Beim Namen genannt

Beim Namen genannt

Jahrelang diskutierte Hellmuth Karasek (Foto: dpa) mit Marcel Reich-Ranicki und weiteren Kritikern in der ZDF-Sendung „Das literarische Quartett“ über neue Bücher. Der Autor, der am Dienstag im Alter von 81 Jahren in Hamburg gestorben ist, wurde mit seinen wortgewandten Auftritten in dem TV-Format einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Die Neuauflage des Fernsehklassikers kann er nicht mehr miterleben: Die startet das ZDF an diesem Freitag – fast 14 Jahre nach der letzten Sendung.

Karasek war Autor, Kritiker, Moderator und auch Journalist. Und er liebte das Publikum. Selbst nachdem das „Quartett“ (1988–2001) nach 77 Folgen und 375 besprochenen Büchern eingestellt wurde, tauchte der Kulturkritiker immer wieder auf dem Bildschirm auf, was ihm bisweilen Kritik einbrachte. „Ich kann an solchen Fernsehauftritten nichts Ehrenrühriges finden“, lautete sein Kommentar dazu. „Das Fernsehen hat mein Leben am meisten verändert“, sagte Karasek einmal. Als Journalist schrieb er für diverse Zeitungen, er war Theaterkritiker bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ und Kulturressortchef beim „Spiegel“. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und verfasste unter dem Pseudonym Daniel Doppler Theaterstücke. Dabei war das Schreiben für ihn harte Arbeit, wie er zu seinem 75. Geburtstag mal erzählte. Sein Romandebüt hatte er 1998 mit „Das Magazin“ gegeben – über das intrigante Innenleben eines Hamburger Nachrichtenmagazins.

Geboren wurde Karasek 1934 als eines von fünf Kindern im mährischen Brünn. Ende des Zweiten Weltkrieges floh die Familie vor der Roten Armee nach Bernburg/Saale in Sachsen-Anhalt. Nach dem Abitur übersiedelte Karasek 1952 aus der damaligen DDR in die Bundesrepublik und studierte in Tübingen Germanistik, Geschichte und Anglistik. „Ich habe in zwei Diktaturen gelebt. Die erste habe ich gemocht und erst später gemerkt, dass das ein Schweineregime war. Die zweite habe ich von Anfang an gehasst.“ Ihn habe seine Kindheit im Dritten Reich am meisten geprägt, erzählte er. „Durch den Krieg hat man gelernt, dass kein Stein auf dem anderen steht, nichts Bestand hat und man immer misstrauisch bleibt.“

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) würdigte den verstorbenen Publizisten als einen der engagiertesten Literaturkritiker Deutschlands. „Der Journalist und Autor Karasek hat als glühender Verfechter der Lesekultur den Menschen das Buch nahegebracht. Er wird fehlen“, erklärte die Ministerin.

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