Zu den Quellen des Papstes

Neuer Lehrstuhl „Johannes Paul II.“ an der „Universität der Mystik“ im spanischen Avila. Von Andrea Schultz
Neuer Lehrstuhl „Johannes Paul II.“ an der „Universität der Mystik“ im spanischen Avila
Foto: KNA | Wie ein Stern liegt die Universität vor den Toren der Stadt.

Mit einer Internationalen Fachtagung über die Beziehungen Johannes Pauls II. zu den Mystikern des Karmeliterordens wird am Freitag und Samstag an der „Universität der Mystik“ Avila der neue Lehrstuhl „Johannes Paul II.“ offiziell eingerichtet. Geschaffen wurde er aufgrund einer Ende Juni unterzeichneten Rahmenvereinbarung zwischen dem die Universität tragenden „Internationalen Zentrum Teresa – Heiliger Johannes CITeS“ und der Päpstlichen Universität Johannes Paul II. Krakau. Die Leitung des Lehrstuhls übernimmt Pater Andrzej Dobrzynski, Direktor des Zentrums für Dokumentation und Forschung bei der Stiftung Johannes Paul II. in Rom. Die Forschung an dem Lehrstuhl soll sich auf die Mystik sowie auf „einige der relevanten und charakteristischen Aspekte beim Heiligen Papst Johannes Paul II.“ konzentrieren.

Zeit seines Lebens war Karol Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II. (1978–2005), mit dem Karmeliterorden verbunden. Als Student in Krakau lernte er die Schriften von Teresa von Avila und Johannes von Kreuz und damit auch das kontemplative Gebet und die mystische Erfahrung der beiden spanischen Heiligen kennen. Karol Wojtyla schrieb später seine Doktorarbeit bei Garrigou-Lagrange in Rom über die Theologie und Mystik des heiligen Johannes vom Kreuz. Aber bereits als Kind hatte der spätere polnische Papst immer wieder das Karmeliterkloster von Górka nahe Wadowice besucht. Daran erinnerte er bei seinem Pastoralbesuch in Polen 1999: „Wie in meiner Kindheit und Jugend, so begebe ich mich auch jetzt im Geiste zu jenem Ort der besonderen Verehrung ,Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel‘, der auf die Spiritualität der Region Wadowice einen so großen Einfluss gehabt hat. Ich selbst empfing dort zahlreiche Gnaden, für die ich Gott heute danken möchte. Und die kleine Medaille trage ich noch, so wie ich sie, wenig mehr als zehn Jahre, von den Karmeliten in Górka erhalten habe.“

Die Verbundenheit Johannes Pauls II. mit den Karmeliten hatte ein Jahr zuvor in der vom polnischen Papst vorgenommenen Heiligsprechung von Edith Stein, die er als „große Tochter Israels und des Karmel“ bezeichnete, einen weiteren Ausdruck gefunden. Die Philosophin Edith Stein ließ sich 1922 taufen, nachdem sie bei der Lektüre einer Biografie der heiligen Teresa von Avila überzeugt war, die Wahrheit gefunden zu haben. Im Jahre 1933 trat sie in den Kölner Karmel ein und erhielt den Ordensnamen „Teresia Benedicta a Cruce“ („Teresia vom Kreuz gesegnet“).

Folgerichtig beginnt das Symposium, an dem Theologen aus Spanien, Polen und Mexiko teilnehmen, am Freitagabend mit einem Doppelreferat über „Johannes Paul II. und Edith Stein (Teresia Benedicta a Cruce)“: Der Rektor der Krakauer Universität Wojciech Zyzak spricht über Edith Stein in Leben und Schrifttum Karol Wojtylas. Francisco Javier Sancho Fermín, Direktor des CITeS, behandelt das Thema „Zwei konvergierende Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts“. Der Samstagvormittag steht unter dem Gesamtthema „Die Erfahrung Gottes nach Johannes Paul. II“. Der emeritierte Bischof von Avila Jesús García Burillo spricht über „Avila im Herzen Johannes Pauls II.“ Über „Die Zentralität der Person in der Philosophie von Karol Wojtyla“ referiert Rafael Mora Martín vom Institut für Religionswissenschaften „San Pablo“, Alicante. Anabel Castellanos, von der University of St. Thomas, Houston, behandelt das Thema „Der Heilige Geist bei Johannes Paul II.“

Die Fachtagung schließt am Samstagnachmittag mit dem Themenblock „Johannes Paul II. und zwei Mystiker aus dem Karmel“ ab. Dazu gehören die beiden Referate „Der Heilige Johannes Paul II. und Johannes vom Kreuz“ von José Vicente Rodríguez OCD aus Toledo sowie „Johannes Paul II. und Thérese von Lisieux“ von Dámaso Zuazua OCD, Vitoria.

Hintergrund:

Die weltweit erste „Universität der Mystik“ besteht seit Anfang 2009 im spanischen Avila. Die in unmittelbarer Nähe der Katholischen Universität Avila liegende Universität der Mystik ist eine Gründung des von den Unbeschuhten Karmeliten geführten Centro Internacional Teresiano Sanjuanista (CITeS), zu Deutsch „Internationales Zentrum Teresa (von Avila) – Heiliger Johannes (vom Kreuz)“.

Die Zielsetzung der Universität besteht laut dem Direktor des CITeS Francisco Javier Sancho Fermín darin, „die Forschung im Bereich der Mystik insbesondere bei Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz sowie den Dialog zwischen den mystischen Phänomenen und den Human- und Sozialwissenschaften zu fördern.“

Das 1986 ursprünglich als Ausbildungszentrum für Mitglieder des Karmeliterordens gegründete Internationale Zentrum öffnete sich 2009 einer breiten Öffentlichkeit. In dem unverwechselbaren, sternförmigen Gebäude werden unterschiedliche Programme durchgeführt: Neben den Master-Studiengängen in „Mystik“ und „Spiritualität“ sowie den monografischen Kursen über Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz bietet die Universität Wochenend- und Ferienkurse an. Ein spezielles Angebot besteht in den „Online-Kursen“, an denen übers Internet teilgenommen werden kann. Im Mittelpunkt der Kurse und Programme steht nicht nur die theoretische Beschäftigung mit Teresa und Johannes von Avila, Johannes vom Kreuz und Edith Stein, sondern auch die praktische Vertiefung des Gebetslebens aus der mystischen Erfahrung der großen Karmeliten-Heiligen heraus.

Mit der Einrichtung des Lehrstuhl Johannes Paul II. verfügt die Universität der Mystik nun über zwölf Lehrstühle.  A.S.

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