Reichsverfassung von 1919 ändern und Hindenburg durch den Reichstag auf Lebenszeit wählen lassen. Doch Nationalsozialisten und Deutschnationale wollten eine erneute Direktwahl des Präsidenten und hofften auf den Sieg ihrer Kandidaten.

Was Hindenburg an seiner Kandidatur im Frühjahr 1932 nicht behagte, waren seine Unterstützer. Anders als bei seiner ersten Wahl 1925 wurde er nicht von den Parteien der politischen Rechten, sondern von der Weimarer Koalition aus Sozialdemokraten, dem katholischen Zentrum und den liberalen Parteien unterstützt. Der alte Generalfeldmarschall sah sich aber nicht als Weimarer Demokraten, sondern als Monarchisten.

1932 waren sechs Millionen Deutsche arbeitslos und das Land litt immer noch unter der Reparationslast des Ersten Weltkrieges. Das stärkte die Radikalen. Deshalb fürchteten die demokratischen Parteien einen Wahlsieg des NSDAP-Kandidaten Hitler und sahen in einer Kandidatur Hindenburgs die einzige Rettung für die Republik. Ihre Rechnung ging kurzfristig auf.

Mit 49,6 Prozent der Stimmen verfehlte Hindenburg im ersten Wahlgang am 13. März 1932 nur knapp die absolute Mehrheit, die er dann im zweiten Wahlgang am 10. April 1932 mit 53 Prozent gewinnen sollte. Doch langfristig wurde Hitler, der im ersten Wahlgang 30,1 Prozent und im zweiten Wahlgang 36,8 Prozent der Stimmen errang, nicht von der Macht ferngehalten.

Obwohl Hindenburg Brüning seine Wiederwahl verdankte, entließ er diesen im Mai 1932 aus dem Kanzleramt. Weil er kein Demokrat war und auf die falschen Ratgeber hörte, verging nach der Reichspräsidentenwahl vom März und April 1932 nur noch ein Jahr bis zur Kanzlerschaft Hitlers und der Machtübernahme durch die Nazis.

Es waren die tragischen Erfahrungen mit dem „zu starken“ und zu wenig demokratischen Reichspräsidenten von Hindenburg, die die Mütter und Väter des Grundgesetzes 1949 veranlassten, ein repräsentatives Bundespräsidentenamt zu schaffen, dessen Inhaber nicht mehr durch die Bürger, sondern durch eine Bundesversammlung gewählt wurde. Die Bundespräsidenten sollten nur noch eine Macht ausüben, die des Wortes.

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