Moskau

Wählen Sie den Heiligen oder den Spitzel-Chef?

Auf dem Lubjanka-Platz in Moskau soll eine Statue errichtet werden. Zur Auswahl stehen der heilige Alexander Newski und der KGB-Erfinder.
Statue von Felix Dserschinski wird gestürzt
Foto: Igor Mikhalev (RIA Nowosti) | Vor fast 30 Jahren wurde auf dem Moskauer Lubjanka-Platz die Statue von Felix Dserschinski, dem Vater aller sowjetischen Geheimdienste, gestürzt. Nun könnte bald eine neue errichtet werden.

Vor fast 30 Jahren wurde auf dem Moskauer Lubjanka-Platz die Statue von Felix Dserschinski, dem Vater aller sowjetischen Geheimdienste, gestürzt. Der Platz blieb leer. Vor zehn Jahren versammelten sich auf dem Platz davor zahlreiche Gläubige zu einer Licht- und Gebetsaktion, die zur Erinnerung und Mahnung an die Installierung des ersten Gulag der Sowjetunion, der "Mutter aller Gulags",  einem ehemaligen Kloster auf den Solowezki-Inseln im Weißen Meer.

Die Bürger können abstimmen

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Die rund um den Gedenkstein versammelten Gläubigen, der bereits 1990 dort platziert wurde, hatten die Moskauer Behörden darum gebeten, ein orthodoxes Kreuz und eine Kapelle auf dem Lubjanka-Platz aufstellen zu dürfen. Während der Andacht zum Gedenken der heiligen Neumärtyrer erschien ein großes Kreuz am Himmel über der Lubjanka und war für gut 20 Minuten zu sehen. Nach diesem Ereignis wurde es wieder still um den Platz. Bis der Weltverband der orthodoxen Altgläubigen erklärte, dass man die Absicht von rund 30 Historikern, Journalisten und Prominenten unterstützten, ein Denkmal für Iwan III. (1440-1505) auf der Lubjanka zu errichten. Der Großfürst von Moskau, auch als Iwan der Große bekannt, sei der spirituelle Vater aller Altgläubigen, denn "er  repräsentiere das Erbe der Rus', bevor das Schisma vollzogen wurde und bevor die Romanows an die Macht kamen". 

Es mehrten sich die Stimmen, die nun partout wieder Felix Dserschinski an der alten Stelle sehen wollten. Im Februar 2021 schaltete sich der Zentralrat der Juden in Russland ein und plädierte dafür, doch einfach wieder einen Brunnen, vielleicht mit Fontänen, dort zu erbauen. Ein Denkmal für Dserschinski, an dessen Händen das Blut von zehntausenden Menschen klebe, sei auf jeden Fall unpassend. Im Laufe des vergangenen Monats kam dann noch der heilige Alexander Newski ins Spiel, außerdem Juri Andropov. An diesem Punkt schlug der Sprecher der Moskauer Stadtduma vor, man möge doch ein Referendum abhalten, wohingegen der Chefarchitekt der Stadt vor jeder Hast bezüglich der künftigen Gestaltung des Lubjanka-Platzes warnte. Ab 25. Februar konnten die Moskauer Bürger und Bürgerinnen nun über die Gestaltung des Platzes abstimmen - mit Einschränkungen, denn es stehen nur die Namen Dserschinski oder Newski zur Auswahl.  DT/Wenz/mee

Alexander Newski oder der KGB-Erfinder? Der Ausgang ist ungewiss. Kein leichte Entscheidung? Erfahren Sie mehr in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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